Commerzbank: Aufspaltung des Marken-Kerns?

Die im DAX notierten deutschen Großbanken stehen mit dem Rücken zur Wand: Image im Eimer, Aktienkurs im Keller, dafür ein großer Berg an ungelösten Problemen.

Klar ist: Es muss sich etwas ändern – die Frage ist nur: Was genau?

Vor wenigen Wochen wurde laut nachgedacht über einen möglichen Zusammenschluss von Commerzbank und Deutscher Bank.

Sogar zunächst geheime Verhandlungen auf höchster Ebene soll es gegeben haben. Doch fürs Erste sind die Fusions-Phantasien wohl vom Tisch.

Stattdessen wird nun jeweils einzeln geschaut, an welcher Stelle man den eigenen Keller entrümpeln oder Strukturen effizienter gestalten kann.

Aufspaltung der Mittelstandsbank?

Wie sehr die Banken unter Druck stehen, zeigte sich zuletzt einmal mehr bei der Commerzbank.

Der neue Vorstands-Chef Martin Zielke, der die Geschicke der Bank seit dem Frühjahr führt, liebäugelt Medien-Berichten zufolge offenbar mit einer Aufspaltung der Mittelstandsbank – dem einstigen Aushängeschild und Kernbereich der Commerzbank.

Kleinere Unternehmen könnten demnach dem Privatkunden-Segment zugeordnet werden, mittlere und große Konzerne der Investment-Sparte zufallen. Parallel soll der Wertpapierh-Handel weiter eingedampft werden, um Risiken zu reduzieren.

Ein wesentlicher Faktor bei dieser Neuausrichtung wäre ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen. Zuletzt arbeiteten rund 5.700 Beschäftigte in der Mittelstandsbank, die Anzahl der Stellen könnte um bis zu 25% reduziert werden, heißt es.

Politisch brisant: Stellen-Abbau

Stellen-Kürzungen dürften jedoch bei der Bundesregierung gar nicht gut ankommen, zumal knapp 1 Jahr vor der anstehenden Bundestagswahl.

Der Bund hält jedoch nach wie vor gut 15% an der Commerzbank und ist damit größter Anteils-Eigner. Die Politik wird also wohl ein Wörtchen mitreden bei einer möglichen Strategie-Änderung.

Im Zuge des Umbaus würde möglicherweise auch das Vorstands-Gremium verkleinert. Markus Beumer, der bislang das Mittelstands-Geschäft im Vorstand verantwortet, könnte das Geldhaus in diesem Kontext verlassen.

Analysten bezweifeln jedoch, dass eine strategische Neuausrichtung der Commerzbank zur Gesundung verhilft. Umschichten allein reicht i. d. R. nicht aus, um grundlegende Probleme zu lösen.

Zudem würde wohl auch das Image der Commerzbank durch einen solchen Schritt weiter verwässern.

Commerzbank Aktie unter Druck

Die Commerzbank Aktie, die sich ohnehin schon seit geraumer Zeit auf einem absteigenden Ast befindet, hat allein in den vergangenen 12 Monaten deutlich mehr als 1/3 ihres Wertes eingebüßt und wurde zeitweise für weniger als 6 € gehandelt.

Dennoch haben Analysten das Papier noch nicht gänzlich abgeschrieben.

Angesichts des aktuell niedrigen Einstiegskurses empfehlen einige Experten die Commerzbank Aktie zum Kauf, die meisten sehen eine faire Bewertung derzeit bei 7 – 8 €.

Nur vereinzelt wird der Aktie der zweitgrößten deutschen Bank ein Anstieg auf bis zu 9 € zugetraut (Deutsche Bank, Bankhaus Lampe).

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16. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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