Commerzbank: Entschädigung an die Immobilienanleger

Um Schaden abzuwenden offeriert die Commerzbank enttäuschten Anlegern ein Angebot. Diese machen dennoch Verluste. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Die Commerzbank hat etwa 50.000 Anlegern Entschädigungszahlen angeboten: Die Kunden hatten in den Immobilienfonds „Premium Management Immobilien Anlagen“ (PMIA) investiert.

Commerzbank: Zum Fehlkauf beraten

Zuvor hatten Berater der Commerzbank offensiv dafür geworben, von bestehenden Investments in den Dachfonds zu wechseln. Zahlreiche Kunden folgten dem Aufruf und erwarben Aktien zu je 50 Euro Ausgabepreis.

Doch im Zuge der Finanzkrise wurde der Fonds im September vergangenen Jahres geschlossen, Anleger kamen nun nicht mehr an ihr Geld heran. Lediglich an der Börse hätten sie ihre Anteile noch veräußern können, dort jedoch notieren die Papiere derzeit mit nur rund 33 Euro, also deutlich unter Einkaufspreis.

Ihrem verständlichen Ärger versuchten nun zahlreiche Anleger auf juristischem Wege Luft zu machen. Über Verbraucherschutzspezialisten wird der Commerzbank Falschberatung vorgeworfen. Die Commerzbank selbst schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Rückkaufangebot: Kompromiss mit Beigeschmack

Das Geldinstitut hatte sich mit der Übernahme der Dresdner Bank verhoben und fürchtet nun weitere Imageschäden. Das Rückkaufangebot der Commerzbank liegt bei 43,38 Euro je Anteil. Das ist ein besseres Angebot, als es die Börse offeriert, und dennoch ein Nettoverlust von 6,62 Euro.

Die Kunden haben nun vier Wochen lang Zeit, sich für oder gegen das Angebot zu entscheiden. Die Alternative lautet nun also, ob man gut 13% Verlust hinnimmt oder knapp 35% Verlust an der Börse riskiert. Von einer Win-Win-Situation kann daher kaum die Rede sein.

Dennoch ist es ein Zeichen des guten Willens, dass die Bank auf ihre Kunden zugeht und ihnen ein Angebot unterbreitet. Denn umgekehrt gesprochen würden damit immerhin rund 90% der Investitionen zurückgezahlt.

Völlig risikofrei sind derlei Investments ohnehin nicht, zumal besagter Dachfonds erst 2008 aufgelegt wurde – also just in dem Jahr, in dem Immobilien- und Bankenkrise die weltweite Finanzkrise auslösten.

Commerzbank: Entschädigungsangebot aus Eigennutz?

Und doch erscheint es nur fair und richtig, dass die Bank nun selbst einspringt für ihre schlechte Kaufempfehlung. Gerade für versierte Bankberater hätte zwischen 2008 und 2010 deutlich werden müssen, dass man ein solches Geschäft niemandem guten Gewissens empfehlen dürfte.

Nun liegt es bei den Kunden, sich auf die Offerte einzulassen – oder den Gerichtsweg zu beschreiten. Ein juristischer Entscheidungsprozess würde sich vermutlich lang hinziehen, könnte die Bank aber gegebenenfalls teuer zu stehen kommen.

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Schließlich bietet keine Bank freiwillig Entschädigungen an, zu der sie sich nicht ohnehin gezwungen sieht. Eine tatsächliche freiwillige Selbstbeteiligung zugunsten der Kundenfreundlichkeit klingt zwar schön. Aber irgendwie dann doch zu schön, um wahr zu sein.

Commerzbank: Auch früher zu Schadensersatz verurteilt

Schon zuvor hat es mehrere Vorfälle gegeben, in denen der Commerzbank eine Falschberatung vorgeworfen wurde. 

So hatte ein Berater der Commerzbank einer 74-jährigen Anlegerin zu einem Kauf von Anteilen an einem geschlossenen Fonds geraten – ohne dabei ausführlich über die Risiken und Gefahren dieser Anlageform aufzuklären.

Den Verkaufsprospekt soll ihr zudem erst Monate später ausgehändigt worden sein, nachdem die Anlegerin bereits den Vertrag unterschrieben hatte.

Die in Polen geborene Frau, die nur über ausreichende Deutschkenntnisse verfügte, erstritt sich deshalb vor dem Landgericht in Wiesbaden einen Schadensersatz in Höhe von 42.000 Euro sowie Zinsen auf diese Summe.

Im Urteilsspruch ging die Richterin des Landgerichts davon aus, dass die Frau die Fondsanteile nicht gekauft hätte, wenn ihr ordnungsgemäß erklärt worden wäre, welche potenziellen Risiken dieses Geschäft für sie birgt.

Der Schadensersatz in Höhe der angelegten Summe muss von der Bank deshalb geleistet werden, damit die Anlegerin ihr Investment rückabwickeln kann. Die Vorwürfe der Klägerin wurden von den Vertretern der Commerzbank jedoch zurückgewiesen.

Wie ein Firmensprecher mitteilte, überprüfe die Commerzbank momentan die Gründe, die zu dem Urteil geführt haben.

Landgericht Wiesbaden, Aktenzeichen 9 O 46/08

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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