Commerzbank: Anleihe mit 8% Rendite – die Bewertung

Nachrangige Anleihe ist gefährlich - dies wird verschwiegen (Foto: Michael715 / shutterstock.com)

Eine schöne Idee hatte jetzt ein Finanzmagazin zur Depot-Optimierung:

Wer hohe Zinsen haben möchte, kann demnach einfach eine Anleihe kaufen.

Ein nachrangiger Titel von der Commerzbank, der in etwa 8,1% Rendite bringt. Voraussetzung allerdings ist, dass die Bank die Anleihe auch bedienen kann, nicht zum Laufzeitende Konkurs anmelden muss und die Marktzinsen sich nicht ändern.

Das heißt: Sie gingen als Investor mit der Anlage in eine solche Anleihe ein hohes Risiko, das sich in der zugrundeliegenden Rendite nicht widerspiegelt. Wir meinen: Diese Anleihe ist nicht für private Investoren geeignet und insofern eine Fehl”beratung”. Sichern Sie sich Alternativen.

Mehrfachrisiko kalkulieren

Bevor Sie investieren, kalkulieren Sie bei diesem Titel ein Mehrfachrisiko ein. Denn die Nachrangigkeit bei der Schuldentilgung macht eine solche Anleihe anfällig für hohe Verluste wie sonst nur Aktien. Dafür aber hält die Rendite nicht mit derjenigen von Aktien stand.

Das heißt: Die Anleihe bringt zwar 8% jährlich, aber nur dann, wenn die Schulden am Laufzeitende tatsächlich zurückgezahlt werden. Ansonsten berechnet sich die Rendite aus den gezahlten Zinsen und dem dann vergleichsweise geringen Rückzahlungsbetrag.

Abrechnungstag ist erst der 14. März 2017, bis dahin müsste sich der Schuldner – hier die Bank – halten.

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Aktie zeigt: Risiko ist erheblich

Fragen Sie den Aktienmarkt, ist zu sehen: das Risiko für die Commerzbank gilt allgemein als hoch. Wenn das Unternehmen Insolvenz anmelden müsste, greift die Nachrangigkeit: Forderungen werden gegenüber den Ansprüchen von Arbeitnehmern, dem Staat und anderen Gläubigern später bestritten.

Das hat Folgen: sobald der Markt negative Gerüchte zur Commerzbank aufnimmt, wird es für die Rendite von Investoren, die bereits angelegt haben, während der Laufzeit eng. Dann sinken die Kurse und Sie könnten als Investor nur mit Verlust verkaufen.

Sinkende Kurse einkalkulieren

Auch wenn die Zinsen an den Anleihemärkten insgesamt steigen sollten, wird eine solche Anleihe unattraktiver. Die Kurse geben nach, wenn das Angebot neuer Zinspapiere am Markt besser wird.

Das bedeutet für Sie:

  • Wer jetzt investiert, erhält maximal gut 8% Rendite.
  • Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Geschäft sind jedoch eng: Der Titel muss am Markt immer handelbar sein und Commerzbank darf keine negativen Gerüchte produzieren. Sonst würden die Kurse während der Laufzeit definitv sinken. Denken Sie dabei auch an die Nachrangigkeit.
  • Zudem rechnen wir damit, dass die Zinsen in den nächsten Jahren wegen der Geldflut im Euroraum steigen werden. Auch dies wird während der Laufzeit für geringere Börsenkurse sorgen.

GeVestor meint: Wer kein Wirtschafts- oder Bilanzprüfer ist, kann die vor Monaten noch kriselnde Bank schlecht beurteilen. Wir meinen daher:

Die Rendite der Anleihe ist zu gering. Das Risiko ist größer als etwa für den Genussschein von Bertelsmann, der eine hervorragende Alternative ist – die Rendite liegt bei 6,5%.


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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.