Chinesische Strafzölle betreffen Tesla stärker als andere Autobauer

Dass 2018 ein sehr großes Jahr für Tesla werden würde, wie von Elon Musk vorhergesagt wird, darf bezweifelt werden. (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Auch wenn sich US-Präsident Donald Trump Anfang der Woche mit dem russischen Präsidenten Putin zu einem versöhnlichen Händedruck getroffen hat, ausgeräumt sind die Gefahren, die die Kapitalmärkte in den letzten Wochen bewegt haben, noch nicht. Hierzu zählt insbesondere der eskalierende Zollstreit mit China.

Für den vorausschauenden Anleger besonders wichtig ist dabei die Frage, wer von einem drohenden Handelskrieg als erstes und in besonderem Ausmaß betroffen sein könnte. Eine mögliche Antwort wird viele überraschen: Denn die wenigsten dürften auf den US-amerikanischen Elektroauto-Pionier Tesla getippt haben.

Tesla in China deutlich teurer als in den USA

Dabei haben die inzwischen auf US-Importe auferlegten Strafzölle den durchschnittlichen Verkaufspreis eines Tesla um fast 25 % erhöht. Während andere Autohersteller wie Ford oder Chrysler die Importzölle durch Produktionen an chinesischen Standorten weitgehend kompensieren können, ist Tesla dazu nicht in der Lage: Weil Tesla keinen chinesischen Standort hat.

Das ist verwunderlich, ist doch der chinesische Markt für Tesla – wie für jeden anderen Autohersteller auch – von erheblicher Bedeutung. Im vergangenen Jahr hat Tesla knapp 15.000 Fahrzeuge nach China exportiert, mehr als in jedes andere Land. Das gesamte Verkaufsvolumen belief sich mithin auf rund 2 Mrd. US-Dollar, knapp 17 % des Umsatzes von Tesla des Jahres 2017 – mit deutlich steigender Tendenz.

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Drastische Kürzung der Importpreise

Als ob Elon Musk in letzter Zeit nicht genug Kopfschmerzen damit gehabt hätte, seine Produktionseffizienz auf Vordermann zu bringen, muss er sich nun um seinen wichtigsten Auslandsmarkt kümmern. Um einen Absatzeinbruch zu entgehen hat er seine Importpreise, ja nach Modell, um 6.000 bis 14.000 US-Dollar gekappt.

Dass dies zu Lasten der operativen Marge gehen sollte, liegt auf der Hand. Doch Musk wäre nicht Musk, wenn er nicht das genaue Gegenteil propagieren würde. Nachdem zu Jahresbeginn noch der größte Quartalsverlust in seiner Unternehmensgeschichte verkündet worden war – immerhin mehr als 500 Millionen US-Dollar, rechnet der Konzernchef bereits für dieses Jahr mit dem nachhaltigen Erreichen der Gewinnzone.

Nicht die beste Glaubwürdigkeit

Derartige Vorhersagen mögen vertraut klingen. Mitte 2017 etwa sagte Musk voraus, dass Tesla bis Ende des vergangenen Jahres nicht weniger als 20.000 Modell 3-Limousinen pro Woche produzieren würde. Dieses als knapp verfehlt zu bezeichnen, wäre beschönigend. Letzten Endes konnte Tesla gerade einmal 1.000 Fahrzeuge seines Spitzenmodells fertigen, und dies auch nur, weil Tesla zuvor durch die „Produktionshölle“ – ein von Musk geprägter Begriff – gegangen war.

Verfehlungen wie diese scheinen die Investoren nicht zu stören. Reihenweise haben die Analysten ihre Prognosen in den letzten Monaten: nach oben genommen, anstatt auf die wiederholte Verfehlung der Prognosen Musks zu reagieren und die Erwartungen nach unten anzupassen. Spätestens wenn eine weitere Prognose Musks – dass Tesla in diesem Jahr keinen weiteren Kapitalbedarf mehr haben würde – nicht mehr zu halten sein wird, wird es zu der überfälligen Kurskorrektur kommen. Dass sie kommt, dürfte nach den letzten Meldungen klar zu sein.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.