Commerzbank-Aktie: Gutes Quartal, aber Analysten warnen

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Die Commerzbank-Aktie hat seit Jahresbeginn kräftig zugelegt. Analysten warnen jedoch vor einer nahenden Kurskorrektur. Hier lesen Sie mehr: (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Durchatmen bei der Commerzbank: Das Auftakt-Quartal lief besser als gedacht. Doch damit sind die Probleme noch lange nicht vom Tisch.

Mit einem Überschuss von 217 Mio. € schnitt die Commerzbank im 1. Quartal nicht nur besser ab als im Vorjahres-Zeitraum (2016: 169 Mio. €), sondern auch deutlich stärker als von Analysten erwartet.

Diese waren im Schnitt von einem Gewinn-Rückgang auf nur noch 105 Mio. € ausgegangen.

Commerzbank in Q1 erfolgreich

Auch die harte Kernkapitalquote entwickelte sich besser als gedacht:

Nach 12,3% im Schlussquartal 2016 hatten Beobachter eine leichte Verbesserung auf 12,4% prognostiziert, tatsächlich erreichte die Commerzbank jedoch sogar 12,5%.

Den hinzugewonnenen Spielraum will der Vorstand nutzen, um den beginnenden internen Umbau zu finanzieren.

Die Bank hat sich mit Arbeitnehmer-Vertretern auf Regelungen, etwa zum Vorruhestand, geeinigt und will fast 10.000 Vollzeit-Stellen abbauen.

Besonders deutlich wird der Rotstift bei den als volatil geltenden Kapitalmarkt-Geschäften angesetzt.

Der Handel mit Zertifikaten und Indexfonds soll verkauft werden, stattdessen will sich die Commerzbank stärker auf das Privatkunden-Geschäft fokussieren.

Hier wird auch die Handschrift des neuen Chefs Martin Zielke sichtbar, der zuvor das Privatkunden-Segment geleitet hat und dessen Position nun stärken will.

Das Geschäft mit Aktien, Anleihen und Währungen lief zuletzt allerdings gut und spülte zusätzliche Gewinne in die Kassen der Commerzbank.

Das problembeladene Geschäft mit Schiffskrediten soll ebenfalls bis 2020 weitgehend abgestoßen werden, noch lastet dieser Bereich Quartal für Quartal in den Bilanzen.

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Commerzbank-Aktie: Analysten warnen vor Kurskorrektur

Dass sich der Bericht zu Q1 insgesamt so gut liest, hat jedoch auch mit Sondereffekten zu tun, wie Analysten erklärten.

Sie bewerten die Commerzbank-Aktie daher wesentlich zurückhaltender als die Anleger, die das Papier in den vergangenen Monaten auf eine Rally schickten.

In den vergangenen sechs Monaten hat die Commerzbank-Aktie um rund 35% zugelegt und kostete zuletzt etwa 9,50 €.

Viel mehr ist laut Einschätzung der Analysten momentan auch nicht drin, die Luft nach oben wird merklich dünner.

Stattdessen warnen die Experten vor einem Kursrückgang auf durchschnittlich etwa 7,50 – 8 €.

Barclays sieht jedoch eine noch stärkere Kurskorrektur voraus und setzt das Kursziel auf 6 €, die Empfehlung lautet folgerichtig: verkaufen.

Ähnlich sieht das auch die UBS, die vor einem Kurs-Absturz auf 6,50 € warnt.

Kaufempfehlungen für die Commerzbank-Aktie gibt es derzeit kaum noch, eine neutrale Nicht-Verkaufs-Empfehlung scheint das höchste der Gefühle.

Kein Wunder, immerhin wagt nicht einmal der Vorstand vorherzusagen, ob die Vorjahres-Zahlen am Ende übertroffen werden können.

Fazit

Das teure Umbau-Programm steht gerade erst in den Startlöchern. Und wie es mit den zahlreichen anderen Problemfeldern weitergeht, bleibt ebenfalls abzuwarten.

Anleger sollten sich daher von der Euphorie um den bislang erfreulichen Kursverlauf seit Jahresbeginn nicht zu sehr vereinnahmen lassen und sich lieber über die bereits erzielten Gewinne freuen.

2017-05-19 Coba


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.