Commerzbank-Aktie: Großer Umbau voraus?

Bald 1 Jahr ist es nun her, dass Martin Zielke bei der Commerzbank das Ruder übernommen hat.

Der vormalige Chef der Privatkunden-Sparte rückte für Martin Blessing nach an die Spitze des Vorstands – und drückt Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus allmählich seinen Stempel auf.

Blessing galt seinerzeit als Krisenmanager. Er führte die Commerzbank durch eine ihrer schwersten Krisen.

Das Geldhaus hatte sich gerade an der Übernahme der Dresdner Bank verhoben, als die globale Finanzkrise mit aller Wucht zuschlug und die Commerzbank dermaßen in Schieflage geriet, dass sie vom Steuerzahler aufgefangen werden musste.

Blessing hat es geschafft, die Lage einigermaßen zu stabilisieren. Kritiker monieren jedoch, gegen Ende habe er die Dinge schleifen lassen.

Im Mai vergangenen Jahres kam es dann zum Machtwechsel an der Spitze.

Zielke: Stellen-Abbau unausweichlich

Zielke hat nicht lang um den heißen Brei herumgeredet, schon im Herbst machte er deutlich, dass er immense Sparmaßnahmen plant.

Weltweit sollten fast 10.000 der insgesamt rund 45.000 Stellen wegfallen, und allmählich wird auch deutlich, wo genau der Rotstift angesetzt werden soll:

Zielke will die Commerzbank neu erfinden und ihre Schwerpunkte umdefinieren.

So soll das Geschäft mit der Aktien-Abwicklung wohl ausgelagert werden, aussichtsreichster Kandidat für die Übernahme der Sparte ist die britische Großbank HSBC.

Das komplexe Abwicklungs-Geschäft, das im Hintergrund des Aktienhandels abläuft, war schon öfter umstritten.

Die Dresdner Bank hatte es ausgelagert, die Commerzbank nach der Übernahme wieder ins eigene Haus geholt, kurz danach aber über eine erneute Abspaltung nachgedacht.

Diese wurde zunächst verworfen, wird nun aber wohl doch wieder konkreter.

Fokus auf Privatkunden-Geschäft

Zudem sollen die Investment- und die Geschäftskunden-Sparte zusammengelegt werden, sodass die Commerzbank sich künftig nicht mehr in 3, sondern in 2 große Geschäftsbereiche gliedert.

Dabei soll gerade das Privatkunden-Geschäft verstärkt in den Fokus rücken – kein Wunder, dass Zielke als ehemaligem Chef dieses Bereichs gerade das Privatkunden-Geschäft besonders am Herzen liegt.

1 Mio. neuer Kunden konnte die Bank bereits in den vergangenen 4 Jahren neu hinzugewinnen, bis 2020 sollen es weitere 2 Mio. Neukunden sein.

Hierfür wird auch der Digitalbereich ausgebaut. Dort sollen sogar neue Stellen geschaffen werden; trotz der Sparmaßnahmen an anderer Stelle.

Commerzbank-Aktie im Sinkflug

Anleger reagieren auf das Ganze bislang eher skeptisch:

Die Commerzbank-Aktie drehte zuletzt ins Minus und hat auf Monats-Sicht rund 10% an Wert eingebüßt; zum Oster-Wochenende kostete das Papier gerade noch knapp über 8 €.

Analysten warnen angesichts dieser Entwicklung davor zu kaufen und weisen darauf hin, dass sich die Commerzbank-Aktie zwar gerade noch im grünen Bereich befindet, aber als angezählt zu gelten hat.

Die meisten aktuellen Studien empfehlen das Papier zu halten.

14. April 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt