Commerzbank glückt Trendwende: Worauf Anleger sich jetzt freuen können

Lange galt die Commerzbank als Sorgenkind im Dax. Doch die Entbehrungen der Vergangenheit zahlen sich aus: Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus befindet sich auf einem guten Weg. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Hat die Commerzbank das Schlimmste hinter sich? Es sieht zumindest derzeit danach aus, als würden sich die Umstrukturierungen und Investitionen der Vergangenheit nun auszahlen.

Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut hatte sich zunächst mit der Übernahme der Dresdner Bank übernommen und wurde anschließend von der Finanzkrise schwer getroffen, der Bund musste mit Milliardenhilfen einspringen.

Inzwischen hat der Staat seine Anteile auf 15,6 Prozent reduziert, ist damit aber immer noch größter Anteilseigner – und dürfte sich freuen über die aktuellen Entwicklungen.

Commerzbank verdoppelt Halbjahresergebnis

Im ersten Halbjahr hat die Commerzbank ihr Ergebnis auf 646 Millionen Euro verbessert – damit hat sich der Ertrag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Der Gewinn je Aktie schoss in die Höhe von 26 auf 55 Cent.

Für das Gesamtjahr 2015 erwarten Analysten ein Ergebnis von rund 1,1 Milliarden Euro, 2016 soll es noch etwas mehr werden. Die Weichen sind bereits gestellt: So fokussiert sich die Commerzbank – anders als die Deutsche Bank – auf Privatkunden und mittelständische Unternehmen und setzt auf ein starkes Filialnetz innerhalb Deutschlands.

Risiken hingegen wurden reduziert, das Investmentbanking heruntergeschraubt, die umstrittenen Schiffskredite ausgelagert. Zwar sind noch nicht alle Probleme vom Tisch, aber der Trend ist positiv.

Analysten sehen klares Kurspotenzial

Das gilt nicht nur für die Profitabilität und die erwarteten Ergebnisse der Bank, sondern auch für ihren Aktienkurs. Analysten bewerten das Papier als klar unterbewertet. Kein Wunder, steht die Bank nach Zahlen doch mittlerweile wieder so gut da wie zuletzt 2010 – damals allerdings notierte die Aktie dreimal so hoch wie jetzt.

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Ganz so weit oben wird sie derzeit zwar noch nicht gesehen, doch jüngste Studien attestieren ihr ein Kurspotenzial von bis zu 17 Euro. Zuletzt wurde das Papier für rund 9,50 Euro gehandelt.

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Aktionäre mussten in der Vergangenheit so einiges einstecken. Im Vergleich zu 2010 hat der Kurs rund 75 Prozent eingebüßt, allein seit Jahresbeginn 2015 ging es um 15 Prozent abwärts. Doch nun könnte es wieder aufwärts gehen, nicht wenige Analysten gaben zuletzt positive Prognosen ab.

Dividende für 2015 geplant

Besonders erfreulich aus Anlegersicht: Erstmals seit 2007 soll für 2015 wieder eine Dividende ausgezahlt werden. Hierfür hat die Commerzbank nach eigenen Angaben bereits Geld zur Seite gelegt. Angesichts der sprudelnden Einnahmen und der höheren Profitabilität dürfte eine Gewinnausschüttung dieses Jahr kein Problem mehr sein.

Auch in Sachen Eigenkapital weiß das Geldhaus zu überzeugen. Die Kernkapitalquote stieg zuletzt auf 10,5 Prozent und übertrifft damit die Mindestanforderungen der Aufsichtsbehörden deutlich. Nach dem Basel-III-Abkommen müssen Banken ab 2015 eine Eigenkapitalquote von 4,5 Prozent vorhalten, ab 2019 sollen es mindestens 7 Prozent sein. Die Commerzbank erfüllt beides schon heute problemlos.

Dennoch bergen Bankaktien für Privatanleger die gängigen Risiken: Sie sind anfällig für Konjunkturschwankungen und reagieren stark auf politische Entscheidungen, die das Geschäft beeinflussen können. Zudem haben sie mit der anhaltenden Niedrigzinsphase zu kämpfen.

Es ist also noch längst nicht ausgemacht, dass die Commerzbank-Aktie zu ihrer alten Form zurückfindet. Doch zumindest hat sie sich erfolgreich von ihren Altlasten befreien können. Die Trendwende ist geglückt.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.