Chinesischer Automarkt wächst zweistellig – Daimler profitiert

Vor einigen Tagen habe ich hier im „Schlussgong“ über die sehr starken Daimler-Absatzzahlen des Monats Juni (40. Rekordmonat in Folge) berichtet und bin in dem Zusammenhang auch darauf eingegangen, dass die Kursentwicklung der Daimler-Aktie nicht zur operativen Entwicklung des Unternehmens passt.

Heute gehe ich daran anknüpfend kurz auf die jüngsten Vorab-Quartalszahlen von Daimler ein und darauf, wie sich der globale Automarkt im 1. Halbjahr 2016 entwickelt hat.

Daimler mit extrem starken Quartalszahlen

Daimler konnte im 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres beim operativen Gewinn deutlich zulegen. Der um Sonderfaktoren bereinigte operative Gewinn (EBIT) ist nach 3,76 Mrd. Euro im Vorjahr auf 3,97 Mrd. Euro gestiegen. Bemerkenswert: Viele Analysten hatten mit einem Gewinnrückgang gerechnet.

Daimler konnte jedoch Rückgänge im Auto- und Lkw-Geschäft durch Zugewinne in der Transporter-Sparte Vans, im Busgeschäft und bei der Finanztochter mehr als ausgleichen. Das Ergebnis liege deutlich über den Markterwartungen, erklärte der Konzern.

In Folge der guten Zahlen bestätigte Daimler die eigene Prognose für das Gesamtjahr. Der bereinigte operative Gewinn soll auf Jahressicht leicht ansteigen.

1. Halbjahr 2016: Weltweiter Automarkt im Überblick

In Europa machen sich viele Anleger Sorgen über die möglichen Auswirkungen des geplanten EU-Austritts Großbritanniens auf die Automobilindustrie.

Völlig unbeeindruckt davon bleibt der weltweit größte Automarkt, der chinesische Markt, derzeit auf der Überholspur – und der deutsche Premium-Autobauer Daimler ist einer der Hauptprofiteure. Allein im vergangenen Monat Juni zogen die Verkäufe im Reich der Mitte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19,4% auf 1,7 Mio. Fahrzeuge an.

In den ersten 6 Monaten des Jahres wurden in China 10,8 Mio. neue Fahrzeuge zugelassen, was einem Plus von 9,5% im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Vorbei also die Zeiten, in denen der chinesische Automarkt etwas stockte.

In China sorgen derzeit vor allem 2 Trends dafür, dass der Autoabsatz kräftig wächst. Zum einen die nach wie vor halbierte Steuer auf Fahrzeuge mit einem Hubraum von maximal 1,6 Litern und zum anderen die starke Nachfrage nach günstigen Geländewagen. Im 1. Halbjahr 2016 lag der Anteil letzterer am gesamten Absatzvolumen der Automobilindustrie bereits bei 35%. Zum Jahreswechsel waren es noch 27%.

Neben dem chinesischen Automarkt entwickelten sich zuletzt auch der europäische und der amerikanische Markt erfreulich. Sorgen machen dagegen Brasilien und Russland. In Brasilien sackte der Absatz im 1. Halbjahr 2016 verglichen mit dem Vorjahr um 25% ab und in Russland um immerhin 14%.

Automarkt: Von Blasenbildung keine Spur

Wir erleben 2016 ein gutes, aber kein sehr gutes Autojahr. Einige Märkte laufen gut (vor allem China), einige Märkte laufen aber auch sehr schlecht (vor allem Brasilien und Russland). Dazwischen liegen beispielsweise Europa und die USA mit einem stabilen bis leicht positiven Verlauf.

Wenn sich die Automärkte in China, Europa und den USA im kommenden Jahr so entwickeln wie in diesem Jahr (das ist aus meiner Sicht das wahrscheinlichste Szenario) und Brasilien sowie Russland sich normalisieren, dann sind im kommenden Jahr noch höhere Absatzzahlen möglich.

Somit ist für mich klar, dass von einer „Blasenbildung“ im Automobilsektor nicht gesprochen werden kann und dass die Branche (Autobauer und Zulieferer) nach meiner Einschätzung an der Börse unterbewertet ist. Denn zuletzt wurden fast nur negative Faktoren eingepreist, die positiven Dinge fanden jedoch kaum Berücksichtigung. Daher bleibt mein Fazit: Autohersteller und Autozulieferer sind auf dem aktuell gedrückten Kursniveau attraktiv.

13. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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