Commerzbank übernimmt Comdirect im zweiten Versuch

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Nach einem gescheiterten Versuch kann die Commerzbank Ihre Direktbank-Tochter Comdirect jetzt doch noch vollständig übernehmen. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Im zweiten Anlauf hat sie es geschafft: Die Commerzbank kann Ihre Direktbank-Tochter Comdirect jetzt doch noch übernehmen. Möglich macht dies der Kauf eines Comdirect-Aktienpakets vom britischen Hedgefonds Petrus Advisers Ltd. Durch diesen Deal hält die Commerzbank nun mehr als 90 Prozent der comdirect-Aktien und kann somit einen verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out durchführen.

Stillschweigen vereinbart

Über den Kaufpreis des Aktienpakets haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Laut eigenen Angaben besaß Petrus Advisers Anfang Dezember rund 7,5% der Comdirect-Papiere.

Am Freitag, dem Tag an dem die Commerzbank den Kauf des Aktienpakets bekannt gab, lag der Kurs der Comdirect-Aktie bei 13,20 Euro. Bei 141,22 Mio. ausstehenden Aktien dürfte das Petrus-Paket – gemessen am aktuellen Kurs – einen Wert von gut 140 Mio. Euro gehabt haben.

Squeeze-Out angekündigt

In einer Pressemitteilung hat die Commerzbank angekündigt, dass sie nun ein Squeeze-Out-Verfahren – also das Herausdrängen der noch verbliebenen Minderheitsaktionäre – durchführen wird. Die restlichen Comdirect-Aktionäre werden eine Barabfindung für ihre Aktien bekommen, deren genaue Höhe noch von Gutachtern berechnet werden muss.

„Mit der Erhöhung unseres Anteils an der comdirect legen wir die Basis für eine zügige Verschmelzung der comdirect auf die Commerzbank. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die Integration unserer erfolgreichen Direktbank-Tochter schnell und effizient umzusetzen und erhebliche Synergien zu erzielen“, so der Kommentar von Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank.

Das Einleiten des Squeeze-Outverfahrens muss noch auf der am 5. Mai stattfindenden Hauptversammlung der Comdirect Bank beschlossen werden. Das dürfte aber aufgrund der satten Mehrheit der Commerzbank kein Problem sein.

Kurzes Gastspiel im SDax

Erst am 23. Dezember war Comdirect in den Nebenwerte-Index SDax aufgenommen worden. Da nach dem Kauf der Petrus-Advisers-Anteile nun keine 10% der Comdirect-Papiere mehr im Streubesitz sind, wird Comdirect schon am Mittwoch aus dem SDax genommen und durch das Verkehrstechnik-Unternehmen Vossloh ersetzt werden.

Was zuvor geschah

Wie Sie bereits am 12. Dezember im Übernahmesensor lesen konnten, war die Commerzbank mit einem Übernahmeangebot an die Comdirect-Aktionäre kläglich gescheitert. Im Rahmen dieser Übernahmeofferte wurden der Commerzbank gerade einmal 0,3% der Comdirect-Aktien angedient.

Grund für das Scheitern war einerseits, dass der Kurs der Comdirect-Papiere schon kurz nach Bekanntwerden des Angebots deutlich über den gebotenen Preis von 11,44 Euro hinausgeschnellt war. Andererseits sprach sich auch der Großaktionär Petrus Advisers gegen das Angebot aus und empfahl den Minderheitsaktionären, das Angebot abzulehnen.

Am 11. Dezember teilte die Commerzbank dann mit, dass sie mit ihrem Übernahmeangebot die Mindestannahmeschwelle von 90 Prozent nicht erreichen konnte. Anstatt eines Squeeze-Out kündigte die Commerzbank an, die Integration der comdirect mittels direkter Verschmelzung durchführen zu wollen. Dieses Verfahren wäre für die Commerzbank aber wesentlich aufwendiger geworden, als der Squeeze-Out.

And the winner is…

Klare Gewinner des Übernahmedeals sind sicherlich die Aktionäre, die kurz nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots Comdirect-Aktien gekauft haben bzw. schon vorher in ihrem Depot hatten. Lag der Kurs am 18.09.2019, dem Tag vor dem Bekanntwerden der Commerzbank-Übernahmeofferte, noch bei 9,15 Euro so stieg er bis heute auf 13,50 Euro. Das ist ein Kursgewinn von satten +47,5%.

Große Kasse hat sicherlich auch Petrus Advisers gemacht. Der Hedgefonds war 2017 bei Comdirect eingestiegen, als die Aktie noch weniger als 11 Euro kostete. Seitdem hat Petrus seine Beteiligung stetig ausgebaut und dass vermutlich auch noch zu günstigeren Kursen.

Auch die Commerzbank hat das bekommen, was sie wollte: die vollständige Kontrolle über Comdirect. Sie musste zwar mehr für diese Perle unter den Direktbanken zahlen als gewünscht. Aber schließlich hätte sie das Petrus-Paket ja nicht kaufen müssen.

Wie berichtet laufen die Geschäfte bei Comdirect auf Hochtouren. Im vergangenen Jahr zählte der Finanzdienstleister 174.000 Neukunden gegenüber nur 160.000 in 2018. Die Erträge kletterten 2019 in den ersten neun Monaten um 8% auf 273 Millionen Euro.

Wo es Gewinner gibt, muss es aber auch Verlierer geben. Und dass dürften die Mitarbeiter sein, die durch die Übernahme bei der Commerzbank bzw. Comdirect den Synergieeffekten zum Opfer fallen werden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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