Cisco: Tech-Ikone macht mit Milliardendeal auf sich aufmerksam

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Cisco-Aktie: Netzwerkriese bringt sich mit Milliarden-Zukauf für den 5G-Boom in Stellung. Der explosionsartig steigende Datenverkehr soll die Geschäfte antreiben. (Foto: jejim / shutterstock.com)

Die Übernahmewelle rollte weiter durch den Technologiesektor. Jetzt hat der US-Netzwerkriese Cisco ein Übernahmeangebot für den Komponentenhersteller Acacia Communications auf den Tisch gelegt – Kostenpunkt immerhin stolze 2,8 Milliarden Dollar. Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus. Während die Papiere von Cisco nahezu unverändert aus dem Handel gingen, schoss die Acacia Communications-Aktie bis auf knapp 65 Dollar kräftig um 35% in die Höhe.

Cisco zahlt satte Prämie von 46%

Das Angebot von 70 Dollar je Aktie in bar bewertet den Komponentenhersteller mit 2,8 Milliarden Dollar. Das wiederum entspricht einem satten Aufschlag von 46% gegenüber dem Schlusskurs vor der Übernahmemeldung. Zuletzt lag der Jahresumsatz des Objekts der Begierde bei 339,9 Millionen Dollar (-11,9% zum Vorjahr) und der Nettogewinn bei 4,9 Millionen Euro (-87,2%). Die Gewinnmarge sank seit 2016 von 27,50% auf 1,45% im zurückliegenden Geschäftsjahr.

Auf Basis der aktuellen Geschäftszahlen zahlt Cisco einen stolzen Preis. Immerhin bewertet die Offerte Acacia Communications mit mehr als dem 8-Fachen Umsatz und dem 570-Fachen Gewinn.

Vorstoß in Markt für Telekommunikationsausrüstung

Mit dem Deal will Cisco vor allem sein Geschäft mit Ausrüstung für die Telekommunikationsnetzbetreiber stärken. Acacia entwickelt und produziert Glasfaser-Komponenten für die Datenübertragung in Hochgeschwindigkeit. Zu den Kunden zählen insbesondere Telekommunikationsnetzbetreiber und Betreiber von großen Datenzentren, auch Cisco zählt zu den Top 5 Kunden. Mit der Akquisition stoßen die Amerikaner in einen Markt vor, der bislang von Huawei, Ericsson und Nokia kontrolliert wird.

5G treibt die Nachfrage

Die Übernahme der Firma bringt Cisco besonders auf dem Wachstumsmarkt mit 5G-Infrastruktur in eine aussichtsreiche Position. Der Roll-Out hat gerade erst begonnen. Weltweit benötigen Mobilfunknetze leistungsfähigere optische Schnittstellen, um den enormen Datenschub zu bewältigen, wenn in den nächsten Jahren ein Hochgeschwindigkeitsnetz der fünften Generation ans Netz geht.

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Laut dem Visual Networking Index von Cisco wird der globale Internetverkehr im Jahr 2022 auf mehr als das Dreifache bis 13,2 Exabyte pro Tag geschätzt, gegenüber 4,1 Exabyte pro Tag im Jahr 2017.

Bislang war der US-Netzwerkriese aber nur auf den kurzen Reichweiten stark. Mit Acacia wird das Produktportfolio um Langstreckenkomponenten (bspw. auch Unterseekabel) ergänzt. Der Abschluss der Übernahme wird in der zweiten Hälfte 2020 erwartet.

Experten erwarten Umsatzschub

Der Umsatz im Infrastrukturplattform-Geschäft von Cisco, das Switches und Router umfasst, stieg im dritten Quartal um 5% auf 7,55 Milliarden Dollar. Es wird erwartet, dass dieses Geschäft durch 5G-Kommunikationsnetzwerke einen Schub erhält, auch wenn Cisco-Führungskräfte einen deutlichen Einfluss erst ab 2020 erwarten.

Cisco setzt Schoppingtour ungebremst fort

Mit dem Zukauf setzt Cisco seine Einkaufstour weiter fort. Als Leser meiner Kolumne ist Ihnen Cisco als aktiver Player auf dem Markt für Übernahmen sicher ein Begriff. Die letzten größeren Akquisitionen tätigte Cisco in 2017 mit dem Kauf von AppDynamics für rund 3,7 Milliarden Dollar sowie die Übernahme von Duo Security für 2,35 Milliarden Dollar in 2018.

Zuletzt erwarb Cisco Systems zudem das private Halbleiterunternehmen Luxtera sowie den privaten Netzwerk-Infrastruktur-Analyse Spezialisten Singularity Networks. Sie können davon ausgehen, dass auch Acacia Communications nicht der letzte Deal gewesen ist.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.