Chinesische Unternehmen auf Einkaufstour

Am Aktienmarkt erleben wir in diesen Tagen wenig Bewegung. Die Investoren warten erst ab, ob alle Länder den Griechenland-Kompromiss absegnen. Immerhin konnte der deutsche Leitindex DAX ein kleines Plus verbuchen.

Seit Tagen ist in den Börsenmedien vom Aktiencrash in China zu lesen. Zudem werden immer wieder Warnungen ausgesprochen, dass dies schlimme Folgen für die Realwirtschaft haben könnte – sowohl in China als auch bei ausländischen Unternehmen, für die China ein wichtiger Exportmarkt ist.

Ich habe hier im „Schlussgong“ bereits am vergangenen Freitag darüber berichtet, dass es sich aus meiner Sicht um eine größere Korrektur am chinesischen Aktienmarkt handelt und nicht um einen längerfristigen Crash. Denn: Unterm Strich lief das Ganze nach dem Motto „zurück auf Los“ ab.

Die hohen Gewinne, die der chinesische Aktienmarkt zuvor innerhalb kurzer Zeit aufgebaut hatte, haben sich jetzt größtenteils wieder in Luft aufgelöst. Der Markt befindet sich daher in etwa dort, wo die Rally zuvor gestartet ist. Weiterhin sehe ich aktuell noch keine Hinweise darauf, dass es unmittelbare Auswirkungen auf die Realwirtschaft gibt.

Dafür spricht auch die Tatsache, dass ein chinesisches Staatsunternehmen jetzt nach einem US-Chiphersteller greift und bereit sein soll, für dieses Unternehmen 23 Mrd. US-Dollar zu bezahlen. Erfahren Sie jetzt die Details zu der geplanten Übernahme.

Chinesen wollen angeblich Micron kaufen

Nach Berichten des „Wall Street Journal“ will ein vom chinesischen Staat gestützter Finanzinvestor den US-amerikanischen Chipkonzern Micron übernehmen. Aus dem Bericht geht ebenfalls hervor, dass Tsinghua Unigroup in diesen Tagen ein Kaufangebot über 23 Mrd. US-Dollar (das sind knapp 21 Mrd. Euro) vorbereitet.

Sollte dieser Deal zustande kommen, wäre es die größte in den USA getätigte Übernahme durch ein chinesisches Unternehmen. Bislang gibt es jedoch weder von Micron noch von Seiten der Chinesen eine offizielle Bestätigung zu den Vorgängen.

Der US-Nachrichtendienst Bloomberg zitierte am Dienstag allerdings Tsinghua-Chef Zhao Weiguo mit den Worten: „Wir sind sehr interessiert an einer Kooperation mit Micron.“ Tsinghua will den Berichten vom Dienstag zufolge 21 US-Dollar je Micron-Aktie bieten. Das wäre rund ein Fünftel mehr, als das Papier am Tag zuvor (also am Montag) zum Handelsschluss gekostet hatte.

Gemessen am Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) des US-Unternehmens würde das Angebot aus China damit aber trotzdem deutlich unter dem liegen, was bei anderen Übernahmen in der Branche bezahlt wurde.

Daher ist davon auszugehen, dass es sich bei dem chinesischen Angebot von 21 US-Dollar je Micron-Aktie – wenn es tatsächlich zeitnah veröffentlicht wird – nicht um das letzte Wort handeln dürfte.

Ein Kurzportrait des US-Chipherstellers Micron

Damit Sie wissen, was genau das Unternehmen macht, das sich der chinesische Finanzinvestor einverleiben will, stelle ich Ihnen den US-Chiphersteller Micron jetzt noch kurz vor.

Micron wurde 1978 gegründet, hält derzeit rund 20.000 Patente und beschäftigt in mehr als 20 Ländern weltweit über 30.000 Mitarbeiter. Micron ist gemessen am Umsatz der fünftgrößte Chiphersteller der Welt.

Micron fertigt vor allem Speicherchips für PCs, aber auch für Smartphones und Autos. Chinesische Konzerne wie Huawei und Xiaomi gehören inzwischen zu den größten Handyherstellern der Welt. Daher würde ein großer Chiphersteller gut in das chinesische Portfolio passen.

Das große Aber: Es ist fraglich, ob die amerikanische Regierung es zulassen würde, dass die Chinesen einen großen US-Konzern (inklusive der Patente) kaufen. Daher notiert der Aktienkurs auch unterhalb des möglichen Übernahme-Angebots.

Fazit: Die Micron-Story ist aktuell noch zu heiß für ein solides Investment. Zum einen ist unklar, ob es ein offizielles Übernahmeangebot geben wird, zum anderen könnte im Fall eines Angebotes die US-Regierung einen Strich durch die Rechnung machen. Daher eignet sich die Micron-Aktie aktuell nur für nervenstarke „Zocker“.

15. Juli 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Rolf Morrien. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt