China und Indonesien kontrollieren die Zinnproduktion

Zinn ist ein sehr weiches Schwermetall. Es glänzt silberweiß und lässt sich mit dem Fingernagel ritzen. Zudem hat es einen […] (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Zinn ist ein sehr weiches Schwermetall. Es glänzt silberweiß und lässt sich mit dem Fingernagel ritzen. Zudem hat es einen sehr niedrigen Schmelzpunkt. In Verbindung mit Kupfer erlangte das Zinn schon sehr früh eine große Bedeutung. Besser bekannt ist diese wichtige Legierung unter dem Namen Bronze. Nicht nur in unserer Zeit werden Kriege geführt um Zugang zu Rohstoffen zu haben. In römischer Zeit war das nicht anders und ein Grund für die Eroberung Englands durch die Römer waren die bedeutenden Zinnerzvorkommen, die sich damals in Cornwall befanden.

Als herausragendes Metall während der Bronzezeit wurde das Zinn später vom Eisen verdrängt, gewann aber Mitte des 19. Jahrhunderts durch die industrielle Verwendung von Weißblech erneut eine große Bedeutung. Sie hat sich auch sprachlich niedergeschlagen, denn das englische Wort „Tin“ hat sowohl die Bedeutung „Zinn“ als auch „Dose“.

Aktuell verfügt die Welt über rund 5,6 Mio. Tonnen Zinnreserven. Vor dem Hintergrund einer Jahresproduktion von 307.000 Tonnen (2009) kann die Versorgung für die nächsten 20 Jahre als gesichert gelten. Problematisch ist wenn überhaupt die geographische Lage dieser Ressourcen. Mehr als 80% des geologisch nachgewiesenen Zinns stammt aus Seifenlagerstätten an Flüssen und im Küstenbereich einer Region, die sich von Zentralchina über Thailand bis nach Indonesien erstreckt.

Die Masse der weltweiten Reserven liegt in Asien

In diesen Schwemmlandlagerstätten ist das Zinn mit einem Anteil von etwa 5% enthalten. Es muss daher zunächst in verschiedenen Schritten angereichert und auf eine Konzentration von 75% gebracht werden, bevor ein Schmelzprozess eingesetzt werden kann. Auch Deutschland verfügt über den Rohstoff Zinn. Er wurde seit dem 13. Jahrhundert im Erzgebirge gefördert. Erst 1990 wurde die Produktion eingestellt. Mittlerweile wird die Region jedoch wieder nach neuen Zinnlagerstätten exploriert.

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Die bedeutendsten Förderländer für Zinn liegen jedoch in Asien und Südamerika. In Europa ist Portugal der größte Zinnproduzent. Mit weitem Abstand führend sind China und Indonesien. Beide Länder liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die führende Position. Aktuell hat China mit einer Produktion von 115.000 Tonnen und Reserven von 1,7 Mio. Tonnen die führende Position inne. Indonesien folgt direkt dahinter mit einer jährlichen Produktion von 100.000 Tonnen und Reserven von 800.000 Tonnen.

Südamerika folgt weit abgeschlagen

Hinter den beiden führenden Ländern klafft eine große Lücke. Es folgen die südamerikanischen Länder Peru, Bolivien und Brasilien. Peru als drittgrößter Zinnproduzent verfügt zwar mit rund 700.000 Tonnen über ähnlich große Reserven wie Indonesien, fällt aber mit einer Jahresproduktion von „nur“ 38.000 Tonnen schon deutlich ab. Brasilien und Bolivien zusammen fördern wiederum weniger Zinn als Peru, verfügen zusammen aber über größere Reserven als ihr Nachbarland.

Auf gleicher Ebene mit den Südamerikanern ist noch der Kongo angesiedelt Seine Produktion entspricht mit 12.000 Tonnen der brasilianischen. Die nachfolgenden Länder Vietnam, Russland, Australien und Malaysia spielen mit Jahresproduktionen zwischen 2.000 und 3.500 Tonnen nur noch eine untergeordnete Rolle. Wie klein der europäische Einfluss ist erkennen Sie daran, dass Portugal als der größte europäische Zinnproduzent zusammen mit Thailand erst auf dem 9. Platz rangiert. Beide Länder fördern nur etwa 100 Tonnen.

Welche Einsatzmöglichkeiten sich dem Zinn heute noch bieten, darum soll es uns morgen gehen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.