Comcast bläst Übernahme von TimeWarnerCable ab

Es hätte einer der größten Deals 2014 sein können. Am Ende mussten die beiden US-KabelTV-Konzerne Comcast und TimeWarnerCable (TWC) jedoch einsehen, dass der 45 Mrd. Dollar-Zusammenschluss nicht möglich ist.

Während sich die Manager vor wenigen Monaten noch hoffnungsvoll zeigten, dass die Wettbewerbsbehörden den Deal unter Auflagen durchwinken, zeigte sich in den vergangenen Tagen zunehmend, dass die Auflagen so hoch sein würden, dass der Schulterschluss nicht mehr sinnvoll ist. Logische Konsequenz: Deal-Abbruch.

Blick nach vorn: TWC-Aktionäre reagieren gelassen

Wenn große Deals platzen, dann führt das in der Regel zu scharfen Kursreaktionen. Besonders die Aktie des Übernahme-Kandidaten kann dann unter Druck geraten. In diesem Fall hält sich die Enttäuschung jedoch in Grenzen.

Vom 52-Wochen-Hoch ist die TWC-Aktie nur 5,5% entfernt. Heute legt das Papier des einstigen Übernahme-Kandidaten sogar zu.

Ein Grund dafür ist mit Sicherheit, dass die Unsicherheit jetzt raus ist. Die Anleger wissen bei einer Investition jetzt, dass sie nicht mehr mit der Übernahme rechnen müssen. Ein anderer Grund dürfte sein, dass TWC weiterhin Übernahme-Kandidat ist.

Dem Schulterschluss von Comcast und TWC ging eine Offerte von Charter Communications voraus. Jetzt ist der damals unterlegene Konzern natürlich zurück im Spiel. Es ist gut möglich, dass Charter noch einmal ein Auge auf TWC wirft.

Fraglich ist dann aber, was Charter Communications bietet. Immerhin muss das Unternehmen jetzt nicht mehr befürchten, dass ein anderer Konzern ebenfalls TWC haben möchte. Die Charter-Aktie reagiert heute auf das Deal-Aus jedoch zunächst nicht.

Auch Comcast-Investoren weinen Übernahme-Aus nicht hinterher

Wenig enttäuscht über das Übernahme-Aus sind offenbar auch die Aktionäre von Comcast. Die Aktie des Bieters notiert im Mittagshandel unverändert. Neben dem Unsicherheitsfaktor wie es weiter geht, dürfte ein Grund dafür sein, dass Comcast ohne Break Up-Fee den Deal beenden konnte.

Investoren fragen sich jetzt sogar schon wieder, was Comcast vor hat. Der KabelTV-Riese hat immerhin 45 Mrd. $ locker gemacht, die für eine Übernahme eingeplant waren. Daher sind Spekulationen, wer die TWC-Alternative sein könnte, durchaus gerechtfertigt.

In Frage kämen TimeWarner oder Netflix. Wenn Comcast im großen Stil Content kaufen will, wäre TimeWarner mit HBO und den Warner Bros. Studios wahrscheinlicher.

Durchgespielt wird auch ein Zukauf in Europa. Dem Übernahme-Sensor würde ein 100 Mrd. Dollar-Deal mit Vodafone gefallen – doch es ist fraglich, ob dies das wahrscheinlichste Szenario ist.

Wie verhält sich Charter Communications?

Das Deal-Aus hat weitreichende Folgen. Nicht nur für die beiden beteiligten Unternehmen, sondern insbesondere für Charter Communications. Denn der Kabel-Allrounder hatte die Zusage für 3,9 Mio. Kunden, wenn der Comcast/TWC-Deal durchgeht. Aus denen wird jetzt nichts.

Zudem hat Charter inzwischen eine 10,4 Mrd. Dollar schwere Übernahme-Offerte für BrightHouse abgegeben. Man hatte sich schon geeinigt, doch wurde in den Verträgen festgehalten, dass die Umsetzung in Abhängigkeit des Comcast/TWC-Deals ist. Auch dieser Deal könnte jetzt platzen.

Wenn das geschieht, sollten Sie unbedingt auf die TWC-Aktie schauen und überprüfen, ob da nicht noch etwas zu holen ist.

24. April 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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