Cisco-Aktie: Netzwerk-Riese legt Milliarden-Offerte für Börsen-Aspirant auf den Tisch

Das war wohl nichts: In wenigen Tagen wollte der hochgelobte Software-Konzern Appdynamics den Sprung aufs Parkett wagen und 100 Mio. Dollar bei den Anlegern einsammeln.

Jetzt hat der Netzwerg-Gigant Cisco die Pläne durchkreuzt und noch kurz vor der Ziellinie eine Übernahme-Offerte auf den Tisch gelegt – der Kaufpreis: immerhin stolze 3,7 Mrd. Dollar.

Appdynamics – Wachstum ohne Gewinne

Mit Appdynamics setzt Cisco auf ein junges Unternehmen (2008 gegründet) aus Kalifornien.

Die Firma hat sich auf verschiedene Analyse-Tools fokussiert, die helfen einen Einblick in die Funktionstüchtigkeit der entsprechenden Software zu geben.

Zugleich können Leistungs-Probleme analysiert und behoben werden – auch bei mobilen Apps. U. a. setzten der Cloud-Spezialist Salesforce und der IT-Riese IBM auf die Lösung der Kalifornier.

Die Geschäftszahlen sind so, wie Sie es bei einem reinrassigen Wachstums-Unternehmen vermuten: starkes Wachstum, Gewinne jedoch Fehlanzeige.

In den ersten 3 Quartalen in 2016 konnte Appdymaics einen Umsatz von 158,4 Mio. Dollar vorweisen – immerhin ein Anstieg von satten 54%.

Allerdings verbrannte der Konzern mit seinen 1.200 Mitarbeitern und knapp 2.000 Kunden im gleichen Zeitraum auch 92,3 Mio. Dollar.

Das ist ähnlich viel wie im Vorjahres-Zeitraum, in dem 95 Mio. Dollar an Verlusten angefallen waren.

Daran dürfte sich auch so schnell nichts ändern.

Hohe Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie Marketing-Ausgaben werden auch in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass Appdynamics weiter in der Verlustzone verharrt.

Übernahme-Preis extrem ambitioniert

Vielleicht haben Sie es im Kopf schon überschlagen: Der Kaufpreis für den kalifornischen Wachstums-Konzern ist ausgesprochen sportlich.

Denn immerhin ist Cisco die Software-Firma 3,7 Mrd. Dollar wert. Das entspricht locker dem 20-Fachen des erwarteten Jahres-Umsatzes.

Für Sie zum Vergleich: Im Rahmen des geplanten Börsengangs hatte Appdynamics nur eine Bewertung der Firma von rund 1,7 Mrd. Dollar angepeilt.

Warum Cisco so viel Geld auf den Tisch legt

Um den enorm hohen Kaufpreis zu verstehen, müssen Sie die aktuelle Positionierung von Cisco betrachten. Der Netzwerk-Riese befindet sich nämlich mitten in einer Neuausrichtung:

Firmenchef Chuck Robbins will den Konzern stärker in den Trendthemen Cloud-Computing, Internet der Dinge und Big Data positionieren.

Denn Ciscos teure Hardware- und Software-Standardprodukte erfreuen sich bei den Kunden immer geringerer Beliebtheit.

Mit softwarebasierten Netzwerk-Lösungen für Cloud-Dienste will die Tech-Ikone wieder auf den Wachstumskurs zurückkehren.

Um dieses Ziel zu erreichen, greift Robbins hart durch: Bereits letzten Sommer hatte der Konzernchef die Entlassung von über 5.000 Mitarbeitern angekündigt.

Cisco kann es sich locker leisten

Auch wenn der Kaufpreis alles anders als günstig ist, leisten kann sich die Übernahme Cisco locker. Immerhin schlummern gut 71 Mrd. Dollar an Vermögen in der Bilanz des Technologie-Konzerns.

Trotz der Neuausrichtung ist Cisco weiterhin ausgesprochen profitabel:

Bei einem Jahres-Umsatz von 49,2 Mrd. Dollar blieben im letzten Jahr Gewinne von 10,7 Mrd. Dollar hängen. Das entspricht einer Gewinnspanne von 21,81%.

Daher können Sie davon ausgehen, dass die Appdynamics-Übernahme nicht der letzte Schachzug gewesen sein wird, um den Wandel vom Hardware- zum Software- und Cloud-Konzern zu beschleunigen.

26. Januar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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