China oder Türkei – Experten schicken Investoren in die Irre

Die Türkei wird in den nächsten Jahren kräftig weiter wachsen. Denn:

Die Wachstumsraten des Landes sind enorm – 18% Export im Jahr 2011.

Daher gelten die Türken als „China Europas“, ein Land also, das unabhängig von der weltwirtschaftlichen Entwicklung wächst und wächst. Wenn jetzt auch noch die Integration in die EU – in wenigen Jahren – gelingen sollte, wird die Türkei nicht mehr zu bremsen sein.

Das ist die Kernbotschaft diverser Meinungsartikel. China und die Türkei jedoch lassen sich nicht vergleichen. Die empfohlenen Zertifikate oder sonstigen Anlagechancen können wir Ihnen daher nicht weiter empfehlen.

Schulden steigen

Ein erstes Alarmzeichen für die Türkei sind die wachsenden Schulden. Denn das Land vom Bosporus importiert mehr als es exportiert. Eine Schwierigkeit der Volkswirtschaft dabei sind die Rohstoffmängel des Landes.

Öl gehört zu den begehrten Einfuhrprodukten, Rohstoffe wie Kupfer, Vorprodukte – alles Grundlagen für die Produktion. Dies macht China zwar auch, kann sich aber im Zweifel mit diversen Rohstoffen selbst versorgen.

Zudem steigt der Wohlstand der Bevölkerung. Dadurch konsumieren die Haushalte weiterhin mehr als sich die Volkswirtschaft leisten könnte.

Auch dies ist ein Unterschied zu China, das immer noch weitaus mehr exportiert als es importiert. Sichtbar wird das an den hohen Devisenbeständen von inzwischen mehr als zwei Billionen US-Dollar, über die China in seiner Zentralbank verfügt.

Verschuldung nicht gefährlich – noch

Bezogen auf sonstige Verschuldungen in Europa ist die Türkei bestens aufgestellt. Das BIP (Bruttoinlandsprodukt) ist zweieinhalb mal so hoch wie die Schulden (die also 40% betragen).

Nur: die Freude in den Medien ist verfrüht. Bedenken Sie:

  • Bleibt der Export niedriger als der Import, steigen die Schulden.
  • Die aktuellen Hochrechnungen basieren auf einem angenommenen Wachstum von etwa 4%. Dies aber hängt angesichts der Rohstoff-Abhängigkeit von der Weltwirtschaft ab.
  • Eine Stärke soll die Währung „türkische Lira“ sein. Anders als die norwegische Krone stützt sich diese Devise jedoch nicht auf ein Kernprodukt (wie Öl).
  • Gerät die Lira in den kommenden Währungskrieg zwischen Dollar, Rinminbi aus China sowie Dollar auf der einen Seite und Edelmetallen auf der anderen, wird der Höhenflug schnell vorbei sein.

GeVestor meint: Die Türkei ist vergleichsweise gesund. Darüber freuen wir uns, da sich diese Verfassung auch auf die EU auswirken wird. Die Nachfrage stützt alle Volkswirtschaften. Nur:

China diktiert bestimmte Segmente am Weltmarkt. China kann über die hohen Devisenbestände des Dollar ganze Währungen unter Druck setzen.

Und: Chinas Wachstum ist eindeutig höher – in etwa doppelt so hoch.

Daher sind Zertifikate auf die Türkei oder deren Index bei weitem nicht so sicher wie etwa in China. Wir bevorzugen als Investoren derzeit den Hang Seng.

13. Februar 2012

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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