Chipbranche: Zahltag für Freescale-Übernahme-Spekulanten

In der Chipbranche ist die letzte Übernahme-Welle inzwischen 2 Jahre her. 2013 waren Deals in der Branche sogar eine seltene Ausnahme. Im Vorjahr stieg die Deal-Lust wieder, doch von einer Übernahme-Welle, bei der ein Deal den anderen jagt, blieb der Industriezweig weit weg.

In diesem Jahr besteht aber eine gute Chance, dass Deal-Anzahl und Übernahme-Volumen zulegen werden. Die Chippreise zeigen dank guter Nachfrage aus Elektronik- und Automobil-Industrie nach oben und die Bewertung einiger potenzieller Ziele hat noch Luft.

Kann die Unterbewertung nicht abgebaut werden, sind die großen Chip-Konzerne schneller als man denkt.

Freescale-Management stimmt 16,7 Mrd. $-schwerer Offerte zu

Die jüngste Übernahme in der Chipbranche geht auf den niederländischen Infineon-Konkurrenten NXP Semiconductor zurück. Das Unternehmen hat 11,8 Mrd. $ in bar und Aktien für Freescale geboten.

Inklusive Schulden liegt das Übernahme-Volumen sogar bei 16,7 Mrd. $. Das Management hat den Dealbedingungen bereits zugestimmt und empfiehlt den Aktionären die Annahme der Offerte.

Übernahme kommt nicht unerwartet

Die Freescale-Übernahme ist für die meisten Investoren keine Überraschung. Seit Januar kursieren entsprechende Gerüchte. Durch die Medien ging da bereits, dass der mehrheitlich von Private Equity Gesellschaften gehaltene Chiphersteller verkauft werden soll.

Die Verkaufsabsicht passt sowohl von der Haltedauer der Eigentümer, die mit fast 9 Jahren für die Branche sogar fast schon ungewöhnlich ist, als auch vom Timing. Die Bewertung von Unternehmen in der Branche ist zuletzt deutlich gestiegen. Zudem legte Freescale im Januar starke Geschäftszahlen und einen soliden Ausblick vor.

Fraglich war eigentlich nur wer zugreift und wieviel dem Bieter abgeknüpft werden kann. Neben NXP wurde Samsung mit seinem 63 Mrd. $ Cash-Polster auf der Käuferseite gesehen.

Angebot ohne Übernahme-Prämie

Wenn ein glaubhaftes Übernahme-Gerücht seit Wochen am Markt kursiert, dann gibt es erfahrungsgemäß in der ersten Übernahmerunde nicht mehr sehr viel zu holen. Streng genommen war auch bei Freescale die Luft raus.

NXP bietet 6,25 $ in bar und 0,3521 Aktien je Freescale-Papier Das Angebot hat auf Basis des NXP-Freitagsschlußkurses einen Gegenwert von 36,14 $. Freescale kostete da 36,11 $.

Freescale-Aktionäre gewinnen trotzdem

Für Späteinsteiger wäre ein Deal daher nicht der große Wurf gewesen. Aber! Die NXP-Aktionäre feiern die Übernahme. Der Deal findet breite Unterstützung, sodass t die NXP-Aktie um 16,5% zulegt.

Da ein Teil des Kaufpreises in Aktien gezahlt wird, steigt auch automatisch der Wert des Gebots. Die Freescale-Aktie legt daher um 11,15% auf 40,12 $ zu.

Die Aktienkursentwicklung ist beachtlich, auch wenn jetzt keine „echte“ Prämie geflossen ist:

Wer im Januar die Gerüchte zur Kenntnis nahm und die Aktie weiter beobachtete, dann später zur Sicherheit noch die starken Geschäftszahlen abwartete und erst danach einstieg, der konnte dennoch 25% in einem Monat erzielen.

Das zeigt Ihnen, dass es sich lohnt amerikanische Übernahme-Gerüchte, Verkaufsabsichten von Unternehmen und die Positionierungen von einschlägigen Elite-Investoren zu beobachten. Selbst ein späterer Einstieg kann noch in kurzer Zeit hohe Gewinne einbringen.

2. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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