China: Steuer soll eigene Währung schützen

Die Terroranschläge in Brüssel bestimmen heute die Schlagzeilen in den Medien. Auch die Börse stand kurzzeitig unter Schock.

Der deutsche Leitindex DAX verlor zunächst 2%, doch am Ende erholten sich die Aktienkurse wieder.

Der DAX erreichte am Ende mit 9.990 Punkten sogar ein kleines Tagesplus.

Aus meiner Sicht war die Kurserholung ein starkes Signal: Die Terroristen dürfen nicht den Kurs bestimmen – auch nicht den Börsenkurs.

Wenn wir uns nicht ängstlich verkriechen, haben die feigen Terroristen ihr größtes Ziel verfehlt.

Während die Terroranschläge die Schlagzeilen bestimmen, gibt es im Hintergrund einige spannende Entwicklungen.

Die chinesische Notenbank soll sich Agentur-Berichten zufolge mit einem Regelwerk zur Einführung einer Steuer auf Devisen-Transaktionen (Währungs-Transaktionen) auseinandersetzen.

Der Hintergrund ist, dass sich China gegen mögliche spekulative Angriffe auf die heimische Währung Yuan schützen will.

Entsprechende Pläne für eine Gebühren-Belastung von spekulativen Währungs-Geschäften sollen bereits fertig in der Schublade liegen.

Eine definitive Entscheidung darüber, ob die Besteuerung von Devisen-Geschäften tatsächlich eingeführt werden soll oder nicht, ist seitens der chinesischen Regierung jedoch noch nicht getroffen worden.

Experten gehen davon aus, dass die chinesische Notenbank beauftragt wurde, ein passendes System und Regelwerk aufzustellen, um es im Bedarfsfall schnell aus der Schublade holen zu können.

Zuletzt mussten die chinesischen Währungshüter enorm viel Geld einsetzen, um Spekulationen gegen die chinesische Währung Yuan abzuwehren.

Anders ausgedrückt: Es kostete die chinesische Notenbank viel Geld, zu verhindern, dass der Yuan im Vergleich zum US-Dollar stärker an Wert verliert.

Probleme mit der Tobin-Steuer

Zwar soll eine chinesische Tobin-Steuer – wenn sie denn eingeführt wird – wohl nicht auf Hedging-Transaktionen (Geschäfte zur Währungs-Absicherung) und Devisen-Transfers von Unternehmen anfallen, doch dabei gibt es einen großen Haken:

Bevor ich zu dem Haken komme, möchte ich Ihnen jedoch noch den Begriff der Tobin-Steuer erklären.

Der Name der Tobin-Steuer geht auf ein Konzept des Wirtschafts-Nobelpreisträgers James Tobin zurück. Dieses Konzept entstand in den von Währungs-Turbulenzen geprägten frühen 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Tobin regte damals an, Devisen-Geschäfte mit einer volumenabhängigen Transaktions-Steuer zu belegen, um Anreize für rein spekulationsorientierte Währungs-Geschäfte zu begrenzen.

Kommen wir jetzt wieder zurück zum Haken bei der chinesischen Tobin-Steuer. Dieser besteht darin, dass es fast unmöglich ist, zwischen „legitimen“ und „bösartigen“ bzw. spekulativen Währungs-Transaktionen zu unterscheiden.

Daher müsste die Steuer auf alle Währungs-Transaktionen anfallen.

Da der Steuersatz bei der Tobin-Steuer jedoch extrem niedrig wäre (die steuerliche Belastung läge im prozentualen Nachkommastellen-Bereich), sollte die Steuer für Marktteilnehmer, die „normale“ Währungs-Geschäfte tätigen (die nicht zu Spekulations-Zwecken dienen) verkraftbar sein.

Interessant auch für andere Märkte

Fazit: Ich würde einen solchen Schritt in China begrüßen und darauf hoffen, dass sich Nachahmer – auch in anderen Bereichen – finden.

Beispielsweise im Hinblick auf die Eindämmung des computergesteuerten Hochfrequenz-Handels an den weltweiten Börsen (darüber habe ich vor einigen Tagen ausführlich hier im „Schlussgong“ berichtet).

22. März 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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