Cigna und Anthem: Milliarden-Fusion bei US-Krankenversicherern geplatzt

Zugegeben, es ist schon eine ganze Weile her, dass die größte Übernahme unter Krankenversicherern in den USA beschlossen wurde:

Im Sommer 2015 beschloss der Krankenversicherer Anthem die Übernahme seines Rivalen Cigna für 48 Mrd. Dollar. Doch manchmal platzen Deals eben auch auf der Zielgeraden.

So geschehen bei den beiden Großkonzernen. Jetzt hat nämlich ein US-Richter den Milliardendeal auf den letzten Metern zum Scheitern gebracht.

Der Grund ist so einfach wie einleuchtend: Die Übernahme hätte die Anzahl der Anbieter zu stark verringert und somit gegen das Kartellrecht verstoßen.

Aus den gleichen Gründen wurde bereits im Januar der Zusammenschluss der Krankenversicherungs-Unternehmen Aetna und Humana ausgebremst.

Die Aktien von Cigna und Anthem notierten trotz der Nachricht nahezu unverändert:

  • Nach dem starken Kursverlauf der vergangenen 6 Monate (Cigna: 11%; Anthem: 25%) haben die Anthem-Papiere ihr 2015er-Niveau erreicht.
  • Die Cigna-Aktie notiert hingegen immer noch unter den Rekordständen, die im Zuge der geplanten Fusion erreicht wurden.

Warum durch die Krankenversicherungs-Branche eine wahre Fusions-Welle rollte

Ohne Frage wäre der Anthem-Cigna-Deal die größte Transaktion unter US-Krankenversicherern aller Zeiten gewesen, aber beileibe nicht die einzige.

So kaufte der in der Schweiz ansässige Konzern Ace den US-Anbieter Chubb für rund 28 Mrd. Dollar. Zudem erwarb Centene den kleineren Wettbewerber Health Net für 6,3 Mrd. Dollar.

Die Beweggründe der Konzerne sind meist ähnlich:

  • Über ein Zusammengehen erwarten sich die Konzerne mehr Macht in Preisverhandlungen mit Krankenhäusern und Ärzten.
  • Zugleich sollen die Kosten in der Verwaltung und anderen Bereichen spürbar gesenkt werden.

Blockade der US-Richter war absehbar

Auch wenn sich Anthem und Cigna zuversichtlich zeigten, wirklich sicher war es nie, dass der Deal auch durchgeht.

Die beiden Konzerne sind 2 von lediglich 5 Anbietern, die private Krankenversicherungen für große Unternehmen verwalten. Durch die Fusion wären lediglich 3 Versicherer übriggeblieben.

Es ist also verständlich, dass die Wettbewerbshüter der US-Regierung von einer nicht akzeptablen Verringerung der Anbieter im Markt sprechen.

Die Gefahr, dass die Konzerne ihre marktbeherrschende Stellung zum Nachteil der Kunden ausnutzen, ist durchaus nachvollziehbar.

Cigna zieht sich zurück und will Anthem bluten lassen

Für den Bieter Anthem kommt der nicht zustande gekommene Deal teuer zu stehen. Denn obwohl Cigna von dem Deal Abstand nimmt, wird eine Vertrags-Strafe in Höhe von 1,85 Mrd. Dollar an Cigna fällig.

Zum anderen fordert Cigna weitere 13 Mrd. Dollar an Schadenersatz von Anthem.

Die Zeichen stehen jetzt auf Konflikt, denn Anthem gibt sich nicht kampflos geschlagen und kontert, dass Cigna gar nicht das Recht habe die Transaktion abzublasen.

Cigna – deutlich kleiner, aber wesentlich profitabler

Nach den jüngsten Meldungen ist es so gut wie sicher, dass die beiden Versicherer getrennte Wege gehen.

Dabei lief es in den vergangenen Jahren für den kleineren Rivalen Cigna gar nicht mal schlecht:

Seit 2001 verdoppelten sich die Umsätze auf zuletzt 37,87 Mrd. Dollar, während die Gewinnmargen mit 5,53% stabil geblieben sind.

Für Sie zum Vergleich: Der Bieter Anthem kommt bei 84,86 Mrd. Dollar Umsatz gerade einmal auf eine Gewinnspanne von 2,91%.

Nachdem die US-Behörden jetzt den 2. Deal innerhalb kürzester Zeit blockiert haben, dürfte das die Kauflust der großen Player zumindest vorübergehend ausbremsen.

16. Februar 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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