Chinesen stechen Marriott bei Starwood Hotels-Übernahme (zunächst) aus

Die Übernahme von Starwood Hotels, Betreiber von Hotelketten wie Sheraton oder Westin, durch den größeren Rivalen Marriott ist (zunächst) geplatzt. Das Management des Übernahme-Kandidaten teilte heute mit, dass die Offerte nicht mehr im besten Sinne der Aktionäre sei.

Stattdessen empfiehlt die Unternehmensspitze ihren Investoren nun die Annahme einer Übernahme-Offerte des chinesischen Versicherungskonzern Anbang. Der neue Bieter hatte zusammen mit Finanzinvestoren zu Wochenbeginn mit einem Bar-Angebot den sicher geglaubten Deal torpediert.

Parallelen zu Dialog Semiconductor: Marriott-Kursrückgang Hauptgrund für Konkurrenz-Offerte

Eigentlich war der Übernahme-Abschluss nur noch Formsache. Alle Deal-Bedingungen waren ausgehandelt und Ende des Monats hätten nur noch die Aktionäre der Übernahme zustimmen müssen.

Das Umtauschangebot von 0,92 Marriott-Aktien je Starwood-Aktie plus 2 Dollar in bar galt zwar von Anfang an nicht als besonders großzügig, jedoch als akzeptabel. Ursprünglich bewertete die Offerte den Übernahme-Kandidaten mit 12,2 Mrd. Dollar.

In Folge der Marktschwäche verlor die Bieteraktie jedoch mehr als 20% und der Umtauschwert verringerte sich auf 11 Mrd. Dollar. Das sah Anbang und witterte eine Chance, mit einer Cash-Offerte Marriott auszustechen.

Die Situation ist sehr vergleichbar mit der geplanten Atmel-Übernahme durch Dialog Semiconductor. Auch da brachte ein starker Kursrückgang den Deal zu Fall.

Nicht immer gewinnt die Offerte mit dem höchsten Wert bei Angebotsabgabe

Anbang bietet den Starwood-Aktionären 78 Dollar in bar. Das Angebot hat einen Gegenwert von 13,2 Mrd. Dollar und liegt damit deutlich über dem Wert der Marriott-Offerte, die aktuell auf 12,2 Mrd. Dollar kommt.

Es ist nicht so, dass automatisch die Offerte gewinnt, die bei Angebotsabgabe den größeren Wert hat. Das Management muss bei mehreren Übernahme-Angeboten überprüfen, welche Offerte den höheren Gegenwartswert hat.

Wenn das Management zum Beispiel angenommen hätte, dass eine Übernahme durch Marriott so vorteilhaft ist, dass die Aktie in 2 oder 3 Jahren bei 200 Dollar stehen müsste, dann wäre es richtig gewesen, den Aktionären trotz der aktuell deutlich höheren Anbang-Offerte, die Annahme des Marriotts-Angebots zu empfehlen.

Großteil der Analysten erwartet Bieterwettstreit

Die Mehrzahl der Analysten ist der Ansicht, dass Marriott sich nicht so schnell geschlagen gibt. Die Hotelkette könnte ihrerseits das Übernahme-Angebot noch einmal nachbessern, um Starwood doch noch zu bekommen.

Heute Morgen heißt es dazu, dass man alle Optionen prüft. Marriott hat 5 Tage Zeit. Bietet Marriott nicht mehr, erhält die Hotelkette eine Entschädigungszahlung (breakup-fee) von 400 Mio. Dollar von Starwood.

Aktie des Übernahme-Kandidaten steigt in 6 Wochen um mehr als 30%

Die Starwood-Aktie reagierte auf die Management-Annahmeempfehlung der Anbang-Offerte mit einem weiteren Kurssprung auf 80 Dollar und ist vom Tief Anfang Februar inzwischen über 30% entfernt.

Kommt es zu einem Bieterwettkampf zwischen Anbang und Marriott, kann die Aktie weiter hoch laufen. Gut für Investoren: Durch die bereits vorliegenden Offerten ist der Aktienkurs nach unten abgesichert (keine Kaufempfehlung). Es bleibt spannend.

18. März 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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