Commerzbank-Aktie: Wieder erfolgreich mit Privatkunden

Die Banken-Branche hat zuletzt mal wieder kräftig für Wirbel und aufgeregte Schlagzeilen gesorgt.

Ausnahmsweise ging es dabei mal nicht um Verstrickungen in internationale Skandale und dubiose Machenschaften, nicht um verschrienes Investment-Banking und nicht um hohe Strafzahlungen.

Es ging um den Umgang mit den eigenen Kunden, genauer gesagt: um die Gebühren-Politik.

Wegen der anhaltenden Niedrigzins-Phase brechen den Banken nämlich allmählich die Einnahmen weg. Das in Kombination mit anfallenden Strafzahlungen schmälert naturgemäß die Bilanz.

Weniger Service, höhere Kosten

Um dem entgegenzuwirken, werden nun immer mehr versteckte oder offene Gebühren eingeführt, bei gleichzeitig nachlassendem Service.

Längt sollen Kunden nicht nur Bargeld-Abhebungen am Automaten statt am Schalter vornehmen, sondern auch Überweisungen selbst tätigen – bevorzugt per Online-Banking.

Das alles sind ehemals Bankleistungen gewesen, die nun auf den Verbraucher abgewälzt werden.

Besonders dreist: Einige Institute verlangen neuerdings Gebühren für Bargeldabhebungen. Ja, Sie haben richtig gehört: Um auf Ihr eigenes Geld zuzugreifen, sollen Sie bezahlen.

Was bei Verbrauchern für eine Welle der Empörung sorgte, findet innerhalb der Banken-Branche inzwischen immer mehr Gefallen und Nachahmer; viele Sparkassen und Volksbanken ziehen mit.

Commerzbank stärkt Privatkunden-Segment

Einen anderen Weg wählt bislang die Commerzbank: Sie hat sich auf die Fahnen geschrieben, von ihren Kunden keine Gebühren für Abhebungen zu verlangen und will daran auch künftig festhalten.

Das ist eine gute Strategie angesichts des Ziels, bis 2020 2 Mio. Neukunden gewinnen zu wollen.

Gerade in Zeiten, da die Konkurrenz ihre Kunden mit den neuen Gebühren verschreckt, könnte das Konzept der Commerzbank aufgehen.

Erste Zahlen sprechen dafür: Im 1. Quartal 2017 hat das Geldhaus 151.000 Neukunden hinzugewonnen.

Bis Ende des Jahres soll der Kundenstamm auf 12,5 Mio. anwachsen. Das passt ins Konzept, das sich die Commerzbank verordnet hat.

Der frühere Chef der Privatkunden-Sparte, Martin Zielke, hat vor 1 Jahr das Ruder als Vorstands-Chef übernommen und will diesen Bereich nun weiter stärken.

Der Rotstift soll dagegen an anderer Stelle angesetzt werden, beispielsweise bei der Aktien-Abwicklung.

Das Geschäft soll nach einigem Hin und Her in den vergangenen Jahren nun wohl ausgelagert werden. Weltweit werden 10.000 der insgesamt rund 45.000 Stellen gestrichen.

Commerzbank-Aktie auf Jahreshoch

Die Commerzbank-Aktie hat sich zuletzt wieder etwas erholt und in der 2. Monatshälfte kräftig zugelegt: Am 24. April markierte sie ein Jahres-Hoch bei 9,15 €.

Analysten zeigen sich jedoch skeptisch; die meisten empfehlen in ihren aktuellen Studien, die Commerzbank Aktie zu halten.

Der Kurs von über 9 € liegt zudem bereits über den von den meisten Analysten angegebenen Kurszielen, die sich überwiegend im Bereich zwischen 7,50 und 8,50 € bewegen.

Bei Kepler Cheuvreux ist man dagegen optimistischer:

Hier werden die Chancen höher eingeschätzt als die Risiken, insgesamt sehen die Experten ein Kurspotenzial auf 10 € und empfehlen, die Commerzbank-Aktie zu kaufen.

Noch stehen sie damit ziemlich allein da. Doch wenn Zielkes Konzept aufgeht, könnte die Zukunft für die Commerzbank besser aussehen als die jüngere Vergangenheit.

2017-04-28 Commerzbank

28. April 2017

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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