Commerzbank: Aktionäre erteilen Comdirect-Übernahme eine Abfuhr

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Die Commerzbank scheitert mit der geplanten Komplettübernahme ihrer Online-Tochter Comdirect - die Aktionäre haben was dagegen. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Dass der Deal kein Selbstläufer wird, hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet, doch nun ist es offiziell. Die Commerzbank scheitert mit ihrer geplanten Komplettübernahme ihrer Online-Tochter Comdirect. Im Rahmen des vorgelegten Übernahmeangebots wurden gerade einmal 0,3% der Comdirect-Aktien angedient.

Kurs handelt deutlich über dem Angebot

Erst einmal noch zu den Hintergrunddetails: Die Commerzbank bot bereits im September 11,44 Euro je Comdirect-Aktie, was einer Prämie von 25% auf den Kurs vor Bekanntwerden der Offerte entsprach. Doch der Aktienkurs notierte seither deutlich über dem Übernahmeangebot. In der Spitze kletterten die Papiere bis auf 13,58 Euro. Gestern lag der Kurs mit 12,70 Euro immerhin noch satte 11% über dem Angebotspreis.

Übernahmeschwelle meilenweit verfehlt

Mit dem jetzt bekanntgegebenen Ergebnis ist es jetzt amtlich:  Der Bankkonzern hat sein Ziel meilenweit verfehlt. Im Rahmen des Angebots wollte die Commerzbank ihren Comdirect-Anteil auf über 90% hochfahren. Für Sie zum Vergleich: Bislang hielt die Commerzbank rund 82% aller ausstehenden Comdirect-Anteile.

Bei Erfolg hätten die verbleibenden Comdirect-Anteilseigner gegen eine Barabfindung herausgedrängt werden können (“Squeeze-out“). Dass es aber keinesfalls einfach werden würde, die 90%-Schwelle zu knacken, hatte sich bereits abgezeichnet. Zuletzt meldete der Hedgefonds Petrus Adivsors, dass er inzwischen 7,5% aller Comdirect-Anteile eingesammelt hat und sich gegen den Deal stemmen wird.

Der Hedgefondsmanager argumentierte wie folgt: Der geplante Kaufpreis der Minderheitsanteile von 286 Millionen Euro stehe „in keinem Verhältnis zu den finanziellen Vorteilen, die für die Commerzbank im Falle einer Komplettübernahme entstehen. Die Vollintegration der Comdirect bezeichnete Petrus Advisers hingegen als sinnvoll.

Comdirect – der Pionier der Direktbanken

Die Comdirect ist eine der ersten Direktbanken in Deutschland und zählt zu den Marktführern im Bereich Online-Wertpapier. Die Gesellschaft wurde 1994 als Direktbank-Tochter der Commerzbank gegründet und hat sich von einem reinen Onlinebroker zu einer Vollbank mit einem vollständigen Leistungsportfolio für Privatkunden entwickelt.

Dabei ist die Gesellschaft in den Geschäftsbereichen B2C und B2B tätig. Zu der Produktpalette der comdirect gehören der Wertpapierhandel über das Internet sowie der Handel mit Investmentfonds und Anleihen. Hinzu kommen der außerbörsliche Handel, Wertpapierkredite, steueroptimierte Kapitalanlagen und Baufinanzierungen. Die zweite Hälfte des Portfolios besteht aus Bankdienstleistungen wie Tagesgeld– und Laufzeitkonten, Girokonten und Kreditkartenservices.

Die Komplettübernahme durch die Commerzbank hätte Vorteile für die Kunden beider Häuser bringen sollen. Die Commerzbank-Kunden hätten Zugang zum Digital-Angebot der Comdirect erhalten. Umgekehrt hätten die Comdirect-Kunden vom Komplettangebot der Commerzbank profitieren sollen.

Fetter Gewinn nach neun Monaten

Unterdessen laufen die Geschäfte bei Comdirect auf Hochtouren. Im laufenden Jahr zählte der Finanzdienstleister 174.000 Neukunden gegenüber nur 160.000 vor einem Jahr. Die Erträge kletterten in den ersten neun Monaten um 8% auf 273 Millionen Euro. Durch mehr Kunden und Handelsgeschäft stieg das Provisionsergebnis und auch der Zinsüberschuss wuchs trotz Negativzinsen von 86,2 auf 94,3 Millionen Euro kräftig.

Durch den Verkauf der Tochter Ebase wurde ein Rekordergebnis von 176 Millionen Euro verdient. Bereinigt um die Transaktion und sonstige nicht fortgesetzte Geschäftsaktivitäten lag der Gewinn bei 61 Millionen Euro und damit 14% über dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.