Chipbranche in Aufruhr – Broadcom bleibt aussichtsreich

Das Übernahmegeschäft boomt. Insbesondere im Halbleitersektor geht es hoch her. Die Broadcom-Aktie ist weiterhin aussichtsreich. (Foto: obs / Infineon Technologies AG)

Die Unternehmen verdienen weiter glänzend und steigern ihre Gewinne. Und so steht ihnen reichlich Geld für Übernahmen zur Verfügung. Dementsprechend boomt der weltweite Markt für Fusionen und Übernahmen.

Laut dem Datendienstleister Dealogic lag das Volumen allein in den ersten Handelswochen 2018 bei rund 307 Mrd. Dollar, deutlich mehr als im bisherigen Boomjahr 2007. Damals waren es nur knapp 200 Mrd. Dollar.

Broadcom will Qualcomm

In Aufruhr ist insbesondere der Chipsektor, in dem eine Konsolidierungswelle tobt. Hier könnte es zu einem gigantischen Deal kommen, wenn Broadcom bei Qualcomm zum Zug kommt. Vor zwei Wochen hob der Chiphersteller sein erstes Übernahmeangebot vom November auf 82 Dollar je Qualcomm-Aktie an. Damit wird Qualcomm – inklusive Schulden – mit rund 146 Mrd. Dollar bewertet.

Das Management von Qualcomm wies jedoch auch das erhöhte Angebot zurück. Qualcomm strebt selbst die Übernahme von NXP Semiconductors an und hat gestern seine Offerte von 110 auf 127,50 Dollar je Aktie – insgesamt rund 44 Mrd. Dollar – angehoben.

Dieser Schritt könnte bei der Verteidigung gegen den Übernahmeversuch Broadcoms helfen. Dessen Angebot hatte zur Bedingung, dass Qualcomm sein Gebot für NXP nicht anhebt. Die Reaktion von Broadcom ließ nicht lange auf sich warten: Der Konzern senkte seine Offerte von 82 auf 79 Dollar je Aktie.

„Showdown“ auf der Qualcomm-HV

Das Qualcomm-Management sperrt sich zwar. Dafür hofft Broadcom-Chef Hock Tan auf die Zustimmung der Aktionäre. Bei der Qualcomm-Hauptversammlung am 4. März treten sechs von Broadcom nominierte Kandidaten an, um die Mehrheit in dem elfköpfigen Verwaltungsrat zu erlangen.

Gelingt dies, könnte das Aufsichtsgremium den bisherigen Widerstand kippen. Sollte dagegen keine Mehrheit zustande kommen, dürfte Broadcom seine Pläne vermutlich aufgeben. Dies hatte Vorstandschef Hock Tan in einem Interview mit dem Wirtschaftssender CNBC angedeutet. Für diesen Fall ist zu erwarten, dass sich Broadcom nach einem anderen Übernahmeziel umschaut. Ein möglicher Kandidat wäre dann auch das DAX-Unternehmen Infineon.

Broadcom wächst auch ohne Qualcomm-Übernahme kräftig

Wie das Übernahme-Drama ausgehen wird, ist offen. Doch auch wenn der Deal nicht gelingt, wäre das für Broadcom kein Beinbruch. Denn der Hersteller von Kommunikationschips wächst so oder so kräftig. Für das laufende Geschäftsjahr (bis Oktober) erwarten Analysten einen Umsatzanstieg von gut 19%. Der Gewinn soll überproportional um 24% wachsen.

Dem gegenüber steht eine mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12 äußerst günstige Bewertung. Hinzu kommt eine für einen Technologiewert attraktive Dividendenrendite von 2,8%.

Aufwärtstrend vor der Fortsetzung

Gegenüber ihrem Allzeithoch von Ende November bei knapp 286 Dollar hat die Broadcom-Aktie zwischenzeitlich um gut 20% korrigiert, zuletzt aber nach oben gedreht. Gelingt die Rückkehr über die 200-Tage-Linie, an die der Kurs jetzt wieder herangelaufen ist, steht einer Wiederaufnahme des Aufwärtstrends nichts im Wege.

Für die nächsten Monate erwarte ich zunächst eine Rückkehr zum Allzeithoch (285,68 Dollar). Wird diese Hürde genommen, traue ich der Broadcom-Aktie mittelfristig Notierungen im Bereich von 325 Dollar zu.

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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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