Commerzbank-Aktie: Das steckt hinter dem Übernahmepoker

Die Commerzbank-Aktie hat sich in 1 Jahr mehr als verdoppelt – Gerüchte um eine Übernahme heizen dem Kurs zusätzlich ein. Hier mehr dazu: (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Es sorgte für große Furore, als im vergangenen Jahr Gerüchte die Runde machen, die Deutsche Bank und die Commerzbank könnten sich zusammenschließen.

Am Ende besannen sich bekanntlich beide Geldhäuser darauf, sich erst einmal um die jeweiligen eigenen Probleme zu kümmern und von einer Fusion abzusehen.

Doch zumindest für die Commerzbank ist das Thema noch nicht vom Tisch. Deutschlands zweitgrößte Bank könnte nun doch noch zum Übernahmeziel werden.

Bund will raus – aber mit Plus

Die Bundesregierung hält seit der Rettung der Commerzbank-Anteile, die zwar in den vergangenen Jahren bereits reduziert wurden, sich aber immer noch auf 15,6% belaufen.

Ewig will der Bund hier nicht investiert bleiben, das haben die zuständigen Stellen immer wieder bekräftigt.

Stattdessen will man für den Steuerzahler ein gutes Ergebnis erzielen, sprich: mit Gewinn aus der Nummer herauskommen.

Das war in den vergangenen Jahren gar nicht so einfach, immerhin ist der Kurs der Commerzbank-Aktie im Zuge der Finanzkrise massiv abgestürzt.

Inzwischen aber geht es wieder steil aufwärts, gerade das Jahr 2017 lief richtig gut:

Noch vor 1 Jahr war das Papier für weniger als 6 € zu haben, seitdem hat sich der Wert mehr als verdoppelt.

Zuletzt wurde die Aktie der Commerzbank zu einem Kurs von 11,83 € gehandelt. Allein auf Monatssicht beträgt das Kurs-Plus rund 9%.

Die Gründe für die gute Laune der Anleger sind vielfältig – so erzielt die Commerzbank erste Erfolge durch ihre strategische Neuausrichtung:

Altlasten konnten abgebaut, Neukunden hinzugewonnen werden. In Zukunft will man sich stärker auf das Privatkunden-Geschäft konzentrieren.

Gerüchteküche heizt Aktienkurs an

Und auch die Gerüchteküche rund um mögliche Übernahme-Phantasien ließ den Aktienkurs zuletzt Fahrt aufnehmen.

Denn gleich mehrere europäische Großbanken werden als mögliche Interessenten gehandelt, darunter:

  • die Schweizer UBS,
  • die italienische Unicredit
  • sowie die französische BNP Paribas.

Letztere gilt – zumindest aus Sicht der Bundesregierung – als Favorit.

Ein deutsch-französisches Geldinstitut wäre nämlich nicht nur aus wirtschaftlicher, sondern auch aus politischer Sicht interessant.

Die deutsch-französische Achse hat in der Geschichte der EU schon etliche Male als Vorbild gedient für größere Vorhaben, die später auf europäischer Ebene ausgeweitet wurden.

In diesem Fall könnte es um nichts weniger gehen als einen symbolischen Wegbereiter hin zu einer stärker europäisch koordinierten Finanz-Politik.

Gerade in Zeiten, da Europa von Zerfalls-Tendenzen erschüttert wird, wäre das ein starkes Signal.

Commerzbank-Aktie: Zenit bereits erreicht?

Noch allerdings ist nichts entschieden, nicht einmal, ob es überhaupt tatsächlich zu einer Übernahme der Commerzbank kommt.

och die Zeichen innerhalb der Branche stehen auf Konsolidierung, gerade in Deutschland gibt es derzeit einen wahren Flickenteppich, was die Geldhäuser angeht.

Kurzfristig wird sich daran wohl auch nichts ändern, perspektivisch aber stehen die Chancen nicht schlecht.

Ob der Kurs der Commerzbank-Aktie bis dahin jedoch weiter so zielstrebig ansteigt wie zuletzt und dadurch den Preis für mögliche Bieter in die Höhe treibt, ist ungewiss.

Viele Analysten rechnen damit, dass der Zenit nach der jüngsten Rally erst einmal erreicht sein könnte und warnen vor möglichen Rücksetzern, etwa durch Gewinn-Mitnahmen.

Das kommende Jahr hat die Commerzbank bereits vorab zum „Übergangsjahr“ erklärt. Wenn es gut läuft, könnte da noch einiges drin sein – nicht zuletzt für den Steuerzahler.

2017-10-13 Coba

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.