Commerzbank Aktie: Strafzinsen bald auch für Privatkunden?

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Die Commerzbank kappt ihre Jahresprognose und kündigt Strafzinsen für Privatkunden an. Die Aktie reagiert darauf kaum. (Foto: Michael715 / shutterstock.com)

Durchwachsene Nachrichten kommen in dieser Woche von der Commerzbank: Zwar hat Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus im dritten Quartal seine Bilanz deutlich verbessert, die Jahresprognose wird aber dennoch gekappt. Für größeres Aufsehen als das aktuelle Zahlenwerk sorgt indes die Ankündigung der Bank, Negativzinsen künftig auch von vermögenden Privatkunden zu verlangen.

Unternehmenskunden kennen das schon: Seit 2014 müssen die Banken einen Strafzins zahlen, wenn sie bei der Europäischen Zentralbank Gelder zwischenparken. Diese Kosten wurden teilweise weitergereicht, bislang allerdings nur an finanzstarke Firmenkunden.

Strafzinsen für Privatkunden zunehmend en vogue

Mit der geplanten Ausweitung der Negativzinsen auch auf Privatkunden, deren Guthaben bei mindestens 1 Million Euro liegt, steht die Commerzbank nicht allein da. Mehr als 130 Geldhäuser in Deutschland erheben bereits Strafzinsen, rund 40 von ihnen verschonen auch Privatguthaben nicht. Zwar operieren sie alle mit einer Mindesteinlage, die Grenzziehung unterscheidet sich allerdings mitunter deutlich. Während die Commerzbank Berichten zufolge erst ab 1 Million Euro Strafzinsen erheben will, setzen andere Geldhäuser bereits ab 100.000 Euro Guthaben auf dieses Instrument.

Auch die Deutsche Bank hatte kürzlich angedeutet, Strafzinsen auch auf Privatvermögen zu erheben, ohne sich dabei allerdings festzulegen, ab welcher Einlagensumme Kunden davon betroffen sein würden. Die Rede war auch hier lediglich von „sehr vermögenden Kunden“.

Abkehr vom Sparbuch

Die Entwicklung zeigt einmal mehr, dass der Deutschen liebstes Sparmodell längst nicht mehr taugt: Wer früher über ein Sparbuch jahre- oder jahrzehntelang von guten Zinserträgen profitierte, kann mittlerweile nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen und macht unterm Strich Minus. Das gilt selbst für Durchschnittssparer mit geringeren Rücklagen, die nicht von den Negativzinsen betroffen wären.

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Dennoch scheuen gerade hierzulande viele Privatanleger den Kauf von Aktien – und zumindest mit Blick auf die Aktien von Commerzbank und Deutscher Bank sind sie damit auch gut beraten. Die Papiere beider Großbanken taumeln seit Jahren ins Verderben, vor allem die Deutsche Bank Aktie hat sich als wahrer Kapitalvernichter erwiesen.

Commerzbank Aktie: Anleger waren vorbereitet

Der Blick auf die Entwicklung des Dax insgesamt spricht jedoch eine andere Sprache: Hier konnten Anleger auch in diesem Jahr wieder von insgesamt steigenden Kursen profitieren. Eine erfolgreiche Anlagestrategie muss also nicht einmal besonders kompliziert sein: Mit den Dax-Werten lassen sich auf lange Sicht seit seinem Bestehen ordentliche Gewinne erzielen, wenn auch immer mal wieder ein Flautejahr dazwischenfunkt.

Die Commerzbank hat unterdessen angekündigt, ihr bereits eingeleitetes Sparprogramm weiter fortsetzen zu wollen und somit den Fokus auf die mittel- bis langfristige Perspektive zu lenken, anstatt kurzfristige Gewinne in den Mittelpunkt zu stellen. War Vorstandschef Martin Zielke bislang von einer leichten Steigerung des Vorjahresergebnisses (Überschuss 2018: 865 Millionen Euro) ausgegangen, rechnet er inzwischen für 2019 mit einem Rückgang.

Anleger und Analysten hatten mit dieser Entwicklung bereits gerechnet, die Commerzbank Aktie zeigte keine größeren Kursausschläge.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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