Comcast zieht sich aus Bieterkampf um Fox zurück

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Comcast verliert den Bieterkampf um Fox, hat aber beste Karten um bei Sky zum Zug zu kommen. (Foto: Jonathan Weiss / shutterstock.com)

Der größte Deal des ersten Halbjahres 2018 biegt auf die Zielgerade ein. Kabelnetzbetreiber Comcast kündigte gestern an, dass man aus dem Bieterkampf um Geschäftsbereiche des Medienkonzerns 21st Century Fox aussteigen werde.

Konkurrenzbieter Disney hat damit endlich freie Bahn, um die 85 Mrd. Dollar schwere Übernahme abzuschließen. Das Ende des Bieterkampfes führt bei den Aktien der beiden Interessenten zu steigenden Kursen – Fox-Aktionäre haben dagegen das Nachsehen. 

Sicher geglaubter Deal wird von Comcast torpediert

Rückblick: Im Dezember 2016 einigten sich die beiden Medien-Unternehmen Disney und 21st Century Fox auf einen Deal im Volumen von 52,4 Mrd. Dollar. Aktionäre sollten für die Fox-Filmstudios, einem Anteil am Videodienst Hulu, eine wesentliche Beteiligung an der Bezahlsendergruppe Sky sowie diverse Fernsehsender 28 Dollar je Aktie in bar und Aktien erhalten. Der Rest sollte in eine neue Gesellschaft abgespalten werden.

Die Übernahme ist für Disney strategisch sehr wichtig, da sich die Medienlandschaft stark verändert hat. Online-Video-Bezahldienste wie Netflix oder Amazon Prime haben hohen Zulauf, während das klassische TV-Geschäft immer stärker unter Druck gerät.

2019 will Disney mit einem eigenen Streaming-Dienst reagieren, die Fox-Unternehmensteile sind da eine wichtige Starthilfe.

Alles sah zunächst auch nach einem reibungslosen Deal aus, bis dann im Frühjahr dieses Jahres der Kabelkonzern Comcast ebenfalls Interesse anmeldete. Comcast schielte schon eher auf Fox, doch es kam vor einigen Jahren aufgrund von Wettbewerbsbedenken nicht zu einer Einigung. 

Disney muss 35% mehr zahlen als ursprünglich vereinbart

Disney ist zwar jetzt der Gewinner des Bieterkampfes, doch der ursprüngliche Übernahme-Vertrag war deutlich vorteilhafter für den Medienkonzern. Denn statt der zunächst vereinbarten 28 Dollar werden jetzt umgerechnet 38 Dollar je Aktie (bar und Aktien) fällig.

Die Disney-Aktionäre sehen es gelassen. Als sich abzeichnete, dass der Konzern das Bieterrennen für sich entscheiden würde, kletterte die Aktie trotz der hohen Aufstockung nach oben und liegt per heute sogar leicht über dem Kurs bevor Comcast die Bühne betrat.

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Anders dagegen die Kursentwicklung der Comcast-Aktie: Zwar zeigten sich einige Investoren gestern erleichtert, dass der Kabelnetzbetreiber aus dem Rennen aussteigt, doch ein Bieterkampf ist teuer – besonders wenn man am Ende mit leeren Händen dasteht. Seit Jahresbeginn hat die Comcast-Aktie 14% eingebüßt.

Und die Aktie des Übernahme-Kandidaten? Vom Hoch bei 50,15 Dollar Ende Juni ist die Aktie um 7% zurückgefallen, doch wer Anfang des Jahres einstieg, hat einen Gewinn in Höhe von 30% erzielt. Im vom Handelsstreit geprägten Börsenumfeld ein sehr respektables Ergebnis. 

Comcast mit guten Karten, im Rennen um Sky nicht weiter aufstocken zu müssen

Dass Comcast nicht weiter für Fox bietet, begründet der Konzern damit, dass die Geschäftsbereiche bei einem neuen Angebot zu teuer gewesen wären und regulatorische Gefahren drohten.

Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Comcast kämpft nämlich an zwei Fronten und Sie können sich vorstellen, dass dies bei zweistelligen Milliardendeals eine erhebliche Belastung mit hoher Fehlergefahr ist.

Comcast entschied sich daher, sich jetzt voll auf die Übernahme der britischen Bezahlsender-Gruppe Sky zu konzentrieren. Dort steckt Comcast im Bieterkampf mit Fox – der gleichen Fox die jetzt die Geschäftsbereiche an Disney verkauft.

Der Kampf ist schon weit fortgeschritten. Beide Konzerne haben ihre ursprünglichen Offerten deutlich aufgestockt und der Übernahme-Kampf könnte sehr zeitnah zu Ende gehen. Aktuell hat Comcast mit 14,75 britischen Pfund je Aktie das Sky-Management auf seiner Seite, doch der Markt spekuliert darauf, dass Fox das Angebot noch einmal toppt.

Darauf wetten würde ich bei Kursen von über 15 Pfund jedoch nicht mehr. Comcast hat mit dem Rückzug klar gemacht, dass man Sky haben will und verfügt jetzt über noch mehr Feuerkraft um eine Konkurrenzofferte noch einmal zu toppen. Das weiß auch Fox – sodass es günstiger wäre, sich bei Sky geschlagen zu geben.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.