Compugroup-Aktie: Nach Gewinnrückgang fliehen Anleger aus der Aktie

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Compugroup: Unerwartet starker Gewinnrückgang sorgt für massiven Abverkauf der Aktie. Massiver Sondereffekt sorgt für verzerrtes Ergebnis (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Lange Zeit kannte die Compugroup-Aktie nur eine Richtung – steil nach oben. Konnten Sie sich in 2015 noch eine Aktie zu unter 18 Euro ins Depot legen, kostete Sie ein Anteilsschein im Juli bereits 74 Euro. Die Position in einem attraktiven Wachstumsmarkt, hohe wiederkehrende Umsätze und ein stabiles Geschäft machten die Aktie vor allem bei wertorientierten Anlegern sehr beliebt. Am Donnerstag sorgte allerdings ein Kursrückgang von 16% für Aufmerksamkeit. Ein unerwarteter Gewinnrückgang hat die Anleger die Aktie fallen lassen wie die sprichwörtlich heiße Kartoffel.

Was war der Grund für den Einbruch? Wie geht es mittelfristig weiter? Wie schätzen die Analysten die Zukunft der Firma ein?

Compugroup – deutscher Medizinsoftwareanbieter im Porträt

Bevor ich auf die aktuellen Geschäftszahlen eingehe, möchte ich Ihnen den Konzern gerne noch näher vorstellen. Compugroup zählt sich zu den weltweit führenden eHealth-Unternehmen. Was bedeutet das konkret? Der Konzern entwickelt und vertreibt Software und Kommunikationslösungen zur Unterstützung der ärztlichen und organisatorischen Tätigkeiten für Zahnärzte, Ärzte und Kliniken. Die Gesellschaft bietet diesen eine Plattform für die Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen. Das Unternehmen ist mit eigenen Standorten in zahlreichen europäischen Ländern sowie Malaysia, Saudi Arabien, Südafrika und den USA vertreten.

Dabei ist der Konzern auch an zwei Großprojekten beteiligt, die Ihnen bestimmt bekannt sind: Der digitalen Patientenaktie und der elektronischen Gesundheitskarte. Nach enormen Anlaufschwierigkeiten durfte Compugroup als erster Anbieter Karten-Terminals und Konnektoren zur Verschlüsselung an Arztpraxen ausliefern.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seiner Positionierung hat sich Compugroup erfolgreich in einer Nische positioniert. Kennzeichnend für das stabile Geschäftsmodell sind niedrige Kündigungsquoten und das strukturelle Wachstum, da immer mehr Ärzte auf digitale Lösungen setzen müssen. Zugleich erfährt der Markt durch die zunehmende Regulierung und Digitalisierung des Gesundheitswesens kräftigen Rückenwind. So konnten sich die Zahlen der letzten Jahre durchaus sehen lassen. Seit 2007 kletterten die Umsätze von 180 auf 717 Millionen Euro. Zugleich legte der Gewinn von 22,8 auf 92,3 Millionen Euro zu.

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Gewinnknick im zweiten Quartal

Im gerade abgelaufenen zweiten Quartal gab es allerdings einen massiven Gewinneinbruch. Während die Umsätze um 2% auf 186,6 Millionen Euro nachgaben, sackte der Nettogewinn um 44% auf 14,2 Millionen Dollar in den Keller. Der Umsatzrückgang war erwartet worden, weil der Höhepunkt des Roll Outs der Telematikinfrastruktur für die elektronische Gesundheitskarte in das Vergleichsquartal des Vorjahres fiel. Der Geschäftsaufbau in den Praxen, Apotheken und Krankenhäusern hatte zuvor für enormen Rückenwind gesorgt.

Unerwartet kam hingegen die Höhe des Rückgangs, wobei ein Großteil auf einen Sondereffekt zurückzuführen ist. Das Unternehmen musste Aktienoptionen für den ausgeschiedenen Finanzvorstand Christian Teig neu bewerten, was die Ergebnisse allein im zweiten Quartal um 6,9 Millionen Euro gedrückt hat.

Gesamtjahresprognose bestätigt

Für das Geschäftsjahr 2019 bestätigt der Konzern allerdings seine Prognose. Bei einem Gesamtumsatz zwischen 720 und 750 Millionen Euro soll ein operativer Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) zwischen 190 und 205 Millionen Euro hängenbleiben. Das entspricht einer EBITDA-Marge von 25 bis 26%. Zugleich gab der neue Finanzvorstand ein Update zum Roll Out der Telematikinfrastruktur. Inzwischen sind in Deutschland mehr als 100.000 Praxen an das System angeschlossen. Gut die Hälfte (54.000) entfallen dabei auf das Koblenzer Unternehmen. Bis Jahresende sollen 56.000 Anlagen in Betrieb gehen und damit weniger als ursprünglich erwartet.

Analysten zeigen sich uneinheitlich

Die Analysten zeigen sich weiter uneinheitlich. Von 21 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten nur 5 zum Kauf der Papiere. Die Mehrheit (9 Banker) sieht in dem Papier eine Halteposition, während 7 Analysten den Titel sogar als Verkauf einstufen. Allerdings liegt das durchschnittliche Kursziel mit 63,43 Euro auf Grund des starken Kursrückgangs aktuell wieder über dem aktuellen Kursniveau.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.