China und sein Verhältnis zu Europa

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Die Volksrepublik feiert ihr 70jähriges Bestehen und präsentiert sich als selbstbewusste aufstrebende Weltmacht. Wie verhält sich Europa? (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Die Volksrepublik China hat in dieser Woche ihr 70-jähriges Bestehen gefeiert – zumindest die Elite rund um die kommunistische Führung des Landes durfte den pompös inszenierten Feierlichkeiten beiwohnen. Ein Highlight des Events bildete die Militärparade, nach offiziellen Angaben die größte, die das Land je gesehen hat.

Das Verhältnis Chinas zum Rest der Welt – insbesondere zu Europa und den USA – ist ambivalent. Mit US-Präsident Donald Trump liefert sich die Regierung in Peking einen harschen Handelsstreit, der nicht nur die Ökonomien der beiden Länder belastet, sondern auch globale Auswirkungen hat.

Ist Europa längst auf China angewiesen?

Europa hingegen hat der Volksrepublik wirtschaftlich wenig entgegenzusetzen. Stattdessen kaufen sich chinesische Investoren seit Jahren verstärkt in europäische Firmen ein und sichern sich auf diese Weise wirtschaftlichen Einfluss im Westen.

Doch nicht nur auf Ebene der Unternehmen, sondern auch international florieren die Handelsbeziehungen zwischen Europa und China. Waren früher oftmals lautstarke Klagen über dreisten Patentraub und billige Produktkopien zu vernehmen, betrachten etliche europäische Unternehmen die Chinesen inzwischen als wichtigen Handelspartner und die Volksrepublik als wachstumsstarken Absatzmarkt.

Kein Wunder: Mehr als eine Milliarde Menschen lebt im Reich der Mitte, und dank des ökonomischen Aufschwungs der vergangenen Jahre und Jahrzehnte zählen immer mehr von ihnen zur aufstrebenden Mittelschicht mit steigender Kaufkraft und Konsumlust.

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Kulturelle Unterschiede klaffen nach wie vor tief

Dennoch sind die kulturellen Unterschiede immens – und die Abschottungspolitik der chinesischen Führung zum Teil rigoros. Man denke nur an die berüchtigte gigantische Firewall, die China von einem Großteil des World Wide Web abschneidet und dafür sorgt, dass nicht Google, sondern Alibaba der dort führende Internetkonzern ist.

Es ist eine ganz eigene Welt von Zensur und Repression, auf die der Westen dennoch nicht verzichten kann, solange das Primat des wirtschaftlichen Wachstums handlungsleitend bleibt. Sorgen um eben jene Handelsbeziehungen und die allgemeine Außenwahrnehmung scheinen dieser Tage zudem ein Faktor zu sein, der Chinas Zentralregierung davor zurückschrecken lässt, die Demokratiebewegung in Hongkong massiv niederschlagen zu lassen – militärisch wäre das kein Problem, doch während Peking in früheren Jahren nicht vor blutigen Auseinandersetzungen zurückschreckte, übt man sich nun stärker in Zurückhaltung, ist jedoch zugleich darauf bedacht, dies nicht als Schwäche ausgelegt zu bekommen.

Verhältnis und Selbstverständnis neu definieren

Es sind nicht nur Europa und der Westen, die ihr Verhältnis zu China neu definieren und einen zukunftsfähigen Umgang auf Augenhöhe suchen und finden müssen. Es ist auch die Volksrepublik selbst, die die Rahmenbedingungen ihres Selbstverständnisses neu wird justieren müssen, um den Anspruch als aufstrebende Weltmacht auch im internationalen Staatengefüge langfristig behaupten zu können.

Die Transformationsphase hat gerade erst begonnen – das chinesische Zeitalter steht noch relativ am Anfang, doch es zeichnet sich bereits deutlich ab.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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