Commerzbank-Aktie nach Zahlen im Plus: Unsere Einschätzung zur Aktie

Ist die lange Durststrecke nun endlich vorbei? Zumindest wirken die Quartalszahlen, die die Commerzbank Anfang der Woche veröffentlicht hat, wie der lang ersehnte Hoffnungsschimmer am Ende des Tunnels.

Sieben Krisenjahre

Kurz nachdem Martin Blessing den Chefposten bei Deutschlands zweitgrößtem Geldhaus 2008 übernommen hatte, ging es mit selbigem dramatisch abwärts. Vor allem die zuvor eingefädelte Übernahme der Dresdner Bank brachte die Commerzbank in heftige Schieflage. Letztendlich musste sie sich vom Staat retten lassen.

Es folgten eine Bad Bank, gedeckelte Managergehälter und ein Absturz der Aktie, die zuletzt 2013 ein Tief von gerade einmal 6 Euro markierte. Seither hat sich der Kurs wieder etwas berappelt und pendelt seit Anfang 2014 im Rahmen zwischen 10 und 14 Euro.

Am oberen Ende dieser Spanne – bei 13 bis 14 Euro – sehen viele Analysten das Papier inzwischen fair bewertet. Auch die jüngste Zwischenbilanz hat hier noch einmal für Optimismus und einige Kaufempfehlungen gesorgt.

Anleger greifen zu

Besonders viel trauen die Experten der Société Générale der Commerzbank zu: Sie sehen die Aktie bei 17 Euro. Skeptischere Kollegen anderer Analysehäuser bezifferten das Kursziel hingegen bei etwa 10 Euro.

Die jüngsten Zahlen stießen bei Anlegern jedoch insgesamt auf freudige Kauflaune, sie belohnten das Ergebnis mit einem Kursanstieg von bis zu 3 Prozent. Seit Anfang 2015 hat das Papier um immerhin gut 8 Prozent zulegen können und notierte zuletzt bei rund 12 Euro.

2015-08-05 Commerzbank

Der Weg ist gut – aber noch lange nicht vorbei

Die Quartals- und Halbjahresbilanz hat gezeigt: Die Commerzbank ist auf einem guten Weg. Klar ist aber auch, dass dieser Weg noch lange nicht vorbei ist und auch noch die eine oder andere Hürde wartet.

So erwirtschaftet die Commerzbank – wie auch die Konkurrenz – geringere Einnahmen aufgrund der anhaltend niedrigen Zinsen in Europa. Doch zugleich kann sie sich über ein gestärktes Privatkundengeschäft freuen: Allein in diesem Segment stieg der operative Gewinn in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um knapp die Hälfte auf 332 Millionen Euro. Die für das Gesamtjahr angepeilten 500 Millionen Euro sind damit bereits in greifbare Nähe gerückt.

Zugleich kann die Commerzbank Altlasten abbauen. Die Bad Bank, in die sie ihr marodes Schiffsfinanzierungs- und Immobiliengeschäft ausgelagert hat, ist binnen Jahresfrist um 10 Milliarden auf nun noch 27 Milliarden Euro geschrumpft. Geht es in diesem Tempo weiter, sollte es kein Problem sein, bis Ende 2016 das Ziel von einer Reduzierung auf 20 Milliarden Euro zu erreichen.

Überschuss fast verdreifacht

Insgesamt erhöhte die Commerzbank ihren Überschuss im zweiten Quartal auf 280 Millionen Euro – damit erzielte sie fast dreimal so viel wie im Vorjahreszeitraum. Damit dürfte das im Dax gelistete Geldinstitut die Trendwende nach sieben dürren Jahren allmählich geschafft haben.

Im Gegensatz zu manch einer Konkurrenzbank drohen zudem kaum Gefahren, noch von weiteren Altlasten aus der Finanzkrise überrascht zu werden. Da liegt inzwischen wohl alles auf dem Tisch. Angesichts der insgesamt wechselhaften Stimmungslage in der Finanzbranche sollten sich Anleger jedoch stets der Risiken bewusst sein, die ein Investment in Bankaktien mit sich bringt.

Ein Schmankerl für ihre leidgeprüften Aktionäre hat die Commerzbank jedoch auch in petto: Erstmals seit sieben Jahren könnte es in diesem Jahr wieder eine Dividendenauszahlung geben. Ihre exakte Höhe wird sich allerdings erst nach Jahresabschluss beziffern lassen.

8. August 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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