Chinesisches Banksystem: Konjunktur- und Finanzkrise 2012 möglich

China muss in der Weltwirtschaft zunehmend die Rolle der USA übernehmen.

2012 wird das Jahr, in dem diese Konstruktion auf dem Prüfstand stehen wird.

Rohstoffe, Exportunternehmen oder auch Gold könnten Anlageklassen sein, die bei einer chinesischen Wirtschaftskrise stark leiden würden. Die gesamte Weltkonjunktur stünde spitz auf Knopf.

Daher sind Hinweise auf Probleme im chinesischen Bankensystem wichtig. Wir gehen diesen Hinweisen nach und warnen vor den Konsequenzen.

2012: Platzende Kredite möglich

Zunächst ist das Dauergerücht aus China maßgeblich. Danach sind die chinesischen Banken faktisch überschuldet und müssen damit rechnen, dass die Kreditblase platzt. Auch in China sind viele Immobilien auf Pump gekauft und errichtet worden.

Aufgefallen ist in den vergangenen Monaten aber besonders die stark zunehmende Kreditvergabe. Die chinesische Wirtschaft wächst noch mit Wachstumsraten von knapp 10%. Die Zahlen dazu sind stark unterschiedlich, dies aber ist die Richtschnur.

Fraglich ist, ob China das Wirtschaftswachstum auf diese Weise künstlich am Leben hält.

Der internationale Währungsfonds (IWF) hat kürzlich eine Studie vorgelegt, aus der diese Frage hervorgeht.

Denn: China scheint überschuldet. Bei der Beurteilung dieser Situation sind nicht nur die Kredite durch die Baken selbst wichtig, sondern auch die Kredite, die außerhalb des Bankensektors vergeben werden.

Wucherzinsen für Immobilienkäufer

Wer sich fernab der Bank Geld leihen möchte, muss nach diesem Bericht oft Wucherzinsen für Kredite zahlen. Bis zu 100% Zinsen seien angeblich für Verleiher möglich.

Das aber bedeutet, dass diese Kreditnehmer für den gesamten Kreditsektor eine Zeitbombe darstellen. Die Kette wird sich in etwa so einstellen:

  • Fallen die ersten Kredite in größerem Ausmaß aus, sinkt die Nachfrage auf dem Immobiliensektor.
  • Dies betrifft dann auch die Sicherheiten für „reguläre“ Bankkredite. Diese Sicherheiten reduzieren sich, so dass die Bank-Bilanzen darunter leiden werden.
  • Sofort müsste die chinesische Regierung – wieder – stützend eingreifen, um den Sektor stabil zu halten.
  • Dies widerspricht aber den Maßnahmen, die etwa der IWF vorschlägt. Denn: In China muss die Regierung vor allem die Inflation eindämmen. Diese liegt bei deutlich mehr als 6% und gefährdet die Wirtschaft, weil der Anteil armer Familien noch deutlich höher als in der westlichen Welt ist.
  • Eine Unterstützung bei Banken würde aber genau diese Inflation wieder anheizen.
  • Auch Unternehmen in China hängen daran, dass das Bankensystem weiter funktioniert. Deren Investitionstätigkeit würde rasch geringer, wenn die Kreditvergabe wegen der Kreditblase eingeschränkt wird.

GeVestor meint: Die Immobilien- und Kreditblase in China ist weiterhin ein ernstes Problem. Die Wahrscheinlichkheit dafür, dass dieses System platzt, ist deutlich.

Das bedeutet: Schlechte Nachrichten aus China werden in der westlichen Finanzwelt sofort ein kleines Erdbeben auslösen.

Schützen Sie sich. Wir werden China weiterhin sehr genau beobachten.

Ihre Anlagestrategie können Sie auf mögliche Probleme in China 2012 so ausrichten, dass Sie auch Immobilien kaufen – oder im Aktiensektor weiterhin Substanzwerte, die nicht nur an der chinesischen Entwicklung hängen.

Nestlé aus der Schweiz bleibt ein wichtiges Beispiel.

30. Dezember 2011

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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