Coach-Aktie: Handtaschen-Deal mischt Luxus-Branche auf

In wenigen Branchen liegt Glück und Leid so nah beinander wie in der Modebranche:

Stehen einzelne Marken hoch in der Gunst der zahlungskräftigen Kunden, kann dies für einen wahren Geldregen sorgen.

Da die Halbwertzeit der Geschmäcker allerdings überschaubar und die Konkurrenz groß ist, sind dauerhafte Erfolge eher eine Seltenheit.

Viele Marken können ihren Erfolg nicht dauerhaft halten, etwa:

  • Abercrombie & Fitch;
  • Michael Kors;
  • Gerry Weber;
  • Tom Tailor;
  • GAP.

Es ist also kein Wunder, dass es in diesem Markt zu einer hohen Übernahme-Tätigkeit kommt.

So bahnt sich auf dem amerikanischen Handtaschen-Markt im Moment eine richtige Mega-Übernahme an:

Coach, der 1941 gegründete Pionier der Lederwaren, will seinen Wettbewerber Kate Spade in einem spektakulären Milliardendeal schlucken.

Den Anlegern beider Firmen scheint es zu gefallen.

Denn nicht nur die Kate Spade-Aktien haussieren auf Grund der offerierten Prämie, sondern auch die Coach-Papiere klettern mit einem Tagesplus von 5% auf ein neues Jahreshoch.

2,4 Mrd. Dollar für Luxus-Handtaschen

Coach bietet nach ersten Informationen einen Preis von 18,50 Dollar je Aktie.

Damit ergibt sich zwar ein Unternehmenswert von 2,4 Mrd. Dollar für Kate Spade, aber der Aufschlag auf den Schlusskurs vom Freitag liegt bei eher überschaubaren 9%.

Deer Konzern erhofft sich durch die Übernahme Einsparungen von etwa 50 Mio. Dollar innerhalb der ersten 3 Jahre.

Hedgefonds macht Druck auf Kate Spade

Kate-Spade ist vor allem bei jungen Leute beliebt – wegen seiner oft farbenfrohen Modelle, die z. T. aussehen wie Katzen oder Autos.

Die Firma wurde 1976 u. a. von Liz Clairborne in New York gegründet. Zu den Geschäftsfeldern gehören Design und Vermarktung von Männer- und Frauenmode, Accessoires und Parfümen.

Die Handtaschen des Konzerns wurden v. a. durch die Serie Sex and the City bekannt.

Mittlerweile unterhält die Firma 210 eigene und 54 konzessionierte Ladengeschäfte und beschäftigt etwa 3.600 Mitarbeiter.

Der Konzern hat im Februar angekündigt, strategische Optionen auszuloten.

Hintergrund ist, dass der Hedge-Fonds Caerus Investors einen Verkauf gefordert hatte und dem Management vorwirft, es würde keine branchenüblichen Margen erwirtschaften.

Gewinnmarge über Coach-Niveau

Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte das Objekt der Begierde Kate Spade einen Umsatz von 1,38 Mrd. Dollar.

Der Nettogewinn lag im Gegenzug bei 154 Mio. Dollar, was einer Gewinnmarge von 11,12% entspricht.

Für Sie zum Vergleich: Coach ist mit einem Jahres-Umsatz von 4,49 Mrd. Dollar zwar deutlich größer, kommt aber mit einem Gewinn von 461 Mio. Dollar nur auf eine Gewinnrendite von 10,25%.

Marke wird deutlich verjüngt

Coach ist in den USA eine sehr bekannte Marke, die jahrelang für Qualität, Trend und Luxus stand.

Das Management hat bei seinem Fokus auf das Umsatz-Wachstum aber ein wesentliches Element der Luxuswelt außer Acht gelassen: Exklusivität.

Der Umsatz wurde durch die starke Expansion im Outlet-Bereich durch preisgünstige Ware angekurbelt.

Mit dem Einstieg bei Kate Spade könnte sich der Moderiese wieder einen Hauch Luxus ins Haus holen.

Der klare Fokus auf „Millenial“-Kunden (geboren zwischen 1980 und 1999), mit denen der Konzern 60% der Umsätze erwirtschaftet, und das internationale Wachstum von Kate Spade sind durchaus attraktiv für Coach.

Alleine im vergangenen Jahr eröffnete die Handtaschen-Firma 52 neue Läden. Wie erfolgreich Kate Spade aber unter dem Coach-Dach arbeiten kann, wird sich erst noch zeigen müssen.

9. Mai 2017

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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