Computer-Hardware: Auch Marktführer sind vor einem tiefen Fall nicht gefeit

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Der klassische PC verliert immer mehr an Bedeutung und wird Stück für Stück von Tablet-PCs und Smartphones verdrängt. (Foto: JHVEPhotos / shutterstock.com)

Hewlett-Packard hat im 2. Quartal positiv überrascht.

Die operative Marge verbesserte sich als Folge des laufenden Sparprogramms von 2,7 auf 3,2%, bei dem in den kommenden 2 Jahren weltweit 29.000 Stellen abgebaut und bis zu 3,5 Mrd $ eingespart werden sollen.

Es zeigt sich, dass das Management die Margen von Bereichen erhöhen kann, die unter großem Druck sind. Die stärkere Ausrichtung auf Angebote abseits des klassischen Rechnergeschäfts beginnt sich für Hewlett-Packard auszuzahlen.

Die Geschäfte mit Druckern und Dienstleistungen lagen etwas über Plan. Vor allem diese beiden Sparten trugen zur Verbesserung der Margen bei.

Hewlett-Packard versucht nach dem Vorbild von IBM profitabler zu arbeiten, indem es sich vor allem auf das einträglichere Service-Geschäft konzentriert.

Trotz der Sparerfolge bekommt Hewlett-Packard den Wandel in der Branche aber weiter zu spüren. Kunden bevorzugen immer mehr mobile Anwendungen wie Smartphones oder Tablet-PCs, der klassische PC verliert an Bedeutung.

So sanken die Verkäufe der Tischrechner um 18 und die der Notebooks sogar um 24%. Auch die Anzahl der verkauften Drucker ging um 11% zurück.

Insgesamt sank der Umsatz um 10% auf 27,6 Mrd $, unterm Strich standen mit 1,1 Mrd $ immerhin 32% weniger als im Vorjahr.

Die Zahlen sind weitere solide Eckpunkte auf dem Weg zur Trendwende

Im unmittelbaren Ausblick ist HP jetzt wieder optimistischer und erwartet für 2013 ein Ergebnis zwischen 3,50 und 3,60 $ je Aktie. Damit wurde die untere Grenze der Bandbreite um zehn Cent angehoben.

Auf Sicht von 6 bis 12 Monaten erwarten wir eine durchschnittliche Kursentwicklung und erhöhen die Timing-Einstufung von 2 auf 3 Sterne.

Krise im PC-Markt trifft Dell besonders hart

Die Bilanz zeigt deutliche Auswirkungen der Krise im PC-Markt. Umsatz und Gewinn fielen bei Dell im 1. Quartal geringer aus. Der Nettogewinn brach um 80% auf 130 Mio $ ein, während der Umsatz um 2,4% auf 14,07 Mrd $ schrumpfte.

Die Enterprise Solutions Group setzte mit 3,1 Mrd $ rund 10% mehr um. Während sich der Umsatz im Bereich Server und Networking um 16% erhöhte, verlor der Bereich Storage 10%.

Die Services-Sparte konnte ihr Ergebnis verbessern. Der Bereich Software erwirtschaftete dagegen einen operativen Verlust von 85 Mio $. Spätestens in 2 Jahren will Dell aber mit dem Verkauf von Software schwarze Zahlen schreiben.

Die auf Verbraucher ausgerichtete Sparte, die das PC-Geschäft umfasst, büßte 9% ihres Umsatzes ein und steuerte 8,9 Mrd $ zum Gesamtergebnis bei.

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Die drei großen PC-Hersteller im VergleichHewlett-Packard, Lenovo und Dell: Der Kampf gegen den schwindenden PC-Absatz. › mehr lesen

Die rückläufige Nachfrage wirkte sich vor allem negativ auf das Betriebsergebnis aus, das um 65% auf 224 Mio $ zurückging.

Michael Dell will Unternehmen von der Börse nehmen

Aufgrund des geplanten Börsenrückzugs nannte Dell keine Prognose für 2013. Michael Dell und die Investmentfirma Silver Lake Partners wollen den Konzern durch einen Rückkauf mit einem Volumen von 24,4 Mrd $ von der Börse nehmen.

Den Anteilseignern bieten sie pro Aktie 13,65 $ an.

Ein Gegengebot über 25 Mrd $ zog Blackstone im April angesichts schlechter Zahlen für den weltweiten PC-Markt wieder zurück. Jetzt steht noch ein Vorschlag von Carl Icahn und Southeastern – Dells größten Aktionären – im Raum.

Das vom Aufsichtsrat eingesetzte Spezialkomitee prüft derzeit diese Alternative. Wird Dell von der Börse genommen, stellen wir die Beobachtung ein. Die Timing-Einstufung setzen wir solange aus.

Rekordzahlen bei Lenovo

Lenovo schloss das Geschäftsjahr 2012 mit Rekordwerten bei Umsatz, Gewinn und Verkaufszahlen ab. Der Konzern verdankt das Wachstum dem Geschäft mit Smartphones und Tablet-Computern.

Der Umsatz erhöhte sich um 14,5% auf 33,8 Mrd $ und der Gewinn um 34% auf 635 Mio $. Die Bruttomarge lag bei 12%, was einem Anstieg von 0,3 Punkten entspricht. Auch im Kerngeschäft mit PCs machte Lenovo Boden gut.

Anders als die anderen großen PC-Hersteller verzeichnete Lenovo keinen Absatzrückgang.

Der Marktanteil von Lenovo erhöhte sich von 13,2 auf 15,3%. So schloss Lenovo zum Marktführer Hewlett-Packard auf, dessen Marktanteil von 17,7 auf 15,7% schrumpfte. Ein Grund für das gute Abschneiden ist der weltweite Expansionskurs.

In Deutschland hatte Lenovo den Aldi-Lieferanten Medion und damit eine Menge lokale Marktanteile zugekauft. Lenovo bietet seine Touchscreen-Modelle inzwischen auch in Russland, Indien, Indonesien, Vietnam und den Philippinen an.

Noch in diesem Jahr will Lenovo in Afrika die ersten Smartphones auf den Markt bringen. Zum Erfolg hat auch der Kauf von Distributoren weltweit beigetragen. Damit hat Lenovo seinen Vertrieb optimiert und auch seinen Marktanteil gesteigert.

Künftig soll in die schnell wachsenden Bereiche Tablets, Smartphones und Enterprise-Hardware investiert werden, während die Profitabilität des PC-Kerngeschäfts verbessert werden soll.

Lenovo zeigt den anderen Herstellern, wie in einem hartumkämpften Markt gutes Geld zu verdienen ist. Auf Sicht von 6 bis 12 Monaten erwarten wir eine durchschnittliche Kursentwicklung und behalten die Timing-Einstufung von 3 Sternen bei.


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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.