China-Sorgen sind übertrieben

Die Sorgen um das weitere Wachstum in China haben zuletzt für massive Abschläge an den Aktienmärkten gesorgt.

Auslöser für die jüngste Verkaufs-Welle war die chinesische Zentralbank, die in der vergangenen Woche mit der mehrfachen Abwertung des Yuan für Panik unter den Anlegern sorgte.

Doch wie groß ist die Gefahr wirklich, die von China ausgeht?

Reaktion auf die Yuan-Abwertung war maßlos überzogen

Ich muss zugeben: Die heftige Reaktion der Aktienmärkte hatte ich in dieser Form nicht erwartet. Aber offensichtlich sind viele Anleger einer Fehleinschätzung aufgesessen.

Die Abwertung des Yuan wurde als Maßnahme interpretiert, um die (scheinbar) schwächelnde chinesische Wirtschaft zu stützen.

China-Experten sind sich jedoch einig, dass dies gar nicht der Grund für die Abwertung war.

Laut Xueming Song, Chefökonom China und Japan bei der Deutschen Asset & Wealth Management, erfolgte die Abwertung, um die Kapital-Abflüsse aus China zu stoppen und um die Vorgaben des IWF für eine Aufnahme des Yuan als Weltreservewährung zu erfüllen.

Seiner Meinung nach wird die Währung nicht eingesetzt, um die Wirtschaft zu beflügeln.

Chinas Wirtschaft wird nicht ins Bodenlose stürzen

Vor diesem Hintergrund erscheint die jüngste Verkaufswelle an den Aktienmärkten maßlos überzogen – zumal die Erwartung, dass sich das Wirtschafts-Wachstum in China verlangsamt, nun wahrlich keine Neuigkeit ist.

Allein schon wegen der erreichten Basis ist eine Abschwächung des Wachstums eine völlig normale Entwicklung. Wenngleich China künftig langsamer wachsen wird, deutet wenig auf eine „harte Landung“ hin.

China-Experte Xueming Song rechnet für dieses und das kommende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 6,8%. Selbst wenn sich die Lage schlechter entwickeln sollte als erwartet, erwartet Song für 2016 ein Wachstum von über 6%.

In China kühlt sich das Wachstum ab. Ein massiver Einbruch der Konjunktur im Reich der Mitte droht aus heutiger Sicht jedoch nicht. Die chinesische Wirtschaft wird nicht ins Bodenlose stürzen.

Deutsche Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs

Gerade in der deutschen Wirtschaft sind bislang noch keine Bremsspuren zu erkennen.

Die Auftrags-Eingänge in der deutschen Industrie zeigen, dass sich eine Abschwächung des China-Geschäfts gut durch die starke Nachfrage aus den europäischen Nachbarländern, aus Großbritannien und den USA kompensieren lässt.

Das abgelaufene 2. Quartal brachte für die 30 im DAX gelisteten Unternehmen sogar neue Rekorde: Die Erlöse der DAX-Konzerne stiegen um 11% auf 335 Mrd. €, die operativen Gewinne um 10% auf 32 Mrd. €.

Verkaufs-Welle ist gestoppt

Vor diesem Hintergrund erscheint es geradezu absurd, dass ausgerechnet der deutsche Leitindex mit einer Korrektur von rund 25% gegenüber seinem Hoch derart massive Verluste hinnehmen musste.

Immerhin ist die Verkaufs-Welle zunächst gestoppt. Nach dem Ausverkauf am Montag startete der DAX gestern eine kräftige Erholung und kletterte zunächst wieder über die Marke von 10.000 Punkten.

Wenngleich die Kursschwankungen erst einmal hoch bleiben dürften, überwiegen nach dem Rückschlag meines Erachtens die Chancen.

Was wir erleben, ist eine heftige Korrektur, nicht der Beginn eines Bärenmarkts. Morgen werde ich Ihnen die charttechnischen Perspektiven des DAX näher erläutern.

26. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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