Commerzbank glänzt mit Milliarden-Überraschung: Was steckt dahinter?

Der Blick auf die beiden großen Banken Deutschlands könnte unterschiedlicher nicht sein.

Auf der einen Seite die Deutsche Bank – der einst schillernde Branchenprimus, der vor Selbstvertrauen strotzte, steckt tief in der Krise. Milliardenschwerer Rekordverlust, mindestens zwei Jahre keine Dividende, nicht enden wollende Rechtsstreitigkeiten, radikale Schrumpfkur, Aktienkurs im Keller – die meisten dieser Baustellen sind hausgemacht.

Die Rolle des Buhmanns ist die Deutsche Bank gewohnt, seit das Investmentbanking Einzug hielt und gierig um sich griff. An die neue Rolle, in der etwas Bescheidenheit gefragt ist, muss man sich in den Frankfurter Zwillingstürmen erst noch gewöhnen.

Ganz anders bei der benachbarten Commerzbank: Diese hatte sich seinerzeit an der Übernahme der Dresdner Bank verhoben und war durch die Finanzkrise geschlittert, musste vom Staat gerettet werden und hatte schwere Jahre durchzustehen. Jetzt aber ist das Schlimmste wohl endgültig überstanden, wie die jüngste Jahresbilanz zeigt.

Erster Milliardengewinn seit 5 Jahren

Erstmals seit fünf Jahren hat die Commerzbank wieder einen Milliardengewinn erwirtschaftet und damit sowohl die eigenen Ziele als auch die Prognosen der Analysten übertroffen.

Der Nettogewinn beläuft sich auf 1,06 Milliarden Euro. Besonders gut lief das Privatkundengeschäft, dessen operativer Gewinn um zwei Drittel in die Höhe schoss auf 751 Millionen Euro. Demgegenüber verzeichnete die Geschäftssparte Mittelstand einen leichten Rückgang von 13 Prozent.

Doch nicht nur unterm Strich gute Zahlen der Commerzbank überzeugen. Sie hat es darüber hinaus auch geschafft, erfolgreich Risiken abzubauen. Die eigens gegründete interne „Bad Bank“ hat ganze Arbeit geleistet und die kritischen Schiffs- und Immobilienkredite drastisch reduziert. Diese hatten in den letzten Jahren viel Kapital gebunden und für Ausfallrisiken gesorgt.

Nun soll diese „Bad Bank“ wieder abgeschafft werden, die verbleibenden Rest-Probleme werden auf die jeweiligen Sparten verteilt oder von einer kleineren Einheit bearbeitet. Bis zu 850 Millionen Euro Verlust sind hierfür bis 2019 noch einkalkuliert – verglichen mit früheren Milliardenrisiken ein überschaubarer Rahmen.

Blessing hat’s geschafft

Insgesamt hat die Commerzbank die Kurve gekriegt. Vorstandschef Martin Blessing, der seinen im Oktober 2016 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird, hat Deutschlands zweitgrößte Bank damit erfolgreich durch ihre schwerste Krise geführt. Die vergangenen Jahre waren zwar hart für die Bank und ihre Aktionäre, doch nun lassen sich allmählich die Früchte der Entbehrungen ernten.

Da passt es ganz gut ins Bild, dass Blessing sich sogar mit einer Dividende verabschieden kann. Erstmals seit 2007 sollen die Anleger wieder mit einer Gewinnausschüttung am Erfolg beteiligt werden, die Dividende von 20 Cent soll in den kommenden Jahren tendenziell steigen.

Anleger zeigten sich begeistert und griffen nach der Bilanzpräsentation beherzt zu, der Aktienkurs schnellte in die Höhe. Auch Analysten sind zuversichtlich, dass es nun aufwärts geht bei der Commerzbank. Viele sehen die Commerzbank-Aktie zweistellig bei bis zu 14 Euro. Zuletzt kostete das Papier etwa 7,50 Euro.

2016-02-16 Commerzbank

17. Februar 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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