Comcast gewinnt Rennen um Sky mit „Knockout-Offerte“

Comcast gewinnt den Bieterkampf um Sky. Doch die INvestoren sind angesichts des hohen Preises nicht begeistert. (Foto: Casimiro PT / Shutterstock.com)

Nach einem monatelangen Bieterwettkampf zwischen dem US-Kabelriesen Comcast und Rupert Murdochs 21st Century Fox beendete eine behördlich angeordnete Auktion das Rennen um den britischen Bezahlsender Sky.

Am Samstag lieferten sich die beiden Interessenten den letzten Schlagabtausch und Bieter Comcast konnte mit einer unerwartet hohen Offerte das Rennen für sich entscheiden. Fox bot in der letzten Angebotsrunde 15,67 Pfund – also weniger als den Börsenpreis.

17,28 britische Pfund je Aktie sind die Briten dagegen Comcast wert. Der Preis liegt deutlich über den Erwartungen der Mehrzahl der Analysten.

Jetziger Angebotspreis 60% über Erstangebot von Fox

Die hohe Comcast-Offerte hat sehr gute Chancen, dass die Aktionäre das Angebot unterstützen. Mit Übernahme-Aktivist Elliott Management und anderen Finanzinvestoren im Aktionariat sowie einem 39% Anteil beim Konkurrenzbieter wollte Comcast offenbar sicher gehen, dass  die überwältigende Mehrheit das Angebot annimmt.

Fox hat zwar noch nicht zugestimmt, doch der Preis könnte zu gut sein, um nicht angenommen zu werden. Immerhin liegt der jetzige Übernahme-Preis 60% über dem ursprünglichen Fox-Angebotspreis aus dem Jahr 2016.

Aktie wechselt zum Angebotspreis den Besitzer

Heute wechselt die Sky-Aktie bereits teilweise zum Angebotspreis den Besitzer, ein Zeichen dafür, dass der neue Angebotspreis als neue Preis-Untergrenze gesehen wird. Da einige Investoren trotz Wartezeit bis zur Auszahlung die vollen 17,28 Dollar zahlen, scheint sogar vereinzelt noch mit einem höheren späteren Wert der Sky-Aktie gerechnet zu werden.

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Dies könnte etwa dann der Fall sein, wenn Fox sich entscheiden sollte, seine 39% nicht in die Übernahme einzubringen. Investoren könnten dann darauf spekulieren, dass nach einer zunächst erfolgreichen Übernahme mit 50% + X bei Comcast, eine spätere Einigung zwischen Comcast und Sky zu einem höheren Preis erfolgt, um Sky von der Börse zu nehmen. Dafür sind in Großbritannien 75% erforderlich.

Trotz hoher Bewertung: Nachträglicher Einstieg hätte sich gelohnt

Klappt die Übernahme, stehen auf der Liste der Gewinner bekannte Namen: Elliott Management, UBS, Baupost oder BlackRock sind nur einige Aktionäre die vom hohen Übernahme-Preis profitieren.

Dabei lohnte es sich in diesem Fall – im Nachhinein – sehr, auf einen Bieterkampf und höhere Preise zu setzen. Selbst wer sich erst nach dem Comcast-Einstieg im März dieses Jahres in die laufende Übernahme einkaufte, konnte trotz der bereits fundamental hohen Bewertung über 25% Übernahme-Gewinn einfahren.

Comcast brauchte Sky „unbedingt“

Comcast zeigte sich mit dem Auktionsergebnis zufrieden, doch die Comcast-Investoren sind es nicht. Für sie ist der 15fache 2018er Gewinn zu viel. Im frühen US-Handel verliert die Comcast-Aktie 7%.

Bis sich der Deal rechnet wird es noch sehr lange dauern, besonders, wenn jetzt zunächst nur 50 bis 75% der Aktionäre das Angebot annehmen. Doch Comcast hatte wenig Optionen. Will man AT&T nach der TimeWarner-Übernahme und Disney nach der Übernahme der Fox-Bereiche nicht das Feld überlassen, musste ein Sieg im Bieterkampf um Sky her.

Der ist jetzt wahrscheinlich da, doch er ist sehr teuer erkauft – und wenn es ungünstig läuft und Fox seinen Anteil nicht abgibt, wird es vielleicht sogar trotz des Sieges in der Auktion noch teurer oder im Nachgang eine Niederlage.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.