Commerzbank: Taktische Fehler belasten den Aktienkurs

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An der Börse trennen sich die Wege: Die starken Banken legen weiter zu, die finanzschwachen Banken müssen um Geld betteln. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Der DAX stürmte heute zunächst Richtung 6.500 Punkte, schloss dann aber am Ende nur auf dem Vortagesniveau. Im Laufe des Tages haben einige Investoren begonnen, etwas genauer zu rechnen. Und das Ergebnis war, dass nicht jede Bank von der Einigung beim Euro-Gipfel profitieren wird.

Die Begründung dafür habe ich Ihnen schon gestern hier im Schlussgong geliefert: Wenn mehrere Dutzend Banken in Europa gleichzeitig Unternehmensteile verkaufen wollen, um so auf eine Kernkapitalquote von 9% zu kommen, wird der Markt überflutet. Es fehlen schlicht und einfach die Käufer für so viele Bank-Sparten.

Hinzu kommt, dass die möglichen Käufer wissen, dass bis zum 30. Juni 2012 sehr viele Banken Teilbereiche verkaufen müssen. Das drückt die Übernahmepreise nach unten.

Deutsche Bank und Commerzbank: Die Wege trennen sich

Während die Bank-Aktien in den vergangenen Monaten oft in die gleiche Richtung marschierten, gab es heute große Unterschiede. So konnte die Aktie der Deutschen Bank erneut zulegen, während die Commerzbank-Aktie über 4% verlor und DAX-Schlusslicht war.

Die Investoren und Analysten sind davon überzeugt, dass die Deutsche Bank die geforderte Kernkapitalquote von 9% relativ locker erreichen wird. Die Commerzbank steht dagegen unter Druck. Commerzbank-Chef Martin Blessing trägt eine Mitschuld.

Martin Blessing schießt ein Eigentor

Der Banken-Chef hat in dieser Woche bekräftigt, dass die Commerzbank nicht noch einmal finanzielle Hilfe vom Staat annehmen wird. Das sollte ein Zeichen der Stärke sein, wurde jedoch zu einem Eigentor.

Da sich Blessing festgelegt hat, kann er den Staat nicht mehr anzapfen, ohne sein Gesicht (und seinen Job) zu verlieren. Es bleiben nur noch 2 Auswege, um die fehlenden 3 Mrd. Euro bis zum 30. Juni 2012 aufzutreiben: Gewinne und Verkaufserlöse können das Bilanzpolster aufbessern.

Das Problem ist allerdings, dass aufgrund der Schuldenkrise und der unsicheren Konjunkturaussichten die Gewinnentwicklung im 1. Halbjahr 2012 unklar ist. Blessing kann nicht einfach Milliardengewinne einplanen.

Als sichere Einnahmequelle bleiben daher nur noch Verkäufe. Das wissen aber auch alle potenziellen Käufer. Dadurch, dass Staatsgelder kategorisch abgelehnt wurden, sitzt die Commerzbank in der taktischen Falle.

Plan B liegt schon in der Schublade

Wie ich aus Frankfurt höre, haben die Strategen in der Chefetage der Commerzbank auch direkt bemerkt, dass die frühzeitige Festlegung ein Fehler war. Es soll bereits ein Notfall-Plan in Arbeit sein, der es der Commerzbank erlaubt, doch noch staatliche Quellen anzuzapfen.

Es ist nicht erstaunlich, dass diese Pläne schnell die Runde gemacht haben. Wenn die Commerzbank jetzt in der zweiten Runde die Tür zur staatlichen Hilfe wieder etwas öffnet, stärkt das die Verhandlungsposition beim Verkauf der Randsparten.

Sind die gebotenen Preise zu niedrig, kann die Commerzbank damit drohen, den Verkauf abzublasen und staatliche Gelder in Anspruch zu nehmen. Damit diese Drohung glaubwürdig ist, muss der Staat aber auch vorbereitet sein und einen Hilfsfonds für die Banken mit Kapital versorgen.

Commerzbank hat ein Führungsproblem

Vielleicht schafft es die Commerzbank doch noch, ohne staatliche Hilfe die 3 Mrd. Euro aufzutreiben. Die Bank hat sich aber ohne Not in eine schwierige Lage gebracht. Wenn der Vorstand nicht so starke Sprüche in den Medien verbreitet hätte, wäre diese Drucksituation nicht aufgekommen.

Man spürt immer wieder, dass Blessing extrem unglücklich darüber ist, dass seine Bank beim Staat betteln musste. Diesen Makel will der Banken-Chef unbedingt beseitigen. Im Übereifer passieren aber teure Fehler. In der aktuellen Krise wäre ein stiller Strippenzieher der wesentlich bessere Commerzbank-Chef.

Die Commerzbank-Aktie leidet unter der Führungsschwäche und steht stärker als notwendig unter Druck. Spätestens am 30. Juni 2012 werden wir wissen, ob Blessing ein Comeback geschafft hat, oder ob ein neuer Chef das Ruder übernehmen muss.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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