Commerzbank-Aktie erholt sich von Kapitalerhöhung

Commerzbank-Anleger sind verunsichert: Überraschend hat Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus kürzlich eine milliardenschwere Kapitalerhöhung durchgezogen.

Mehr als 100 Millionen neue Aktien wurden platziert, das Angebot richtete sich ausschließlich an institutionelle Investoren. 1,4 Milliarden Euro wurden so an frischem Kapital in die Bank gespült.

Aufbesserung der Eigenkapitalquote

Der Hintergrund ist klar: Durch das neu eingesammelte Geld erhöht die Commerzbank ihre Kernkapitalquote auf 10,2 Prozent. Schärfere Vorgaben und Kontrollen durch europäische Institutionen haben die Banken dazu veranlasst, nach den Erfahrungen der Finanzkrise ihre Eigenkapitalquoten zu erhöhen, um Risiken im Ernstfall besser abfedern zu können.

Mittelfristig bewerteten Analysten den Schritt zur Kapitalerhöhung daher tendenziell positiv. Auch die Quartalsbilanz der Commerzbank kann sich sehen lassen: Das operative Ergebnis hat sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt von 324 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf nun 685 Millionen Euro im ersten Quartal.

Unterm Strich stieg der Überschuss auf 366 Millionen Euro an – auch das ist fast doppelt so viel wie im Vergleichszeitraum. Im Vorjahresquartal kam die Commerzbank hier lediglich auf 200 Millionen Euro.

Analystenmeinungen gehen auseinander

Beobachter zeigten sich angesichts der Zahlen zwiegespalten: Einerseits werde das Ergebnis durch Sondereffekte verzerrt. Andererseits deute die positive Tendenz darauf hin, dass sich die Umbaumaßnahmen und Sparanstrengungen der vergangenen Jahre allmählich auszahlen und die teilverstaatlichte Commerzbank wieder auf einen grünen Zweig zurückfindet.

Analysten sind sich uneins, was die Bewertung der Aktie angeht. Kauf- und Verkaufsempfehlungen halten sich die Waage, die Mehrheit stellen derzeit die neutralen Stimmen, die empfehlen, die Aktienbestände zu halten.

Das Kursziel sehen die Experten im Schnitt etwas oberhalb des aktuellen Kurses von zuletzt gut 12 Euro. Optimistische Schätzungen gehen von einem Potenzial bis zu 17 Euro aus, die meisten sehen das Papier jedoch zwischen 12 und 15 Euro fair bewertet.

2015-05-07 Commerzbank

Starke Nerven sind gefragt

Ohnehin müssen Bank-Aktionäre dieser Tage einen langen Atem und starke Nerven mitbringen. Im Vergleich zum Rekord-Jahresstart des Dax hinken Commerzbank und Deutsche Bank deutlich hinterher.

Während der Dax im ersten Quartal um mehr als 20 Prozent zugelegt hat und auch nach den jüngsten Kursrückgängen noch rund 15 Prozent höher notiert als zu Beginn des Jahres, hat sich die Commerzbank-Aktie im gleichen Zeitraum nur um etwa 8 Prozent verteuert.

Gerade die letzten Wochen verliefen schleppend: Binnen Monatsfrist hat der Kurs um rund 10 Prozent nachgegeben. Immerhin: Am gestrigen Donnerstag zählte die Commerzbank mit einem Plus von über 3 Prozent zu den stärksten Titeln im Dax.

Während vor allem die skandalgeplagte Deutsche Bank die Schlagzeilen beherrscht, hat die Commerzbank mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Langsam aber sicher, so scheint es, nähert man sich den Lösungen.

8. Mai 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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