Commerzbank Aktie: Geplanter Kahlschlag kommt bei Anlegern gut an

Commerzbank Logo RED_shutterstock_1106261375_josefkubes

Stellenabbau, Filialschließungen, Verkauf von Tafelsilber und Investitionen in die Digitalisierung: Die Commerzbank Aktie steigt. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Ein Jahr nach ihrem Abstieg aus dem Dax verkündet die Commerzbank die nächste Hiobsbotschaft – zumindest aus Sicht ihrer Belegschaft.

Seit Freitag liegen die Eckpunkte für die Sparpläne auf dem Tisch, die einem Kahlschlag gleichkommen. Entschieden ist noch nichts, Vorstand und Aufsichtsrat beraten in der kommenden Woche über die Vorschläge, doch es deutet alles auf massive Einschnitte hin.

Weiterer Personalabbau geplant

Konkret sieht der Entwurf den konzernweiten Abbau von rund 4.300 Vollzeitstellen vor. Zugleich sollen in strategischen Bereichen wie Vertrieb oder IT 2.000 neue Stellen entstehen, sodass unterm Strich ein Minus von 2.300 Arbeitsplätzen stehenbleibt.

Damit setzt das Geldhaus die bereits eingeschlagene Richtung weiter fort. Seit in der Finanzkrise der Steuerzahler einspringen musste, um die Commerzbank zu retten und der Staat seither größter Anteilseigner ist – die Bundesrepublik hält rund 15 Prozent der Anteile –, hat es eine deutliche Reduzierung der Belegschaft gegeben. Etwa 2.600 Vollzeitstellen sind in den vergangenen Jahren weggefallen.

Jede fünfte Filiale auf dem Prüfstand

Auch das Filialnetz soll ausgedünnt werden. Von den derzeit etwa 1.000 Standorten soll voraussichtlich jeder fünfte weichen. Welche Niederlassungen genau betroffen sein werden, ist aktuell noch offen.

Insgesamt folgt die Commerzbank damit weiterhin ihrer Digitalisierungsagenda: In diesem Bereich sind in den kommenden Jahren massive Investitionen geplant. Mehr und mehr Bankgeschäfte sollen durch die Kunden selbst via Onlinebanking durchgeführt werden, Beratungsleistungen am Schalter vor Ort hingegen werden seltener.

Dies entspricht den Gewohnheiten der Kunden: Gerade die jüngeren Generationen sind es ohnehin gewohnt, die meisten Geschäfte online abzuwickeln, während es vor allem die Älteren sind, die lieber auf persönlichen Kontakt setzen.

EZB RED – shutterstock_1153405414

Zinswende in Europa fällt bis auf weiteres ausEine Straffung der Geldpolitik in der Eurozone wird vertagt. Der konjunkturelle Einbruch wirkt als Sargnagel für eine Zinserhöhung. › mehr lesen

Investitionen in Digitalisierung

Kurzfristig werden die angestrebten Maßnahmen Schätzungen zufolge rund 850 Millionen Euro kosten, mittelfristig jedoch sollen auf diese Weise ab 2023 jährlich etwa 600 Millionen Euro eingespart werden.

Um die geplanten Investitionen in den Digitalbereich – von immerhin 750 Millionen Euro ist die Rede – zu refinanzieren, denkt die Commerzbank offenbar darüber nach, sich von einem Teil ihres Tafelsilbers zu trennen. Demnach könnte ein Verkauf der knapp 70-prozentigen Beteiligung an der polnischen mBank bevorstehen.

Anleger begeistert – Commerzbank Aktie legt zu

Die Online-Tochter Comdirect, an der die Commerzbank bislang gut 80 Prozent hält, könnte im Gegenzug komplett gekauft werden. Comdirect-Aktionären winkt in diesem Fall ein Aufschlag auf den Aktienkurs von 25 Prozent.

An der Börse kamen die Pläne erwartungsgemäß gut an: Die Commerzbank Aktie zählte am Freitag zu den stärksten Werten im MDax und auch die Comdirect Aktie schoss in die Höhe.

Schwaches Branchenumfeld sorgt für Gewinneinbruch

Die Commerzbank kämpft ebenso wie die gesamte Finanzbranche mit schwierigen Rahmenbedingungen. Insbesondere die andauernde Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank belastet das Geschäftsmodell und sorgt für schwindende Einnahmen.

Für das erste Halbjahr 2019 verbuchte die Commerzbank einen Gewinnrückgang von 533 auf nur noch 391 Millionen Euro. Das Ziel einer leichten Steigerung des Gewinns im Gesamtjahr bezeichnete Vorstandschef Martin Zielke vor diesem Hintergrund zuletzt als „deutlich ambitionierter“.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.