Compugroup: Softwarekonzern reitet Digitalisierungswelle im Gesundheitswesen

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Der Softwarekonzern Compugroup steigt mit einer Übernahme zu den führenden Anbietern von Arztinformationssytemen in den USA auf. (Foto: Production Perig / shutterstock.com)

Die Aktie des Medizinsoftware-Konzerns Compugroup zeigte sich zuletzt ausgesprochen robust und notiert nur noch knapp unter ihrem Allzeithoch. Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre haben sich die Papiere etwas mehr als verdoppelt. Dabei steht der starken Kursentwicklung auch eine deutliche Ausweitung der Geschäftsaktivitäten gegenüber. Auch zukünftig sind die Weichen des Softwareunternehmens auf Wachstum gestellt: Für 2021 peilt der Koblenzer Konzern ein Wachstum von 20% an und will erstmals die Milliardenmarke beim Umsatz knacken.

Compugroup – deutscher Medizinsoftwareanbieter im Porträt

Compugroup zählt sich zu den weltweit führenden eHealth-Unternehmen. Der Konzern entwickelt und vertreibt Software und Kommunikationslösungen zur Unterstützung der ärztlichen und organisatorischen Tätigkeiten für Zahnärzte, Ärzte und Kliniken. Die Gesellschaft bietet diesen eine Plattform für die Vernetzung aller Beteiligten im Gesundheitswesen. Das Unternehmen ist mit eigenen Standorten in zahlreichen europäischen Ländern sowie Malaysia, Saudi Arabien, Südafrika und den USA vertreten.

Dabei war der Konzern auch an zwei Großprojekten beteiligt, die Ihnen bestimmt bekannt sind: Der digitalen Patientenaktie und der elektronischen Gesundheitskarte. In den Vorjahren hatte die Compugroup stark von der Einführung der sogenannten Telematik im Gesundheitswesen profitiert, die auch Software und Hardware für die elektronische Gesundheitskarte umfasst.

Beeindruckende Erfolgsgeschichte

Mit seiner Positionierung hat sich Compugroup erfolgreich in einer Nische positioniert. Kennzeichnend für das stabile Geschäftsmodell sind niedrige Kündigungsquoten und das strukturelle Wachstum, da immer mehr Ärzte auf digitale Lösungen setzen müssen.

Zugleich erfährt der Markt durch die zunehmende Regulierung und Digitalisierung des Gesundheitswesens kräftigen Rückenwind. So konnten sich die Zahlen der letzten Jahre durchaus sehen lassen: Seit 2007 kletterten die Umsätze von 180 auf 746 Millionen Euro. Zugleich legte der Gewinn von 22,8 auf 65,8 Millionen Euro in 2019 zu. Im zurückliegenden Quartal, das Ende September endete, erzielte Compugroup ein Umsatzplus von 30% auf 231,3 Millionen Euro einen Gewinn von 34,8 Millionen Euro (+92% zum Vorjahresquartal).

Übernahme in den USA erfolgreich abgeschlossen

Nach starken Zahlen konnte Compugroup zuletzt auch die Übernahme von EMDS in den USA in trockene Tücher bringen. Nach den regulatorischen Freigaben ist der Zukauf nun abgeschlossen. Damit zählt Compugroup jetzt auch in den Vereinigten Staaten zu den führenden Anbietern von Arztinformationssystemen. Der Konzern sieht sich als Nummer 4.

Für die Übernahme hat Compugroup 203 Millionen Euro auf den Tisch gelegt. Die Finanzierung erfolgte aus Barmitteln, dem laufenden Cash-flow und Krediten im niedrig zweistelligen Millionen-Euro-Umfang. Dabei handelt es sich bei EMDS um keine kleine Nummer. Ganz im Gegenteil: Im vergangenen Geschäftsjahr kam die Firma mit 60.000 Kunden auf einen Jahresumsatz von 81 Millionen Euro. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag bei 12 Millionen Euro.

Mit dem Zukauf setzt Compugroup seine Einkaufstour mit Hochdruck fort. So haben die Koblenzer im Dezember noch den Labor-Informationssystemanbieters Schuyler House geschluckt. Im Sommer wurden zudem Teile des IT-Healthcare-Portfolios des US-Konzerns Cerner in Deutschland und Spanien für 225 Millionen Euro übernommen.

Milliarden-Marke beim Umsatz im Visier

Die getätigten Zukäufe machen sich auch in der kürzlich abgeschlossenen Budgetplanung bemerkbar. Für 2021 peilt Compugroup ein Umsatzplus von 20% an. Damit würde erstmals in der Firmengeschichte mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz durch die Bücher gehen. Organisch, also ohne Übernahmen, soll das Umsatzwachstum bei 5% liegen.

Beim bereinigten Ergebnis (EBITDA) peilt Compugroup eine Marge zwischen 20 bis 23% an. Das liegt zwar leicht unter dem Vorjahr, ist aber auf zusätzliche Investitionen in neue Technologien und in Vertrieb zurückzuführen. Damit sollen neue Wachstumschancen erschlossen werden, die sich durch die schnell voranschreitende Digitalisierung des Gesundheitssystems für Compugroup ergeben.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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