China: Die Börse hat 2015 den Automarkt ausgebremst

Der deutsche Leitindex DAX ist fast unverändert in die neue Handelswoche gestartet. Der Grund für die Zurückhaltung am Aktienmarkt: Die Investoren warten ab, ob die US-Notenbank Fed in dieser Woche eine Zinserhöhung verkündet.

Ich empfehle Ihnen, diese Zinsdiskussion zu ignorieren. Wenn die Zinserhöhung ausbleibt, ist das kein Grund, an der Börse zu feiern und wenn die Zinsen erhöht werden, ist das kein Grund, Aktien zu verkaufen. In Europa wird der Leitzins ohnehin noch längerfristig bei unter 1% liegen.

Am vergangenen Freitag bin ich hier im „Schlussgong“ ausführlich auf das Thema China und die Auswirkungen auf die Automobilbranche eingegangen. Kurz noch einmal mein Zwischenfazit:

„Die Schwankungen nehmen zu, aber der Gesamttrend wird noch über Jahrzehnte nach oben zeigen. Da die kaufkräftige Mittelschicht in China immer größer wird, steigt auch das Absatzpotenzial der Autobauer. Noch kommen in China erst knapp 70 PKW auf 1.000 Einwohner. In Industrienationen liegt dieser Wert bei über 500. Solche Werte sind in China über Jahrzehnte nicht in Reichweite, aber eine weitere Verdoppelung ist auch schon bis 2025 machbar.“

Während ich am Freitag die längerfristigen Perspektiven beschrieben habe, möchte ich heute auf die aktuelle Situation im Jahr 2015 eingehen.

Börse und Automobilmarkt

2015 erleben die deutschen Autobauer zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt Gegenwind im chinesischen Wachstumsmarkt (die Ausnahme ist Daimler mit einem zweistelligen Wachstum). Für Gegenwind sorgt die chinesische Wirtschaft, die nicht so dynamisch wächst wie erhofft, aber auch ein Börsen-Effekt.

Der chinesische Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten verrückt gespielt. Der China-Index ist zunächst innerhalb kurzer Zeit von 2.500 auf 5.400 Punkte hochgeschossen, um dann noch schneller wieder auf 3.200 Punkte zurückzufallen.

Eine solche wilde Achterbahnfahrt konnten Sie 1998 bis 2003 auch am deutschen Aktienmarkt beobachten. China hat dafür keine 5 Jahre benötigt, sondern nur wenige Monate. Diese Achterbahnfahrt hatte auch Auswirkungen auf den Automobilmarkt.

Zu Beginn des Jahres herrschte am chinesischen Aktienmarkt eine Goldgräberstimmung. Plötzlich galt der Aktienmarkt als Schnellstraße zum finanziellen Wohlstand. Daher haben viele Chinesen sämtliche Reserven zusammengekratzt und das Geld in Aktien investiert.

Davon war auch der Automobilmarkt betroffen. Das Motto lautete: Warum heute mit dem Geld ein Auto kaufen, wenn ich 12 Monate später mit den Aktiengewinnen ein Haus kaufen kann? Diese Träume sind aber schnell geplatzt.

In der Absturzphase lösten sich die Ersparnisse der Aktionäre in Luft auf. Angesichts der Talfahrt fehlte plötzlich das Geld für größere Anschaffungen. Der Automobilmarkt hat daher in der Auf- und in der Abschwungphase verloren.

Börsenfieber ist abgeklungen

Der kleine Trost: Jetzt, wo das „Börsenfieber“ in China weitgehend abgeklungen ist, sollte das Kaufverhalten der Chinesen wieder etwas berechenbarer werden. Der Automobilmarkt in China wird sich wieder stabilisieren und mittel- und langfristig wachsen.

14. September 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt