China: Krisen-Stimmung ist gut für DAX & Co.

Der DAX 30 Index hat im Laufe der Woche von über 11.600 auf unter 11.000 Punkte verloren. Dieses Mal war es China, das mit der Abwertung seiner Währung für Kursverluste sorgte.

Weitere Krisennachrichten kommen aus Griechenland, der Türkei mit den Kurden, der Ukraine und Russland, dazu kommen die anhaltenden Kriegsmeldungen aus Syrien, Afghanistan, Afrika, etc.

Mehr als 5% Verlust im DAX 30 Index in einer Woche und ich schreibe im Titel „Krisen-Stimmung ist gut“? Das kann ich begründen und …

… deshalb empfehle ich Ihnen: Lassen Sie sich von dem Krisengerede nicht verrückt machen. Es ist (leider) einfach so, dass das zum Alltag der Börsen gehört.

S&P 500 nur rund 3% unter Allzeithoch

Das sogenannte Angstbarometer, der Volatilitätsindex VDAX, steigt. Ebenso sein US-Pendant, der Volatilitätsindex VIX. Die ewigen Crashpropheten verbreiten Angst und Schrecken. Machen die ja immer, aber auch seriöse Kommentatoren lassen sich anstecken.

Dabei wird aber „gerne“ übersehen, dass der breit gefasste Weltleitindex S&P 500 nur rund 3% unter seinem Allzeithoch notiert. Ein Zeichen enormer Stärke. Der S&P 500 gibt die Richtung vor, der DAX 30 Index wird folgen.

Das alles hatten wir schon, immer wieder. Natürlich sind Krisen und vor allem Kriege nie gut, aber die kritischen Kommentare DAX 30 Index bewerte ich als gut für steigende Aktienkurse.

„Wall-of-Worry“ gut für steigende Aktienkurse

Es gibt im Börsenjargon den Ausdruck: „Wall-of-Worry“. Wörtlich übersetzt heißt das: „Wand der Angst“. Und es hat sich gezeigt: Ein Markt, in dem die Kurse steigen, obwohl es so viele Unsicherheiten und kritische Faktoren gibt, ist weit stabiler, als ein Markt der Euphorie.

Die Amerikaner nennen die aktuelle Börsenlage deshalb (übersetzt): Die Kurse steigen an der Wand der Angst hoch („climbing the wall of worry“).

DAX 30 Index über 11.000 Punkte

Die eingangs nur stichwortartig genannten Krisenmeldungen zeigen: Von Euphorie ist weit und breit nichts zu sehen. Und trotzdem notiert der DAX 30 Index mit rund 11.000 Punkten fast 3.000 Punkte über seinem früheren Allzeithoch, das viele Jahre Bestand hatte.

Psychologie steuert den Markt

Anleger die bei einem DAX 30 Index von unter 10.000 Punkten abgewartet haben und noch einsteigen wollten, die sitzen auf Cash und wollen investieren.

Will ich gewinnen, kaufe ich. Will ich nicht verlieren, verkaufe ich. Eine Sicherheit für eine der beiden Seiten gibt es nicht. Also entscheidet die Psychologie und Anlegerstimmung mit. Und diese Anleger müssen sich jetzt entscheiden: Kommen die Kurse nochmals zurück oder war das die vorläufig letzte gute Kaufgelegenheit vor einer Rally, die den DAX 30 Index auf 13.000 Punkte und mehr trägt?

Sorgenvolle Stimmung ist gut für den DAX 30 Index

Wenn die weltweite Krisenlage die Kurse nicht zum deutlichen Nachgeben bringt, was dann? Die sorgenvolle Stimmung bei gleichzeitig hohen Notierungen um 11.000 Punkte bewerte ich positiv für die weitere Entwicklung des DAX 30 Index.

Diese Stimmung ist mir allemal lieber, als überschäumende Euphorie, denn dann sind „alle“ investiert.

Jetzt sind nur die investiert, die die Risiken kennen und nicht sofort auf den Verkaufsknopf drücken, wenn mal wieder eine Krisenmeldung kommt

Viele Anleger wollen noch kaufen. Eine gute Ausgangslage für den DAX 30 Index und andere Aktien-Indizes. Denn wenn die an der Seitenlinie wartenden Anleger auch noch einsteigen, geht es weiter mit dem übergeordneten Aufwärtstrend.

Die Geschichte wiederholt sich

Das sehen Sie daran, dass ich Ihnen diesen Kommentar nahezu wortwörtlich im Dezember 2012 und nochmals im Februar 2014 geschrieben habe.

Im heutigen Kommentar habe ich die Kurse aktualisiert. Der Inhalt ist gleich dem meiner Kommentare aus Dezember 2012 und Februar 2014. Auch da war es „insgesamt wahrlich keine tolle Stimmung.“ (Kursiv ein Zitat aus Dezember 2012 und Februar 2014.) Und so entwickelten sich die Märkte nach der Krisenstimmung im Dezember 2012 und Februar 2014:

Im Dezember 2012 notierte der DAX 30 Index um 7.500 Punkte. Krisengerede beherrschte die Märkte. Seitdem ist er also um mehr als 4.500 Punkte gestiegen bevor er auf rund 11.000 Punkte nachgab.

Im Februar 2014 notierte der DAX 30 Index um 9.500 Punkte. Krisengerede beherrschte die Märkte. Seitdem ist er also um mehr als 2.500 Punkte gestiegen bevor er auf rund 11.000 Punkte nachgab.

Wiederholt es sich wieder? Die Ausgangslage ist vergleichbar. Die Kurse steigen wieder an der Wand der Angst hoch („climbing the wall of worry“). Ein gutes Zeichen! Deshalb halte ich an meiner Prognose vom Anfang der Woche, dass der DAX 30 Index auf 13.000 Punkte steigt, fest.

Ich empfehle: Lassen Sie sich von dem Krisengerede nicht verrückt machen.

Dass die Märkte mal fallen, ist normal, ja als gut zu bewerten. Denn nur so bildet sich die Basis für erneut steigende Kurse. Was Sie derzeit erleben ist … Alltag des Börsengeschehens.

Zum guten Schluss: Am 14. August 1867, also heute vor genau 148 Jahren, kam John Galsworthy, der englische Schriftsteller und Träger des Literaturnobelpreises, zur Welt. Sein Roman „Die Forsyte Saga“ ist ein Klassiker. Von Galsworthy stammt mein heutiges Zitat:

„Besser gute Einfälle als viele.“

Worte, wie gemacht für die Börse. Nicht die Anzahl der Einfälle (und Trades) entscheidet über den Erfolg, sondern die Qualität. Ich wünsche Ihnen gute Einfälle in jeder Lebenslage.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

14. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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