CompuGroup Medical: Übertriebener Kursrutsch

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Die CompuGroup-Aktie hat ihren Kursgewinn seit Herbst 2017 in nur zwei Wochen wieder abgegeben. Eine Erholung scheint wahrscheinlich. (Foto: Jinning Li)

Die Aktionäre der CompuGroup Medical SE erlebten zuletzt ein Wechselbad der Gefühle: Ging es gerade im letzten Quartal des vergangenen Jahres mit den Notierungen nach oben, so folgte in den vergangenen beiden Wochen der Absturz. Zum Wochenauftakt veröffentlichte der auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierte Softwareanbieter seine Zahlen.

Unternehmensportrait

Die CompuGroup Medical SE, mit Sitz in Koblenz, ist eines der führenden eHealth-Unternehmen in Europa. Das Unternehmen liefert wichtige Software, um – eigenen Angaben zufolge – Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern. Dabei werden die Akteure des Gesundheitswesens –  Ärzte, Apotheker, Kostenträger, Labore, Krankenhäuser, Reha- und Pflegeeinrichtungen – miteinander vernetzt („Medical Cloud“). Das Unternehmen blickt auf eine 25-jährige Geschichte zurück. Insgesamt vertrauen weltweit 400.000 Kunden in über 40 Ländern auf die Dienstleistung der CompuGroup Medical SE.

Vorläufiges Ergebnis 2017 im Rahmen der Erwartungen

Die vorläufigen Zahlen für 2017 lagen im Rahmen der Erwartungen: Im vergangenen Jahr sank auf Grund höherer Finanzierungskosten der Periodenüberschuss um knapp 7% auf 41,5 Mio. Euro. Immerhin konnte der Umsatz um rund 4% auf 582 Mio. Euro zulegen.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen kletterte um 2,3% auf 128,6 Mio. Euro. Die Verzögerungen bei der Einführung der sogenannten Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen – die unter anderem die elektronische Gesundheitskarte umfasst – sorgten für einen unerwartet späten Start der Ausrüstung von Arztpraxen mit Verbindungsgeräten und Software und damit für die eher verhaltenen Zahlen.

Im 4. Quartal gab es ein Umsatzplus von 7% auf 164 Mio. Euro. Mit einer operativen Marge von 23% stieg der Konzerngewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) im letzten Vierteljahr von 36 Mio. Euro auf 37 Mio. Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

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Deutliches Wachstum 2018 erwartet

Für das laufende Jahr erwartet CompuGroup ein deutliches Wachstum: Das Unternehmen rechnet mit einen Gesamtjahresumsatz in 2018 zwischen 700 Mio. und 730 Mio. Euro und ein EBITDA zwischen 175 Mio. und 190 Mio. Euro.

Genau diese Zahlen sorgten schon vor 2 Wochen für lange Gesichter und fallende Aktienkurse, da einige Analysten von über 800 Mio. Euro Umsatz ausgegangen sind.

So schnell kann CompuGroup den Startschuss für die flächendeckende Einführung der elektronischen Gesundheitskarte anscheinend doch nicht für sich nutzen. Aber das Umsatzpotenzial dürfte mit etwas Verzögerung ein Jahr später abgerufen werden. Insofern erscheint mir der Kursverlust von inzwischen 20% übertrieben.

Charttechnik spricht für steigende Kurse

Auch aus charttechnischer Sicht spricht einiges dafür, dass die Aktie zwischenzeitlich ihren Boden erreicht hat. So wurde die untere Begrenzung bei rund 46 Euro getestet und diese Marke hat gehalten. Allerdings kann sich das in der aktuell extrem volatilen Börsenphase auch schnell ändern. Damit die Charttechnik „grünes Licht“ gibt, müsste sich der Kurs schon wieder etwas von der 46 Euro-Marke abheben.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.