Compugroup: Anleger feiern Cerner-Deal und lassen Aktie abheben

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Compugroup: Koblenzer Softwareschmiede baut mit Übernahme Klinikgeschäft weiter aus. Anleger jubeln und treiben Aktie deutlich nach oben (Foto: Best Backgrounds / shutterstock.com)

So schnell kann es an der Börse gehen. Der Blick auf den Chart zeigt Ihnen: Die Gewinnwarnung aus dem vergangenen September scheint so gut wie vergessen. Inzwischen sind die Papiere der Koblenzer Softwareschmiede um mehr als 40% nach oben geklettert. Das jüngste zweistellige Kursplus ging auf das Konto eines millionenschweren Zukaufs, den die Firma gerade bekanntgab.

Compugroup – deutscher Medizinsoftwareanbieter im Porträt

Bevor ich auf den aktuellen Deal eingehe, möchte ich Ihnen den Konzern gerne noch näher vorstellen. Compugroup zählt sich zu den weltweit führenden eHealth-Unternehmen. Was bedeutet das konkret? Der Konzern entwickelt und vertreibt Software und Kommunikationslösungen zur Unterstützung der ärztlichen und organisatorischen Tätigkeiten für Zahnärzte, Ärzte und Kliniken. Die Gesellschaft bietet diesen eine Plattform für die Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen. Das Unternehmen ist mit eigenen Standorten in zahlreichen europäischen Ländern sowie Malaysia, Saudi Arabien, Südafrika und den USA vertreten.

Dabei war der Konzern auch an zwei Großprojekten beteiligt, die Ihnen bestimmt bekannt sind: Der digitalen Patientenaktie und der elektronischen Gesundheitskarte. In den Vorjahren hatte die Compugroup stark von der Einführung der sogenannten Telematik im Gesundheitswesen profitiert, die auch Software und Hardware für die elektronische Gesundheitskarte umfasst.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seiner Positionierung hat sich Compugroup erfolgreich in einer Nische positioniert. Kennzeichnend für das stabile Geschäftsmodell sind niedrige Kündigungsquoten und das strukturelle Wachstum, da immer mehr Ärzte auf digitale Lösungen setzen müssen.

Zugleich erfährt der Markt durch die zunehmende Regulierung und Digitalisierung des Gesundheitswesens kräftigen Rückenwind. So konnten sich die Zahlen der letzten Jahre durchaus sehen lassen. Seit 2007 kletterten die Umsätze von 180 auf 746 Millionen Euro. Zugleich legte der Gewinn von 22,8 auf 103,4 Millionen Euro zu.

Übernahme soll Wachstum sichern

Um für die Zukunft Wachstum zu sichern, haben die Koblenzer gerade zugeschlagen und sich für 225 Millionen Euro einen Teil des IT-Healthcare Portfolios von Cerner in Deutschland und Spanien gesichert. Mit dem Zukauf wird das Geschäft mit Informationssystemen für Krankenhäuser deutlich gestärkt. Die Kundenbasis des erworbenen Geschäfts umfasst 251 Krankenhäuser in Deutschland und 65 in Spanien.

Zuletzt erwirtschaftete das Geschäft einen Jahresumsatz von 74 Millionen Euro. Bei einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 13 Millionen Euro erzielte die Sparte eine EBITDA-Marge von 17,5%.

Prognose zeigt nach oben

Ohnehin scheinen die mauen Töne, die die Gewinnwarnung im September begleitet haben, fast schon vergessen. Neben der Großübernahme gab der Koblenzer Softwarespezialist nämlich gerade auch einen zuversichtlichen Ausblick. Der auf Arztpraxen, Apotheken und Kliniken spezialisierte Softwareanbieter peilt für 2020 eine Bandbreite beim Umsatz zwischen 765 und 815 Millionen Euro an. Für Sie zum Vergleich: Die Analysten gingen bislang von 770 Millionen Euro aus.

Bei der Gewinnentwicklung zeigt sich der Konzern etwas vorsichtiger: So soll der um Sondereinflüsse bereinigte Gewinn zwischen 195 und 215 Millionen Euro liegen. Der anvisierte Zukauf ist im Ausblick aber noch nicht enthalten.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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