Cisco: Netzwerkriese versetzt Anleger in Schockstarre

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Cisco: Netzwerkriese schraubt Prognose zurück und sorgt damit für hohen Tagesverlust in der Aktie. Konzernumbau stellt Geduld der Anleger auf harte Probe (Foto: jejim / shutterstock.com)

Die Berichtssaison hält die Anleger weiter in Atem. So auch am Donnerstag, als der Netzwerkriese Cisco seine Zahlen zur Geschäftsentwicklung präsentierte. Trotz eines soliden ersten Quartals sackte die Aktie im Anschluss deutlich in den Keller (-7%) und 15 Milliarden Dollar an Börsenwert lösten sich in Luft auf. Der Grund: Cisco hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr kräftig eingedampft.

Cisco – ein Urgestein unter den amerikanischen Technologiekonzernen

Bevor ich auf die jüngsten Zahlen eingehe, möchte ich Ihnen noch den Traditionskonzern näher vorstellen. Cisco wurde im Dezember 1984 von einer Gruppe von Wissenschaftlern der Stanford University bei San Francisco gegründet. Ziel war es, die Vernetzung von Computern zu vereinfachen und sie effektiver zu nutzen. 1986 brachte Cisco seinen ersten Multiprotokoll-Router auf den Markt – eine Mischung aus Hardware und intelligenter Software, die sich bald als Standard für Networking-Plattformen auf dem Markt etablierte.

Im Zuge des Internetbooms explodierte der Aktienkurs. Kurzzeitig war Cisco mit einem Börsenwert von über 550 Milliarden Dollar das teuerste Unternehmen der Welt. Heute bringt das Unternehmen noch 190 Milliarden an Börsenwert auf die Waage.

Der Wandel zum Softwarekonzern….

Heute ist Cisco Systems ein weltweit agierender Anbieter von Networking-Lösungen für das Internet. Die Router und Switches von Cisco kontrollieren einerseits den Datenaustausch innerhalb eines Unternehmens und stellen andererseits die Verbindung zum Internet her. Darüber hinaus versucht sich der Konzern auch immer stärker bei Lösungen für Rechenzentren und Echtzeitanalysen zu positionieren. Themen wie Vernetzung, Big Data Analyse und Sicherheitslösungen sollen weiteres Wachstum bringen.

…..dauert länger als gedacht

Der Schritt weg vom Hardware-Geschäft hin zu einem Anbieter von Netzwerk-Software und Services war definitiv wichtig und richtig. Denn während die Zukunftsbereiche laufen, hat Cisco im altgedienten Kerngeschäft Probleme. Dennoch erzielt der Konzern dort immer noch das meiste Geschäft (57% der Gesamtumsätze).

Solides Quartal übertrifft die Analystenschätzungen

Im ersten Quartal konnte der Netzwerkspezialist noch robuste Zahlen abliefern: Unter dem Strich steigerte Cisco den Umsatz um ein 1% auf 13,16 Milliarden Dollar. Gleichzeitig fiel der Nettogewinn um 18% auf 2,9 Milliarden Dollar. Je Aktie blieb ein Gewinn von 84 Cent übrig. Beide Kennziffern übertrafen die Erwartungen der Analysten. Für Sie zum Vergleich: Die Experten waren im Vorfeld von einem Umsatz von 13,09 Milliarden Dollar ausgegangen und hatten einen Gewinn je Aktie in Höhe von 81 Cent erwartet.

Von richtig starkem Wachstum fehlte aber in den meisten Geschäftsbereichen jede Spur. Lediglich die kleinste Sparte mit Sicherheitslösungen, die mit 815 Millionen Dollar aber nur 6,1% des Gesamtgeschäfts ausmacht, konnte ein zweistelliges Wachstum aufzeigen (+22%).

Schwache Prognose sorgt für enttäuschte Gesichter

Doch die Prognose für das laufende Geschäftsjahr war für die Anleger eine herbe Enttäuschung. Cisco-Boss Chuck Robbins verwies bei der Präsentation der Zahlen auf ein herausforderndes gesamtwirtschaftliches Umfeld. Vor allem der US-chinesische Handelsstreit und die sich abschwächende weltweite Wirtschaftsdynamik sorgen bei den Kunden für Investitionszurückhaltung. Entsprechend mau fiel die Umsatzprognose aus: Der Netzwerkriese rechnet nun mit einem Rückgang beim Umsatz von 3 bis 5%. Damit klafft eine deutliche Lücke zu den Analystenschätzungen auf, die bislang noch von einem Anstieg um 2,7% ausgegangen waren.

Fazit: Die Investitionszurückhaltung und das unklare makroökonomische Umfeld stellen die Anleger vor eine harte Geduldsprobe. Das Wachstum in den Zukunftsmärkten kann noch nicht die Schwäche im Kerngeschäft ausgleichen. Solang der China-Konflikt schwelt ist mit keiner deutlichen Aufhellung zu rechnen. Vor diesem Hintergrund dürfte das kurzfristige Aufwärtspotenzial der Aktie eher begrenzt sein.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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