Cisco: Netzwerk-Riese schlägt Analystenerwartungen

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Cisco: Technologie-Ikone überrascht trotz Gewinnrückgang positiv. Aktie zieht deutlich an und setzt Erholungsbewegung weiter fort (Foto: jejim / shutterstock.com)

Die Berichtssaison läuft weiter auf Hochtouren. Mit Cisco hatte am Mittwoch nachbörslich eine alte Technologieikone ihre Bücher für die Investoren geöffnet. Trotz sinkender Umsätze und Gewinne konnte das US-Unternehmen die Erwartungen schlagen. Entsprechend freundlich reagierte der Aktienkurs, der im schwachen Marktumfeld am Donnerstag um 5% anzog. Damit setzte sich die jüngste Erholungsbewegung weiter fort. Seit dem März-Tief haben die Cisco-Papiere mehr als 30% an Wert zugelegt. Seit dem Jahreswechsel liegen die Aktien aber weiterhin knapp 10% in der Verlustzone.

Cisco – ein Urgestein unter den amerikanischen Technologiekonzernen

Bevor ich auf die jüngsten Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen noch den Traditionskonzern näher vorstellen. Cisco wurde im Dezember 1984 von einer Gruppe von Wissenschaftlern der Stanford University bei San Francisco gegründet. Ziel war es, die Vernetzung von Computern zu vereinfachen und sie effektiver zu nutzen. 1986 brachte Cisco seinen ersten Multiprotokoll-Router auf den Markt – eine Mischung aus Hardware und intelligenter Software, die sich bald als Standard für Networking-Plattformen auf dem Markt etablierte.

Im Zuge des Internetbooms explodierte der Aktienkurs. Kurzzeitig war Cisco mit einem Börsenwert von über 550 Milliarden Dollar das teuerste Unternehmen der Welt. Heute bringt das Unternehmen noch 178 Milliarden an Börsenwert auf die Waage.

Wandel zum Softwarekonzern

Heute ist Cisco Systems ein weltweit agierender Anbieter von Networking-Lösungen für das Internet. Die Router und Switches von Cisco kontrollieren einerseits den Datenaustausch innerhalb eines Unternehmens und stellen andererseits die Verbindung zum Internet her. Darüber hinaus versucht sich der Konzern auch immer stärker bei Lösungen für Rechenzentren und Echtzeitanalysen zu positionieren. Themen wie Vernetzung, Big Data Analyse und Sicherheitslösungen sollen weiteres Wachstum bringen.

Letztes Quartal mit Rückgängen, aber besser als erwartet

Im dritten Quartal, das bei Cisco am 25. April endet, musste der Konzern Rückschläge verkraften. Der Umsatz sank im Jahresvergleich um 8% auf 12 Milliarden Dollar. Der Gewinn sackte gleichzeitig um 9% auf 2,8 Milliarden Dollar in den Keller. Unter dem Strich blieb aber ein Gewinn von 79 Cent je Aktie übrig und damit deutlich mehr, als von den Analysten im Vorfeld erwartet worden war (69 Cent je Aktie).

Dabei war die Entwicklung in den einzelnen Geschäftsbereich sehr heterogen: In Ciscos größtem Segment (53% Umsatzbeitrag), zu dem Netzwerk-Switches und Router für Rechenzentren gehören, erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von 6,43 Milliarden Dollar, was einem Rückgang von 15% entspricht.

Videokonferenzen weiter am boomen…

Deutlich besser entwickelte sich hingegen das Segment, das unter anderem den Videogesprächsdienst Webex beinhaltet. Allein im April nahmen über 500 Millionen Teilnehmer an Webex-Konferenzen teil. Cisco hat zahlreiche kostenlose Webex-Testzugänge verteilt, die sich in den kommenden Monaten in Einnahmen umwandeln sollen. Unter dem Strich erzielte das Segment einen Umsatz von 1,36 Milliarden Dollar und lag damit nur 5% unter dem Vorjahreszeitraum.

….und der Sicherheitsbereich sorgt für Wachstumsimpulse

Es gab aber auch Geschäftsbereiche, die trotz Corona-Krise sogar ein Umsatzwachstum erreichten. So erhöhten sich die Umsätze im Bereich Security (Firewall und Breach Detection Systeme) auf 776 Millionen Dollar (6%).

Für das laufende Quartal erwartet Cisco einen Umsatzrückgang zum Vorjahr von 8,5 bis 11,5% sowie ein Ergebnis je Aktie in der Bandbreite von 0,72 bis 0,74 Dollar. Die operative Marge soll unterdessen bei 31,5 bis 32,5% liegen.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.