Compugroup-Aktie: Software-Firma bläst Agfa- Übernahme ab

Nach der abgeblasenen Übernahme atmeten viele Anleger tief durch. Denn der Zukauf des deutlich größeren Konkurrenten wurde von Beginn an skeptisch beäugt.

Während also die Aktie des Übernahme-Objekts Agfa Gevaert um fast ein Fünftel einbrachen, konnten die Compugroup-Papiere in einem schwachen Marktumfeld sogar an Wert gewinnen.

Was hinter dem Rückzug steckt und was dies für die mittelfristigen Perspektiven des Software-Konzerns und den Aktienkurs bedeuten könnte, erfahren Sie jetzt.

Hohe Pensions-Verpflichtungen hätten auf die Bilanz gedrückt

Am Freitag war weder die Konzern-Führung von Compugroup noch von Agfa für eine Stellungnahme bereit.

Bereits vor Wochen waren Spekulationen im Markt, dass Compugroup an einer Übernahme interessiert sei.

Aber das zu 47% im Besitz der Familie von Vorstands-Chef Frank Gotthardt befindliche Software-Unternehmen hat nur begrenzten Einblick in die Bücher erhalten.

Im Gegenzug hat sich Agfa vorbehalten, nach einem alternativen Käufer Ausschau zu halten – offenbar vergeblich.

Dabei dürften vor allem die hohen Pensions-Verpflichtungen von über 1 Mrd. € den Kaufprozess deutlich ausgebremst haben.

Vielleicht konnten sich die Konzerne aber auch nicht auf die zukünftige strategische Positionierung einigen.

Denn für Compugroup wäre ohnehin nur die renditeträchtige Medizintechnik-Sparte von Interesse gewesen.

Compugroup-Umsatz hätte sich mehr als verdoppelt

Auch in absoluten Zahlen wäre der Deal eine richtig große Nummer geworden:

Agfa-Gevaert kam in den ersten 9 Monaten auf Erlöse von 1,87 Mrd. € (-5%). Das Geschäft mit der Gesundheits-Branche, das zu CompuGroup gepasst hätte, macht davon 800 Mio. € aus.

Inhaltlich wäre das Teilsegment allerdings ein Volltreffer gewesen: Compugroup wendet sich mit seiner Medizin-Software an Arztpraxen und Apotheken und unterstützt deren organisatorische Abläufe.

Agfa-Gevaert stellt Bildsysteme und IT-Lösungen her, die auch im Gesundheitswesen zum Einsatz kommen. Damit könnten z. B. Röntgen-Aufnahmen am Tablet präsentiert oder die Patientenakte elektronisch erfasst werden.

Compugroup deutlich ertragsstärker

Compugroup fokussiert sich mit seiner Software auf niedergelassene Ärzte (ca. 50% der Umsätze) und Apotheken. Krankenhaus-Software, die eher von Projekt-Geschäft geprägt ist, komplettiert das Angebot.

Dabei tragen wiederkehrende Umsätze mit 66% zu den Gesamt-Erlösen bei.

Beeindruckend ist dabei die hohe Bindung von Ärzten an das Software-Produkt, das diese während des gesamten Arbeitsablaufs unterstützt. Dies spiegelt sich in niedrigen Kündigungs-Quoten von unter 2% wider.

CompuGroup erwirtschaftete in den ersten 3 Quartalen einen Umsatz auf 407 Mio. €.

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 31,97 Mio. € hängen. Das entspricht einer Nettomarge von 7,8%. Die Vorsteuermarge lag zuletzt sogar bei über 20%.

Für Sie zum Vergleich: Der deutlich größere Konkurrent Agfa kam bei einem Umsatz von 1,9 Mrd. € gerade einmal auf einen Profit von 61 Mio. € (Gewinnspanne: 3,2%).

Auch in der für Compugroup interessanten Gesundheits-Sparte lag die Vorsteuermarge nur bei 9,7%.

Compugroup-Aktie aufgrund der hohen Wettbewerbs-Qualität kein Schnäppchen mehr

Besonders beeindruckt ist die Marktposition von Compugroup im Wettbewerb, die niedrigen Kündigungs-Quoten und das strukturelle Wachstum, da immer mehr Ärzte auf digitale Lösungen setzen müssen.

Zunehmende Regulierung und Digitalisierung des Gesundheitswesens bilden die Basis für das strukturelle Wachstum des von Compugroup adressierten Marktes.

Die Zahlen sprechen für sich:

Obwohl der Software-Konzern seit 2011 die Erlöse „nur“ um 37% steigern konnte, explodierten die Gewinne regelrecht um mehr als 300% – kein Wunder also, dass die Aktie von immer mehr Anlegern entdeckt wurde.

Nach 470% Kursplus in den letzten 5 Jahren liegt der Börsenwert mittlerweile bei gut 2 Mrd. €.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei 30 und zeigt Ihnen, dass die Anleger die hohe Planbarkeit der Geschäfte (2/3 wiederkehrende Erlöse) durchaus zu schätzen wissen.

5. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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