Cisco-Aktie: Tech-Ikone vergrätzt Anleger mit schwachem Ausblick

Der US-amerikanische Netzwerk-Ausrüster Cisco befindet sich nach einer Hiobsbotschaft auf Talfahrt. Hier finden Sie alle Infos dazu: (Foto: JPStock / shutterstock.com)

Da mussten die Anleger gestern wohl 2x hinsehen. Denn mit Vorlage der Geschäftszahlen wurde der Höhenflug der Aktie des US-Netzwerk-Ausrüsters abrupt gestoppt.

Immerhin lag das Kurs-Plus auf Sicht der vergangenen 5 Jahre bis vor wenigen Tagen noch bei gut 140%

Damit lief die Aktie deutlich besser (fast 60%) als der marktbreite S&P 500-Index.

Doch damit könnte jetzt erst einmal Schluss sein. Die Reaktion der Anleger fiel mit einem Kursrückgang von 8% jedenfalls klar und deutlich aus.

Ergebnisse über den Erwartungen

Für das vergangene 3. Quartal meldet Cisco einen Rückgang der Erlöse auf 11,94 Mrd. Dollar (-1%).

Die Produkt-Umsätze stagnierten gegenüber dem Vorjahr, während die Service-Umsätze um 2% schrumpften.

Der Nettogewinn kletterte unterdessen um 2,5 Mrd. Dollar (+7% zum Vorjahr) oder 60 Cent je Aktie.

Beim Umsatz traf Cisco damit exakt die Prognosen der Analysten, beim Gewinn lag der Netzwerk-Ausrüster sogar leicht drüber.

Hier waren die Experten im Vorfeld nur von 0,58 Dollar je Aktie ausgegangen. Aber Sie müssen wissen: Cisco hat den Gewinnsprung vor allem seinen Einsparungen zu verdanken.

Besonders im Bereich Forschung und Entwicklung sowie Vertrieb hat der Konzern den Rotstift angesetzt.

Dies sind alles Bereiche, die aber für die zukünftige Geschäfts-Entwicklung eine hohe Bedeutung haben könnten.

Ausblick enttäuschend

Waren die Zahlen noch ok, so konnte der Ausblick keinesfalls überzeugen. Denn das Technologie-Urgestein rechnet mit deutlich schwächeren Geschäften im laufenden Quartal.

Der Umsatz dürfte im Vergleich zum Vorjahr um 4 – 6% schrumpfen.

Damit würde der Umsatz zwischen 11,88 und 12,13 Mrd. Dollar liegen und damit nicht die Erwartungen der Analysten (12,51 Mrd. Dollar) schlagen können.

Netzwerk-Ausrüster verschärft Sparprogramm

Die Zahlen machen eines deutlich: Die Geschäfte des alten Kerngeschäfts mit Netzwerk-Routern laufen immer langsamer – die Zeiten des rasanten Wachstums sind längst passé.

Cisco stellt Geräte für den Internet- und Datenverkehr her, sogenannte Router und Switches.

Die Technik steckt in vielen Firmen-Netzwerken. Doch die Sparte steht unter Druck, weil Telekom-Konzerne weniger für Netzwerktechnik ausgeben.

Außerdem gibt es einen harten Wettbewerb mit Konkurrenten wie Huawei und Juniper Networks.

Cisco will dem Schwund der Geschäfte mit der Expansion in schnell wachsende Geschäftsbereiche begegnen. Diese schreitet aber nur zögerlich voran.

Daher setzt Firmenchef Chuck Robbins erneut den Rotstift an:

Offenbar ist ihm das massive Abbau-Programm, das immerhin rund 5800 Stellen weltweit reduzieren sollte, noch nicht genug. Jetzt sollen weitere 1100 Jobs daran glauben.

Für Sie zum Vergleich: Mit dem massiven Stellen-Abbau kürzt Cisco mal eben über 9% der kompletten Belegschaft.

In welchen Bereichen und an welchen Orten die Stellen gestrichen werden sollen, teilte das Unternehmen zunächst nicht mit.

Das dürfte die Kosten für das Streichprogramm noch einmal von 700 Mio. Dollar vor Steuern um 150 Mio. Dollar erhöhen.

Auf der Suche nach Wachstum

Cisco ist bemüht, den Wandel vom Hardware-Konzern zum Software- und Cloud-Konzern zu beschleunigen.

Und so setzt man auf Wachstumsfelder wie Sicherheit, Internet der Dinge, Next-Generation-Rechenzentren und Cloud.

Hierzu setzt Cisco v. a. auf Zukäufe: 7 Übernahmen waren es im vergangenen Jahr, in 2015 gab es gar 11 Akquisitionen.

In den vergangenen Wochen verleibte sich der Konzern MindMeld und Viptela ein. MindMeld ist in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Maschinellem Lernen unterwegs.

Das Start-up vermarktet eine Plattform, die beispielsweise für die Konzeption von sprachgesteuerten Assistenten geeignet ist.

Viptela ist hingegen mit ihrer Software auf die Optimierung der Verwaltung von Firmen-Netzwerken tätig.

Langfristig kann die Strategie mit Sicherheit aufgehen, aber Investoren sollte klar sein, dass vorerst das schwächelnde Kerngeschäft die Stimmung für die Aktie immer wieder ausbremsen kann.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.