Chinas Finanz-Expansionspläne: Die Commerzbank wird es nicht

In dieser Woche ist das Übernahme-Thema aus den Medien nicht wegzudenken.

Branchenübergreifend sind mehrere Deals vollzogen worden. Auch unzählige Übernahme-Absichten wurden von den Managern der Konzerne bekannt gegeben.

Erfreulicherweise sind auch wieder vermehrt deutsche Unternehmen bei den Übernahme-News dabei. SAP und Cancom sind nur zwei aktuelle Beispiele dafür, dass die heimischen Unternehmen Übernahme-Pläne nachgehen.

Deutsche Unternehmen werden in den kommenden Wochen jedoch nicht nur auf der Käuferseite zu finden sein. Der Wirtschaftsstandort ist attraktiv und die Bewertungen sind günstig. Insbesondere China ist schon in Kürze ein Coup in Deutschland zuzutrauen.

Erst Rohstoffe und Knowhow – jetzt Finanzinstitute

China spielt auf dem Übernahme-Markt eine immer wichtigere Rolle. Auf der einen Seite Sicherung von Ressourcen, um den steigenden Rohstoff-Hunger bedienen zu können – auf der anderen Seite Knowhow-Erwerb, um die Konkurrenzfähigkeit zu verbessern. Etliche Übernahmen trugen in diesem Jahr die Handschrift Chinas.

Wie gestern bekannt wurde, geht der Übernahme-Appetit aus Fernost sogar noch weiter. 12 Mrd. Euro stehen bereit, um ein größeres Institut aus der Bankenbranche zu fällen. Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind dabei die Zielmärkte.

Europäische Schuldenkrise: China glaubt an Problemlösung

Die Übernahme-Pläne der China Construction Bank (CCB) verwundern. Lange wurde verkündet, dass um den europäischen Bankensektor ein Bogen gemacht werden solle. Europa sei aufgrund der Schuldenkrise zu gefährlich für größere Investitionen in der Bankenbranche.

Doch das Schlimmste soll nun vorbei sein. Die CCB traut Politikern und EZB die richtigen Maßnahmen zur Krisenbewältigung zu. Ein Einstieg in die europäische Finanzwirtschaft ist daher wieder angebracht.

Witz der Woche: 150% Übernahme-Prämie mit der Commerzbank-Aktie

Natürlich dauerte es nicht lange, da fielen auch schon die ersten Namen. Die Societe Generale (MarktCap ca. 19 Mrd. Euro)oder sogar die 37 Mrd. Euro schwere Royal Bank of Scotland soll es dann schon sein, um gescheit Fuß zu fassen.

Auch die Commerzbank, die mit einer Marktkapitalisierung von 10 Mrd. Euro deutlicher im finanziellen Rahmen läge, wurde als Ziel genannt. Bei der Commerzbank ist sogar ein möglicher Übernahme-Preis von 4 Euro je Aktie im Internet zu finden.

Der Übernahme-Sensor geht von einem vorgezogenen Karnevals-Spaß oder einem verspäteten April-Scherz aus.

Übernahme-Sensor glaubt nicht an einen Commerzbank-Deal

Der deutsche Staat hält derzeit eine 25% Beteiligung an der Commerzbank. Angesichts der aktuell schwierigen Lage im Bankensektor wird Deutschland wohl kaum den Anteil einer systemrelevanten Bank in die Hände einer chinesischen Bank legen.

Gleichzeitig ist es fraglich, ob unter den europäischen Banken ausgerechnet die Commerzbank der Premium-Übernahme-Kandidat ist, für den sich die CCB entscheiden würde.

Chinas Banken haben sich in der Vergangenheit schon öfters die Finger verbrannt und dürften bei der Auswahl des Übernahme-Kandidaten besonders auf die Bilanzrisiken achten. In der europäischen Finanzbranche gibt es mehrere Institute, die vor diesem Gesichtspunkt deutlich besser dastehen als die Commerzbank.

Der Übernahme-Sensor hält eine Commerzbank-Übernahme für höchst unwahrscheinlich. Vermutlich wird die CCB ein Finanzinstitut aus der zweiten oder dritten Reihe übernehmen, um zunächst einen Stützpunkt aufzubauen. Die 12 Mrd. Euro dürften nicht auf einmal investiert werden.

18. September 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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