Cobracrest taucht wieder auf – jetzt vor Gericht: der Aktien-Krimi

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Redaktion beobachtete den Fall vor Jahren - amüsant und spannend (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Erfreuliche Nachrichten für Geschädigte des Unternehmens “Cobracrest”.

Der “Penny Stock” war von Anfang an quasi nichts wert, schaffte es aber über seltsame Geschäftsideen und “Übernahmeangebote”, Investoren zu locken.

Zwei unserer Redaktionen waren vor gut fünf Jahren am Fall dran. Jetzt wird rechtlich abgerechnet.

Urteilsort ist Berlin – dort müssen sich vier Verantwortliche stellen. Die Vorwürfe formulierten wir inhaltlich damals bereits: Betrug, Kursmanipulation, falsche Angaben. Das Unternehmen hat einen Wirtschaftskrimi geschrieben, der auch heute noch lehrreich ist. Der Graumarkt schreibt seine eigenen Erfolgsstories.

Produkte, die nicht funktionierten

Von Beginn an hatten wir damals schnell den Eindruck, die Firma handle mit Produkten, die nicht funktionieren. Darunter waren ein Energy-Getränk namens “Clubber” oder eine nikotinfreie Zigarette – ohne Rauch.

Schon damals war auch der Auftritt des Unternehmens im Internet seltsam. Weltweite Standorte, so lautete das Versprechen. Wir sahen fast nur “Beispiele” von Gebäuden, die so auch zu Cobracrest gehören könnten. Ein Bild enthielt nur den Ausblick auf eine weit entfernte Stadt – angeblich ein Standort.

Auch die Produktpräsentationen waren auffallend seltsam. So berichteten Besucher einer solchen Präsentation von geschlossenen Räumen und der Ankündigung statt Darbietung der rauchfreien Zigarette.

Krisenzeichen: Übernahmeangebot

Das seltsamste Zeichen für einen möglichen Betrug war jedoch das Angebot der US-Firma “Carlyle”. Die beteiligten Redakteure wussten, dass in den USA ein großes Beteiligungsunternehmen gleichen Namens existiert.

Anhand des Firmenzusatzes wurde schnell deutlich, dass die Cobracrest – Carlyle mit dem Beteiligungsunternehmen nichts zu tun hatte.

Im Gegenteil: offensichtlich spielte eine Gruppe Interessierter absichtlich mit dem Namen.

Die Abbildung von Carlyle im Internet wiederum bestand aus dem Bild eines Hochhauses – fotografiert von unten entlang der Hausfassade. Der Eindruck war mächtig – die Substanz aber blieb hohl.

  • Ergebnis der Inszenierung jedoch war eine Kursrallye, die ihresgleichen suchte. Der Kurs der Aktie raste an jenem Freitag mit dem Übernahmeangebot im Jahr 2006 auf bis zu fünf Euro hoch und kehrte Stunden später auf etwa einen Euro zurück.
  • Carlyle hatte immerhin einen Kurs von – hier hilft nur noch das Redaktionsgedächtnis – gut fünf Euro geboten. Das Angebot war damit zwar rechtlich gültig und schon deshalb eine Spekulation wert, aber: auf der anderen Seite konnte Carlyle es einfach zurück ziehen.
  • Genau das passierte mit einer fadenscheinigen Begründung. Angeblich war Carlyle irgendeine Zulassung auf deutschem Boden verwehrt worden, so dass das Unternehmen sich komplett zurückzog. Das Angebot war wie erwartet vom Tisch.

GeVestor meint: Ein Alarmzeichen jedoch bleibt es bis heute im redaktionellen Gedächtnis, wie viel Investoren sich damals locken ließen.

Die Präsentation war so schlecht, dass sich dahinter eigentlich nur Betrug verbergen konnte.

Tausende von Investoren aber zahlten für die Aktie viel Geld. Unser Hinweis: wenn Sie ein Unternehmen nicht kennen – Finger weg. Geheimtipps sind in der Regel kaum kontrollierbar.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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