Clovis schmälert Tesaro-Gewinnchance im Falle einer Übernahme

Starke Forschungsdaten verringern die Gewinnchance für Tesaro-Investoren weiter. Übernahme-Spekulanten sollten an der Seitenlinie bleiben. (Foto: Roland Magnusson / shutterstock.com)

In der vergangenen Woche schrieb ich Ihnen von den Übernahme-Gerüchten um Tesaro.

Und ich berichtete von der Gefahr, dass der Markt einen zu optimistischen Übernahme-Preis erwartet, falls es überhaupt zu einem Deal kommt.

Zur Erinnerung:

Der Preis von Tesaro hängt stark davon ab, welches Potenzial dem Tesaro-Medikament Zejula beigemessen wird, das in direkter Konkurrenz zu Medikamenten-Entwicklungen von Clovis und AstraZeneca steht.

Gestern wurde meine Skepsis in Bezug auf einen hohen Tesaro-Übernahme-Preis bestätigt.

Der Konkurret Clovis legte neue Forschungs-Ergebnisse vor, die sehr gut aussahen.

Mögliche Tesaro-Übernahme: Risiko für den Käufer jetzt noch größer

Die Daten versetzen Tesaro nicht in die zweite Reihe, aber sie sind nachteilig.

Denn die Gefahr, dass am Ende das Potenzial von Zejula im Kernbereich und besonders in anderen Bereichen geringer ist als angenommen, ist gestiegen.

Clovis-Aktien verteuerten sich gestern um 50%. Tesaro-Aktien waren zu Handelsbeginn extrem unter Druck, konnten ein Kursdebakel im weiteren Handelsverlauf jedoch verhindern.

Dennoch: Ein Tesaro-Bieter muss die Konkurrenz und deren Forschungs-Ergebnisse fest im Blick haben.

Wird das Potenzial überschätzt, was sich sehr schnell zeigen kann, dann ist eine hohe Abschreibung vorprogrammiert.

Erfolgsabhängige Komponenten bei Biotech-Übernahmen

Das Problem, wie viel eine Forschungs-Pipeline wert ist, beschäftigt die Biotech-Branche bei Übernahmen regelmäßig.

Der Übernahme-Kandidat setzt den Wert sehr hoch an, der Bieter will einen Sicherheits-Abschlag für das Misserfolgs-Risiko.

Gehen die Preisvorstellungen zu weit auseinander, platzen die Gespräche. Doch es gibt einen Weg, der unterschiedliche Wertvorstellungen zusammen bringt: das CVR.

CVR sind die Anfangsbuchstaben von Contingent Value Right.

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CVRs verbriefen ein erfolgsabhängiges Recht auf eine Nachzahlung wenn bestimmte Forschungs- oder Verkaufs-Ziele erreicht wurden.

Mit diesen CVRs wird Druck von dem Bieter genommen, da dieser nur dann zahlen muss, wenn die Forschung wirklich ein Erfolg ist.

Der Übernahme-Kandidat meint, dass er mehr wert ist? – Dann soll er es auch bitte beweisen!

CVRs bringen häufig nur kleinen oder keinen Nachschlag

CVRs können bei festgefahrenen Übernahme-Verhandlungen Deal-Retter sein, sind bei institutionellen Investoren des Übernahme-Kandidaten allerdings oft nicht allzu beliebt.

Die wollen lieber einen Stich unter die Investition ziehen und nicht irgendwelche unsicheren Zahlungen.

Eine Rückbetrachtung erklärt dann auch, warum die CVRs nicht sehr beliebt sind:

Häufig fließt selbst bei augenscheinlich attraktiven CVRs, die den Übernahme-Preis um 20% oder 30% nach oben hieven könnten, nur ein Bruchteil des Geldes.

Bei der Genzyme-Übernahme durch Sanofi wäre der Übernahme-Preis bei voller Zahlung des CVRs von 74 Dollar je Aktie auf 88 Dollar je Aktie (+3,8 Mrd. Dollar) gestiegen.

Die Hoffnung, dass die 14 Dollar irgendwann gezahlt werden, ist zwar noch da, doch dviel Chancen räumt der Markt dem nicht ein.

Sie können das Recht aktuell für 0,36 Dollar erwerben.

Tesaro vor 1 Woche kein Kauf – und heute auch nicht

Mit Blick auf die scharfe Konkurrenz des Tesaro-Zugpferds Zeraju ist aus meiner Sicht bei einer Übernahme die Zahlung einer erfolgsabhängigen Komponente sehr gut vorstellbar.

Sollte es zu einer Übernahme kommen, dann winkt Investoren zudem noch eine attraktive Prämie auf den Aktienkurs.

ABER: Die Chance auf einen Deal ist durch die starken Clovis-Daten kleiner geworden!

Vermutlich ist das Gewinn-Potenzial dadurch zudem geringer geworden. Das Risiko, dass der Aktienkurs zu große Hoffnungen eingepreist hat, ist groß.

Trotz der Übernahme-Chance sollten Privat-Anleger an der Seite bleiben.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.