China: Kuka, Kion, Manz und Co. auf dem Einkaufszettel

Es hat fast schon eine komische Note: Die Angst vor einer möglichen Schwäche der chinesischen Wirtschaft drückt die Aktienkurse in Deutschland immer wieder nach unten.

Gleichzeitig nutzen chinesische Unternehmen die oft günstigen Kurse in Deutschland und kaufen sich serienweise in deutsche Technologie-Firmen ein.

Mit anderen Worten: Die Chinesen profitieren am stärksten von der typisch deutschen Angst vor einer möglichen Schwäche in China.

Das neueste Beispiel: Gestern Abend wurde bekannt, dass der chinesische Haushaltsgeräte-Hersteller Midea weitere Anteile des deutschen Roboter- und Anlagen-Bauers Kuka übernehmen will.

Die Chinesen haben es auf das Know-how des deutschen Herstellers in der Automatisierung der Produktion abgesehen.

Midea bietet Kuka im Gegenzug einen besseren Zugang zum Wachstumsmarkt China. Die komplette Kontrolle will Midea nach eigenen Angaben aber nicht übernehmen, hieß es heute.

Die Chinesen halten aktuell bereits etwas mehr als 10% der Kuka-Anteile. Die Nachricht, dass Midea seinen Kuka-Anteil aufstocken will, verhalf der Kuka-Aktie heute zu einem deutlichen Kurssprung.

Der aktuelle Fall Kuka untermauert das Interesse der Chinesen an deutschen Unternehmen. „Die Pipeline mit Interessenten aus China ist voll“, berichtet Eric Fellhauer, Co-Chef der Investmentbank Lazard in Deutschland.

Es gebe kaum eine Liste mit potenziellen Käufern ohne chinesischen Namen. Er spricht von einem staatlich gestützten Kapital-Export.

Angekündigt wurden in Deutschland im 1. Quartal 2016 Übernahmen durch ausländische Investoren und Firmen in einem Gesamt-Volumen von 5,7 Mrd. US-Dollar. 3,2 Mrd. US-Dollar – und damit deutlich mehr als die Hälfte – stammten aus China.

Anders als fokussierte Konzerne aus Japan, interessieren sich Bieter aus China sehr breit für europäische Unternehmen.

Chinesische Übernahmen in Deutschland

Hier einige Beispiele für Übernahmen in Deutschland seitens chinesischer Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit.

So verkaufte z. B. der Finanz-Investor EQT die deutsche Müllverbrennungs-Anlagen EEW für 1,8 Mrd. € nach Peking.

Bilfinger gibt das Wasser-Geschäft in die Volksrepublik China ab, und der mittelständische Maschinen-Bauer KraussMaffei geht für 925 Mio. € ins Reich der Mitte.

Daneben haben sich chinesische Unternehmen beispielsweise bei den beiden deutschen Unternehmen Manz und Kion eingekauft.

Bei Manz, dem ehemals im Technologie-Index TecDax gelisteten Maschinenbauer, wird das chinesische Unternehmen Shanghai Electric in einem ersten Schritt 29,9% der Anteile erhalten.

Ähnlich sieht es bei dem im MDax gelisteten Logistik-Experten Kion, einem Hersteller von Gabelstaplern, Lagertechnik-Geräten und Flurförderzeugen aus. An Kion hält das chinesische Unternehmen Weichai derzeit 38,3% der Anteile.

Bei Kion wird es voraussichtlich ähnlich laufen wie bei Kuka. Bedeutet: Das chinesische Unternehmen Weichai will seinen Anteil und somit auch seinen Einfluss bei Kion schrittweise ausbauen.

Denn die Logistik-Expertise, über die Kion verfügt, ist bei den Chinesen sehr gefragt. Weitere Informationen zu Kion und zur Kion-Aktie finden Sie in meinem Börsendienst „Power-Depot“.

Ausblick: Chinesen werden weiter in Deutschland zuschlagen

Ich rechne fest damit, dass die Chinesen auch zukünftig weiter in Deutschland auf Einkaufstour gehen werden.

Denn in China sind die finanziellen Mittel dafür vorhanden und gerade das Know-how mittelständischer deutscher Vorzeige-Unternehmen ist in China sehr gefragt.

Ich werde hier im „Schlussgong“ wieder über dieses Thema berichten, sobald der nächste spektakuläre Übernahme-Deal ansteht.

18. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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